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Choralandacht | 16.05.2015 | 07:50 Uhr

Wie lieblich ist der Maien (eg 501)

Autor: Wie schön, wenn es Frühling wird. Wenn ein erstes Schneeglöckchen aus dem Schnee lugt, Wenn die Zweige zu knospen beginnen, wenn Krokusse und Veilchen aufblühen und mit ihrem Duft die Welt verändern. Wenn es uns nach draußen zieht, weil die Sonne schon wieder ein erstes Mal auf der Haut brennt. Alle Jahre wieder ist das ein besonderer Moment.

Im Frühjahr ist der Mai ganz klar mein Lieblingsmonat. Die ganze Welt ist in ein sattes Grün getaucht - die Sonne wärmt. Alles sprießt, wächst, gedeiht. Natürlich auch die Liebe Auch für sie steht der „Wonnemonat“ Mai.

Musik: Einsatz Vorspiel (instrumental): „Wie lieblich…“

Autor: Vielleicht gibt es auch deshalb so schöne Mai-Lieder. Auch in unserem Gesangbuch. Lieder voller Lebensfreude. Sie tanzen förmlich durch den Tag und nehmen mich mit in ihre Fröhlichkeit.

Musik: (1. Strophe)

Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt,

des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht.

Die Tier sieht man jetzt springen mit Lust auf grüner Weid,

die Vöglein hört man singen, die loben Gott mit Freud.

Autor: Ja, die Schönheit des Frühlings-Monats Mai bestimmt dieses Lied. Lust und Freude, „dass alles grünt und blüht“.

Über 400 Jahre wird dieses Lied nun schon gesungen. Der Lehrer, Diakon, später Pastor Martin Behm hat den Text des Liedes geschrieben. Er lebte und arbeitete in Laubau - in der schlesischen Oberlausitz.

Martin Behm hat schon in jungen Jahren lernen müssen, dass im Leben nicht immer alles so läuft wie es soll. In seiner Heimatstadt gab es eine länger andauernde Hungersnot. Das war in den 70er Jahren des 16. Jahrhunderts. Seine Eltern schickten den jungen Martin darum zu Verwandten nach Wien. Wie in Wien erfuhr Behm immer wieder: Ich bin nicht allein, auch wenn ich in Not bin. Diese guten Erfahrungen prägten ihn für seinen späteren Dienst als Pfarrer. Da stand er dann seiner Gemeinde bei: in Kriegszeiten, in Hungersnöten - und während die Pest wütete.

In der zweiten Strophe des Liedes spüren wir auch etwas von seinen Sorgen. Nichts ist selbstverständlich im Leben. Neben allem Lob und Dank ist dem Autor klar: Gottes Güte will erbeten sein:

Musik: (2. Strophe)

Herr, dir sei Lob und Ehre für solche Gaben dein!

Die Blüt zur Frucht vermehre, lass sie ersprießlich sein.

Es steht in deinen Händen, dein Macht und Güt ist groß;

drum wollst du von uns wenden Mehltau, Frost, Reif und Schloß'.

Autor: Es braucht eine Umgebung, die alles wachsen lässt und reifen, damit irgendwann eine gute Ernte gelingt. Gott, lass die Früchte wachsen, lass sie „ersprießlich sein“. Und: Bewahre uns vor allem, was die Früchte, was Wachstum zerstört.

Ich finde die lebendig-pulsierende Melodie des Liedes so wunderschön. Sie stammt eigentlich von einem anderen Lied, das etwa 40 Jahre vor dem Text von Behm entstanden ist: Der Jurist Johann Steurlein aus Meiningen in Thüringen hat in den siebziger Jahren des 16. Jahrhunderts ein Liebeslied geschrieben. Es beginnt mit der Rede eines jungen Menschen, der verliebt ist – vielleicht war es im Wonnemonat Mai. Denn der Mai steht ja für das, was mir manchmal einfach so „zufliegt“: Ein Lächeln, eine Berührung - die Liebe… und dann ist auf einmal alles anders, als flöge man davon…Der junge Mann singt seiner Angebeteten zu:

Musik (instrumental)

Sprecher: Mit Lieb bin ich umfangen, Herzallerliebste mein.

Nach dir steht mein Verlangen, möcht immer bei dir sein.

Könnt ich dein Gunst erwerben, käm ich aus großer Not;

sonst wollt ich lieber sterben und wünscht mir selbst den Tod.

Autor: Er führt dann seine Liebe in den nächsten Strophen noch weiter aus: „Herzlieb, gedenk an die Treue, die du mir verheißen hast!“ Und: „Dir hab ich mich ergeben, Herzallerliebste mein!“ Aber seine Angebetete antwortet ihm ganz cool:

Musik (instrumental)

Sprecherin: Junger Gsell, lass doch dein Werben, du erlangtest meiner nicht! Wöllest du gleich darum sterben, es ist vergebens gewiss. Du hast mich lieb im Herzen? Da weiß ich wenig nur. Fürwahr, es ist kein Scherzen: Lass ab, es ist umsonst!

