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Choralandacht | 22.08.2015 | 07:50 Uhr

Wir glauben an Gott im höchsten Thron (eg 184)

Musik1: Büro Archiv Nr. 027, Track 11 – Abend ward, bald kommt die Nacht, Strofe 1

Wir glauben Gott im höchsten Thron, wir glauben Christum, Gottes Sohn, aus Gott geboren vor der Zeit, allmächtig, all gebenedeit.

Autor: Herzlich willkommen zur Choralandacht. Sie kreist um Rudolf Alexander Schröder, der heute vor 53 Jahren im oberbayerischen Bad Wiessee starb. Der Bremer Architekt, Übersetzer, Maler, Musiker und Theologe wurde 84 Jahre alt. Auch Gedichte schrieb er. Drei von ihnen wurden vertont. Sie gehören zum Stammteil des Evangelischen Gesangbuchs. Unter ihnen ist „Abend ward, bald kommt die Nacht“ sicher das bekannteste Lied. Es steht am Ende vieler Abendandachten, weil aus ihm Zuspruch und tiefer Trost sprechen: Du brauchst dich vor keiner Nacht zu fürchten; weder vor der Dunkelheit noch vor beängstigenden Träumen, auch nicht davor, im Schlaf schutzlos aus-geliefert zu sein. Denn Gott ist da! Gott hält Wache und lässt keinen von uns einsam sein, weder am Tag, noch in der Nacht.

Musik1: Büro Archiv Nr. 027, Track 11 – Abend ward, bald kommt die Nacht, Strofe 2

Wir glauben Gott, den Heilgen Geist, den Tröster, der uns unterweist, der fährt, wohin er will und mag, und stark macht, was daniederlag

Autor: Das Lied stammt aus dem Jahr 1942. Deutschland liegt im Krieg. Und die Nacht über der zivilisierten Welt wird immer finsterer. Ein Alptraum jagt den anderen. Am 20. Januar 1942 beschließt die berüchtigte Wannsee-Konferenz die „Endlösung“. Damit ist die systematische Verfolgung und Ermordung jüdischer Menschen gemeint. Im Mai 1942 beginnt der Massenmord in den Gaskammern von Auschwitz. Im November 1942 wird die 6. Armee der deutschen Wehrmacht bei Stalin-grad eingekesselt. Längst hat das millionenfache Sterben begonnen.

Rudolf Alexander Schröder hat die Katastrophe frühzeitig kommen sehen. Bereits 1936, mitten im wirtschaftlichen Aufschwung, während sich die deutsche Öffentlichkeit noch im Glanz der Olympischen Spiele sonnt, prophezeit er Unheil. Er dichtet:

Sprecherin:

Es mag sein, dass alles fällt,

dass die Burgen dieser Welt

um dich her in Trümmer brechen.

Halte du den Glauben fest,

dass dich Gott nicht fallen lässt:

er hält sein Versprechen. 2‘32

Musik2: Büro-Archiv Nr. 027, Track 04 – Es mag sein, dass alles fällt, Strofe 1

Autor: Die Machtübernahme der Nazis hat in Schröder‘s Leben zu einem tiefen Einschnitt geführt. Der Bremer Kaufmannsohn, der vor dem Ersten Weltkrieg als Innenarchitekt überaus erfolgreich Ozeandampfer ausgestattet hatte und 1910 bei der Weltausstellung in Brüssel mit einer Goldmedaille für Möbeldesign ausgezeichnet wurde, gab die Architektur nun völlig auf. Er sagt: 3‘41

Sprecherin: "Wenn ich jetzt noch so etwas machen will, muss ich mit diesen Leuten paktieren".1

Autor: Und er, der sich als 17Jähriger von der traditionell orthodoxen Frömmigkeit seiner Familie verabschiedet hatte und sich vom christlichen Bekenntnis „hoffnungslos entfremdet“2 fühlte, hält in dieser Zeit fest:

Sprecherin: „Um mein vierzigstes Jahr herum habe ich dann angefangen einzusehen, dass das Böse seinen Sitz im Herzen eines jeden Menschen hat und dass trotzdem hinter und über allem der eine Gott steht, der jedes seiner Geschöpfe in väterlichen Händen hält“3.

Musik2: Büro-Archiv Nr. 027, Track 04 – Es mag sein, dass alles fällt, Strofe 2 und 3

Sprecherin: „Doch nach jedem Unterliegen wirst du den Gerechten sehn, lebend aus dem Feuer gehn, neue Kräfte kriegen….“

Autor: Es ist eine Geschichte der Bibel, auf die sich der Dichter bezieht. Sie steht im Buch Daniel (Dan 3) und erzählt von drei jungen Juden, die im Exil dem Herrscher von Babylon die Anbetung verweigern. Alleine zu ihrem Gott bekennen sie sich - und werden dafür in einen glühenden Ofen geworfen. Aber, so erzählt das Buch Daniel, das Feuer kann ihnen nichts antun. In wunderbarer Weise werden die Drei gerettet. Verheißungen von wunderbarer Rettung finden sich in den Schriften der Propheten immer wieder. Bei Jesaja lautet eine:

Sprecherin: "Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen; und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen (Jes. 43, 2b)"

Autor: 1937 – in dem Jahr, in dem Hitler triumphal Erfolge feiert – entsteht der Text „Wir glauben Gott im höchsten Thron“. Wir glauben Gott, heißt es dort – und darum glauben wir nicht und niemals einem Menschen, der absoluten Gehorsam verlang. Dem totalitären Herrschaftsanspruch setzt Rudolf Alexander Schröder sein Credo entgegen. „Wir glauben Gott im höchsten Thron“ gehört zum Widerstand gegen die heilsgeschichtliche Anmaßung der Hitlerdiktatur.

