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Kirche in WDR 3 | 24.03.2014 | 07:50 Uhr

Wo Gott zu finden ist

Wann, liebe Zuhörinnen und Zuhörer, hatten Sie das letzte Mal das Gefühl, mit mir wird ein Versteck-Spiel gespielt? Wenn wir Erwachsenen in ein Versteck-Spiel verwickelt sind, dann kann das eine ziemlich ungemütliche Situation sein: Einer spielt mit uns Versteck – das heißt doch so viel wie, einer meint es nicht gut mit uns, einer ist unaufrichtig, unredlich, arglistig. Doch wenn Kinder Verstecken spielen, ist das ganz unschuldig und arglos – ein wirkliches Spiel. Und trotzdem können auch Kinder beim Versteck-Spielen tief enttäuscht werden, wie der Junge Jechiel in dieser chassidischen Erzählung:

Sprecherin

Jechiel, der Enkel eines alten Rabbis spielte mit anderen Kindern Verstecken. Er

verbarg sich gut und wartete, dass ihn die anderen suchten. Als er schon lange

gewartet hatte, kam er schließlich aus seinem Versteck; aber die anderen waren

nirgends mehr zu sehen. Da merkte Jechiel, dass die anderen Kinder ihn von Anfang an gar nicht gesucht hatten. Darüber musste er weinen, kam weinend in die Stube seines Großvaters gelaufen und beklagte sich über die Spielverderber. Da flossen auch Rabbi Baruch die Augen über und er sagte: „So spricht Gott auch: ‚Ich verberge mich, aber keiner will mich suchen.’“

(M. Buber, Die Erzählungen der Chassidim, Zürich 1984, 191).

Gott wartet darauf, dass wir ihn suchen und finden – da können wahrscheinlich viele von Ihnen mitgehen – doch, dass Gott mit uns spielen will, womöglich sogar Spaß daran hat, mit uns zu spielen, und sich beim Spielen finden lässt – ist das nicht ein zu gewagter Vergleich?

Im relativ unbekannten, doch schier unerschöpflichen alttestamentlichen Buch der Sprichwörter gibt es die Gestalt der Weisheit. Sie spricht als Personifikation einer der vornehmsten Eigenschaften Gottes. Und da sagt sie, wie ich finde, sehr überraschend:

Sprecherin

Ich war die Freude Gottes Tag für Tag und spielte vor ihm allezeit – ich spielte vor ihm auf dem Erdenrund, und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein (Spr 8,30bf).

Ja, Gott hat Spaß daran, mit uns zu spielen – natürlich nicht in einem unaufrichtig verschlagenen Sinn, sondern ganz ehrlich, lauter und arglos.

Unvergessen ist für viele Menschen hier in der Region und auch für mich der Weltjugendtag 2005 in Köln. Hundertausende waren gekommen: Junge Menschen aus der ganzen Welt. Junge Menschen in bunten T-Shirts und mit bunten Fahnen, junge Menschen, die plötzlich eine Gitarre und eine Trommel hervorzauberten und anfingen zu singen und zu tanzen, einfach so, auf unseren Straßen und Plätzen, auf unseren Bahnhöfen und in unseren Bahnen. Das hat viele Menschen damals hier in Köln überrascht. Bei Religion und Kirche, und katholischer Kirche allzumal, dachten viele an Verkniffenheit und Verbissenheit, an Spaß- und Spielverderber; an zwar manchmal durchaus feierliche, aber eben auch ernste und steife Gottesdienste. Und plötzlich, was für ein Kontrast: die Begeisterung, die ganz unverkrampfte vitale Lebensfreude so vieler junger Menschen – und das nicht nur gewissermaßen im inoffiziellen Teil nach Beendigung des Programms, sondern rund um die Uhr, non-stop, 24 Stunden lang: einschließlich der offiziellen Programmpunkte und Gottesdienste. Ich selbst erinnere mich an das Lachen und Winken, das Singen und Fahnen-Schwenken der jungen Menschen, die an den Rheinufern standen, manche bis über die Hüften im Wasser stehend, als der Papst mit einem Boot auf dem Rhein vorbeifuhr; aber auch an die stimmungsvolle Vigil am Abend vor der Abschlussmesse auf dem Marienfeld, als Tausende junger Menschen tief ins Gebet versunken waren, ein schlichtes Windlicht in den Händen, einfach auf dem Boden hockend.

Für mich: ein unvergessenes und sprechendes Beispiel dafür, dass Freude und Spiel, Musik und Tanz zum Glauben dazu gehören – und dass sich Gott im Spiel finden lässt.

Dass auch Sie, auf spielerische Weise, immer wieder Gott entdecken, wünscht Ihnen

Studentenpfarrer Markus Wasserfuhr aus Köln

Copyright: Marfis75 CC BY SA 2.0 (flickr)

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