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Sonntagskirche | 07.09.2014 | 08:55 Uhr

WM-Kontraste

Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer! Leicht verkatert sitze ich an meinem Schreibtisch. Es ist drei Tage nach dem Endspiel der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien. Nein - kein reichlich genossener Scotch Whisky trübt meine Sinne, sondern die gerade vergangene WM. Wie besoffen waren wir vor Freude über den WM-Titel und haben gefeiert. Über vier Wochen fast jeden Abend Fußball - das prägt. Das treibt die Skala der Waage nach oben, zuviel Chips und das eine oder andere Bier. Das hat aber auch reichlich Zeit gefressen. Nun – ein paar Tage nach Abschluss des Endspiels - frage ich mich: Was bleibt emotional hängen? – und jetzt haben wir schon September…

Manche Eindrücke der Spiele haben Bedeutung weit über die WM hinaus… Besonders berührt hat mich ein rauer und schmerzhafter Kontrast. Das 7:1 gegen Brasilien, dieser unerwartete Triumph. Im Rausch des schönen Spiels. Ungläubige Blicke bei uns im Wohnzimmer. Lachen. Und dann in der Pause das Nachrichtenmagazin. Israel. Gaza. Bomben. Raketen. Menschen in Angst. Switch und Schalte zum Korrespondenten vor dem Stadion in Brasilien. Fußball. In den sozialen Medien haben sich viele Menschen über diesen scharfen Kontrast schockiert gezeigt, haben gefordert, das müsse man doch anders machen und vermitteln. Muss das denn so sein? Und Fernsehmoderator Claus Kleber gestand ein: Die Kurve war zu hart. Im Stress der Livesendung war der Übergang nicht so geglückt.

Darf der Themen-Kontrast nun sein in so einem Nachrichtenmagazin oder nicht? Ich würde sagen: Doch - er war genau richtig. So krass. Denn genau so ist die Welt. So ist das Leben. Da gibt es wunderschöne berührende Ereignisse und direkt daneben wird es dunkel und schwer. Ebenso berührend, oft erschütternd. Da wird ein Kind in der Nachbarschaft geboren - ein guter Freund stirbt an Krebs. Eine Frau wird befördert und erfährt einen Tag später beim Arzt, dass sie nie Kinder bekommen kann. Wir erleben tiefe Menschlichkeit und erschreckenden Zerfall und Brutalität. Manchmal innerhalb von kurzer Zeit. Geh durch eine Stadt mit offenen Augen und offenem Herzen und du wirst von diesem Kontrast gepackt. Mich bewegt und fasziniert das immer wieder. Ich liebe zum Beispiel Palma de Mallorca - die schöne Stadt auf der liebsten Urlaubsinsel der Deutschen. Das Meer, die Promenade, die herrlichen Altstadtgässchen. Aber ich bin durch ein paar Gässchen hindurch auch schon in die Elendsviertel der Altstadt geraten. Wo es still wird, zerfallen, Kinder einen erstaunt angucken. Doch nicht das fassadenhaft Schöne in Überdosis ist mir hängen geblieben - sondern genau dieser Kontrast. Der das Schöne zum Leuchten bringt und es relativiert.

Umfragen in Deutschland belegen: Fragt man Menschen nach ihrem bevorzugten Lebensstil, sagen sie: Er soll ruhig und gleichmäßig sein, ohne Überraschungen. Viele bevorzugen so einen gleichmäßigen Lebensfluss gegenüber einem Auf und Ab mit vielen spannenden Erfahrungen. Das ist menschlich. Doch diese ausgeglichene Lebenshaltung ist dazu verdammt, sich immer wieder an der Wirklichkeit zu reiben. Denn die ist eben nicht so!

Die Bibel spricht von einer gefallenen Welt. Die Schöpfung seufzt - sagt der Apostel Paulus. Denn diese Welt ist herrlich und wunderbar gemacht. Die Menschen sind als Ebenbilder Gottes geschaffen. Großartig. Zum Jubeln und Bestaunen. Doch gleichzeitig so zerbrochen und dunkel. Der Mensch – kreativ, tüchtig, friedlich und umsorgend und egozentrisch, grausam und gewalttätig. Mich tröstet dabei etwas vermeintlich Langweiliges aus der Bibel. Der Stammbaum Jesu. Eine öde Namensauflistung. Aber eigentlich eine Ansammlung von Chaoten, Versagern, Mördern, Huren. Und am Ende steht da: Jesus. Gott liebt es, genau aus diesem Kontrast etwas Großartiges zu machen. Einfach so, weil er liebt.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag, ob Sie ihn gerade dunkel oder hell erleben. Ihr Pastor Christof Lenzen aus Eschweiler.

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