Autor: Ein trauriges Ende. Wie schade. Unser geistliches Lied nimmt eine andere Wendung als das Liebeslied. Aus dem Lied für einen liebenswerten Menschen ist ein Liebeslied für Gottes Schöpfung geworden. Aber nicht nur. Denn in der 3. und 4 Strophe geht es um unseren „geistlichen“ Frühling. Um die „Lust an Gottes Wort“ …und um den Wachstum im Glauben, darum, „im Geist fruchtbar zu sein.“ Lass meine Glaubensfrüchte wachsen. Bewahre sie – so wie du die Früchte der Natur bewahren mögest.

Musik: (3. Strophe) Herr, lass die Sonne blicken ins finstre Herze mein,

damit sich's möge schicken, fröhlich im Geist zu sein,

die größte Lust zu haben allein an deinem Wort,

das mich im Kreuz kann laben und weist des Himmels Pfort.

Autor: Wie die Gaben der Natur liegt auch das Leben der Menschen in Gottes Hand, dichtet Pfarrer Behm. Zu oft hat er erlebt, wie widrige Lebensumstände die Seelen von Menschen verändern. Von der Sonnenseite des Lebens geraten sie auf die Schattenseite. Die Lebenslust ist dahin - und andere Fragen drängen nach vorn: Hat das Leben überhaupt noch etwas zu bieten? Mehr als Enttäuschungen und Kränkungen? Wenn die Schattenseiten des Lebens mächtig werden, ist nichts mehr sonnig und warm. Und wir drohen, in der Kälte zu erstarren.

Aber Martin Behm hat die Erfahrung gemacht: Auch wenn es schwere Lebens-Abschnitte gibt: Gottes wärmende Sonne taut meine Lebensgeister wieder auf, bringt sie wieder zum Blühen. Und dann werden in mir Kräfte frei, das Leben neu anzugehen.

Musik: (4. Strophe)

Mein Arbeit hilf vollbringen zum Lob dem Namen dein

und lass mir wohl gelingen, im Geist fruchtbar zu sein;

die Blümlein lass aufgehen von Tugend mancherlei,

damit ich mög bestehen und nicht verwerflich sei.

Autor: Die Blümlein lass aufgehen: Ich stelle mir einen ganzen Strauß mit bunten Blumen vor: die eine heißt Freundlichkeit, eine andere Ehrlichkeit. und daneben blüht eine Frucht, die fröhlich macht und gelassen. Zeit füreinander haben und Geduld im Umgang miteinander gehören auch mit in den Strauß - und die Freude darüber, wenn auch einem anderen etwas gelungen ist.

Die Natur im Wonnemonat Mai und unsere „geistliche Natur“ sind die Themen des Liedes „Wie lieblich ist der Maien“. Die Frühlings-Natur wird dabei zum Abbild für unser geistliches Leben. Es hat eine Zukunft und blüht noch weiter auf – denn nach dem Frühling kommt ja der Sommer.

Und die schwungvoll-tänzerische Melodie unterstützt das alles, wird zum TONTRÄGER für diese Botschaft: Sie macht nicht nur Lust zu singen, sondern will uns und die ganze Schöpfung in den weiten Horizont der Liebe Gottes stellen.

So hat ein Lied mit einer 450 Jahren alten Geschichte immer wieder Menschen Freude gemacht, hat sie zum Aufblühen gebracht - dieses Liebeslied für einen Menschen, dieses Liebeslied für Gottes Schöpfung. Es berührt auch mich – und lässt mich dankbar in diesen Tag gehen.

Nähere Informationen zu diesem Lied und anderen geistlichen Volksliedern:

Fritz Baltruweit/Jürgen Schönwitz, Ich singe dir mit Herz und Mund,

Evangelische Volkslieder von der Reformation bis heute, Hannover 2014

siehe auch: www.kirchliche-dienste.de/volkslieder

Ausschnitte aus:

Titel: Wie lieblich ist der Maien (und: Mit Lieb bin ich umfangen)

Interpret: Baltruweit, Fritz

Komponist: Steurlein, Johann

Arrangement: Baltruweit, Fritz

Text: Behm, Martin (bzw. Steurlein, Johann)

Verlag: Lutherisches Verlagshaus Hannover

(aus: Fritz Baltruweit/Jürgen Schönwitz, Ich singe dir mit Herz und Mund, Evangelische Volkslieder von der Reformation bis heute)

Labelcode: 05648

Label: LVH

EAN: 9 783785 911846

Bestell-Nr.: ISBN 978-3-7859-1184-6

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