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Kirche in WDR 4 | 17.12.2013 | 08:55 Uhr

Wo ich herkomme

Wo ich herkomme

Mein Cousin, liebe Hörerinnen und Hörer, verbringt viel Zeit damit, unseren Stammbaum zu erforschen. Es ist erstaunlich, was oder besser wen er da alles zu Tage gefördert hat und wie er akribisch dabei vorgeht: Alte Fotos werden gesichtet, Familienbücher studiert, systematische Fragen an die Eltern, die Großeltern und an andere Verwandte gestellt. Sterbebildchen oder Totenzettel vergangener Generationen geben genauso Auskunft wie alte Grabsteine, Kirchen- und Gerichtsbücher, aber auch moderne Datenbanken: Und aus all dem gelingt es meinem Cousin, eine spannende Familienchronik zusammenzustellen. Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts reicht nun unser Stammbaum zurück, d.h., eigentlich reicht er natürlich noch viel weiter zurück, auch wenn wir nichts darüber wissen. Mich bewegen die dahinter stehenden Fragen: Wer sind meine Vorfahren? Was bedeutet mein Familienname? Wovon ist meine Familie geprägt?

Liebe Hörerinnen und Hörer, jeder Mensch hat einen Stammbaum, egal ob bekannt oder unbekannt. Beeindruckend wird es da, wo so eine Ahnentafel ganze Zeitalter umspannt. Als Theologe beeindruckt mich da zum Beispiel der Stammbaum Jesu. Das Matthäus–Evangelium erzählt davon: Wie alles mit Abraham begonnen hat und 42 Generationen später Jesus geboren wird. Dabei ist es nicht bloß eine schier endlose Namensreihe, die staunen lässt. Vielmehr ist es das jeweilige Geschehen, das sich mit den einzelnen Namen verbinden lässt. Generation um Generation wird so die lange Geschichte Gottes mit den Menschen lebendig. Ich finde, das ist wunderbar und gilt auch für mich und meine Ahnenreihe: Im Glauben wie im Leben ist es gut zu wissen, worauf ich aufbauen kann und woraus ich für mein eigenes Leben schöpfen darf.

Umgekehrt ist es da schlimm, wo die eigenen Wurzeln im Ungewissen liegen oder das Vergangene ungeliebt, beschämend, verhasst oder gefährlich auf dem Heute lastet. Dann erfahren sich Menschen nicht selten eingeschränkt vor allem im Blick auf Gegenwart und Zukunft. Wir müssen nicht weit schauen, um Menschen zu begegnen, die zu kämpfen haben: wegen ihres Namens, ihrer Hautfarbe, ihrer Religion, ihrer Herkunft. In nächster Nähe – auch hier in Deutschland – leiden Menschen unter Vorverurteilung aufgrund dieser Merkmale, die doch gar nichts über ihre Person aussagen. Für Menschen, die einfach fremd erscheinen, ist es eben auch in unserem Land nicht selbstverständlich einen KiTa-Platz für die Kinder zu bekommen, einen neuen Job oder einen Kredit für die eigene Wohnung.

Das gilt umso mehr noch in Lateinamerika, wo vor allem die Angehörigen der indianischen Völker und Menschen mit schwarzer Hautfarbe um ein Leben in Würde kämpfen müssen. Als Fremde im eigenen Land leiden sie vielerorts unter der Missachtung ihrer Herkunft, ihrer Kultur, ihrer Sprache, ihrer Lebensgewohnheiten. Gesellschaftliche Ausgrenzung und bittere Armut sind die Folge.

Liebe Hörerinnen und Hörer, ich wünsche mir von Herzen dass Menschen stolz sein dürfen auf ihren Namen, ihre Hautfarbe, ihre Religion und ihre Herkunft, denn niemand hat sich ja selber gemacht, aber jeder steht in einer großen Ahnentradition, der er sich letztlich verdankt. Und als Christ glaube ich, dass diese Tradition von Gott selbst getragen ist. Sollte das nicht jeden mit etwas Stolz erfüllen, Kind Gottes zu sein und Respekt vor dem Nächsten abverlangen?

Es grüßt sie Ihr Prälat Bernd Klaschka aus der Adveniat-Geschäftsstelle in Essen.

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