Musik3: Büro-Archiv Nr. 027, Track 08 Wir glauben Gott im höchsten Thron, Strofe 1

Sprecherin: „Wir glauben Gott im höchsten Thron, wir glauben Christum, Gottes Sohn…“

Autor: Das Lied klingt nach einem Unterstreichen, einem Bekräftigen der theologischen Erklärung von Barmen aus dem Jahr 1934. Darin hat die Bekennende Kirche klar formuliert:

Sprecherin: "Wir verwerfen die falsche Lehre, als gebe es Bereiche unseres Lebens, in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herren zu eigen wären“4

Autor: In fünf Strofen entsteht 1937 dieses Widerstandskraft beschwörende Lied, das Friedrich-Wilhelm Marquard, der Berliner Professor für Systematische Theologie, so einordnet 7‘33

Sprecherin: „Rudolf Alexander Schröder glaubt Gott ‚im höchsten Thron‘ der hochragt über den Schreibtisch-stuhl im Machtzentrum der Reichskanzlei. Gottes ‚höchster Thron‘ war damals ein Widerstands-zentrum ersten Ranges gegen die Ereignisse, Mächte, Gestalten und Wahrheiten, die…von Berlin aus ihre Gewalt entfalteten. Über unserer irdischen Wirklichkeit gibt es den Himmel, die andere Welt Gottes. Und dass es ihn gibt, ist keine dumme Vertröstung, sondern Machtstau, von dem wir Überwindungskräfte erwarten dürfen für die Veränderung unserer Welt“5

Autor: 70 Jahre nach Kriegsende zeigen die Gedenkfeiern, wie viele Wunden auf der ganzen Welt weiter bluten. „Was ist von unsrer, der Christen Seite geschehen, um dem Blutwahn der mit den höchsten Ämtern und Titeln des Reiches Bekleideten zu begegnen?“ 6 fragte Rudolf Alexander Schröder in seiner Pfingstpredigt 1945. Und was geschieht heute - durch uns, die der Heilige Geist als Christen ja Christi Kirche sein lassen möchte? Ein sanftes Ruhekissen bietet der Glaube an „Gott im höchsten Thron“ jedenfalls nicht.

Musik3: Büro-Archiv Nr. 027, Track 08 Wir glauben Gott im höchsten Thron –

Strofe 1 und 5

Wir glauben Gott im höchsten Thron, wir glauben Christum, Gottes Sohn, aus Gott geboren vor der Zeit, allmächtig, all gebenedeit.

Den Geist, der heilig insgemein, lässt Christen Christi Kirche sein, bis wir, von Sünd und fehl befreit, in selber schaun in Ewigkeit. Amen.

1 „Letzter Vertreter der deutschen Gelehrtenrepublik – vor 125 Jahren wurde Rudolf Alexander Schröder geboren“, Artikel von Markus Springer im Sonntagsblatt 04/2003. www.sonntagsblatt-bayern.de/news/aktuell/2003_04_25_01.htm, S. 3

2 Ebda, S. 2

3 Ebda, S. 2

4 Evangelisches Gesangbuch, Nr. 810

5 Aus der Predigt von Pfr. Dr. Martin Loerbroks über EG 184 am 22.8.2010 in der Franzöischen Friedrichstadtkirche

6 „Letzter Vertreter der deutschen Gelehrtenrepublik – vor 125 Jahren wurde Rudolf Alexander Schröder geboren“, Artikel Markus Springer im Sonntagsblatt 04/2003. www.sonntagsblatt-bayern.de/news/aktuell/2003_04_25_01.htm,S.3

Musikinformationen:

Musik 1:

CD-Name: Ja, ich will euch tragen – Jochen Klepper und seine Zeitgenosse

Track/-name:11 / Abend ward bald kommt die Nacht

Komponist: Friedrich Samuel Rothenberg

Texter: Rudolf Alexander Schröder

Bearbeiter: riedrich Samuel Rothenberg

Chor: Solistenensemble

Leitung: Gerhard Schnitter

Label: hänssler-music

LC-Nr.: 07224

Verlag: Hänssler Verlag, Holzgerlingen

Best.Nr.: 98.437

EAN: 4010276013730

Musik 2:

CD-Name: Ja, ich will euch tragen – Jochen Klepper und seine Zeitgenosse

Track/-name:04 / Es mag sein das alles fällt

Komponist: Paul Geilsdorf

Texter: Rudolf Alexander Schröder

Bearbeiter: Gerhard Schnitter (Str. 1,3,4); Herbert Gadsch (Str. 2,5)

Chor: Solistenensemble

Leitung: Gerhard Schnitter

Label: hänssler-music

LC-Nr.: 07224

Verlag: Hänssler Verlag, Holzgerlingen

Best.Nr.: 98.437

EAN: 4010276013730

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Musik 3:

Büro Archiv 027 Track 08

CD-Name: Ja, ich will euch tragen – Jochen Klepper und seine Zeitgenosse

Track/-name:08 / Wir glauben Gott im höchsten Thron

Komponist:Christian Lahusen

Texter:Rudolf Alexander Schröder

Bearbeiter:Christian Lahusen

Chor:Solistenensemble

Leitung:Gerhard Schnitter

Label:hänssler-music

LC-Nr.:07224

Verlag:Hänssler Verlag, Holzgerlingen

Best.Nr.:98.437

EAN:4010276013730

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