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Kirche in WDR 4 | 26.03.2014 | 08:55 Uhr

Wo sich Gott finden lässt – in der Krippe

Als Kölner, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, hoffe ich in dieser Saison auf einen Aufstieg des 1. FC Köln in die Bundesliga.

Doch nicht nur in der Bundesliga, auch in der Wirtschaft geht es um Aufstieg, Wachstum und Aufschwung. Und auch privat geht es vielen darum, voran zu kommen, Ziele zu erreichen und mehr oder weniger Karriere zu machen. Und da ist es nicht vorgesehen, dass es bergab geht, nein: es soll immer weiter aufwärts gehen.

Zu dieser Lebensphilosophie des Aufsteigens passt das, was wir Christen „Menschwerdung“ nennen, so ganz und gar nicht. Gott kommt nicht in Samt und Seide zur Welt, sondern auf Heu und Stroh, nicht im Kaiserpalast in Rom, sondern im Stall von Bethlehem. Am Beginn des Neuen Testaments, in der Weihnachtsgeschichte ist der Ort, wo Gott sich finden lässt: die Krippe. Wobei die Weihnachtskrippen in vielen Wohnzimmern und vielen Kirchen wahrscheinlich viel idyllischer sind als die Wirklichkeit damals vor 2000 Jahren. Die Experten sagen uns, dass wir da eher an eine feuchte, zugige und nach Mist stinkende Höhle am Ortsrand von Bethlehem denken müssen, als an eine romantische, heimelige und nach frischem Heu und Stroh duftende Idylle. Die Krippe, als Ort, wo sich Gott finden lässt, ist kein Ort des Aufsteigens, sondern des Absteigens.

Der Wunsch, es zu etwas zu bringen und aufzusteigen, ist weit verbreitet und offensichtlich tief verwurzelt. Und dementsprechend gefüllt sind die Regale in den Buchhandlungen mit Ratgebern und Handbüchern, die Erfolg und Karriere versprechen; demensprechend bunt ist die Szene der Lebensphilosophien und Weltanschauungen, die Fortschritt und Weiterentwicklung verheißen. Als Hochschulpfarrer bekomme ich immer wieder mit, unter was für einen Druck Studierende und junge Wissenschaftler durch so eine Lebensphilosophie des Aufsteigens geraten – und ich begegne immer wieder Studierenden, die sich paradoxerweise von Religion, Glaube und Gott Hilfe beim Aufsteigen erhoffen – mehr oder weniger bewusst, mehr oder weniger ausdrücklich.

Doch von der Krippe her eröffnet Gott eine ganz andere Perspektive. Ich will damit nicht sagen, dass Christen den Abstieg, den Misserfolg suchen müssen. Nein, was ich damit meine ist: Während eine Lebensphilosophie, die Aufstieg und Erfolg zum Ziel des Lebens macht, die Gefühle von Versagen und Scheitern nur verstärkt, wird der Gott, der absteigt und einsteigt in die menschliche Armseligkeit Trost und Halt. Gott steigt ein in ganz kleine Verhältnisse. Der Lebenslauf Jesu ist keine Erfolgsstory, sondern auf den ersten Blick eher eine Bruchlandung. Er macht eine Schreinerlehre und kommt dreißig Jahre nicht aus seinem Dorf heraus. Als er dann schließlich an die Öffentlichkeit tritt, endet sein Weg am Karfreitag am Kreuz. Und da wird es zynisch, aber auch tiefsinnig: Da fordern die Leute Jesus auf, abzusteigen – das zu tun, was sie ihm zeitlebens übel genommen haben: Wenn du der Messias bist, spotten sie, dann steig´ herab vom Kreuz, und wir werden an dich glauben.

Doch Jesus bleibt sich und seinem Programm vom Abstieg treu – paradoxerweise genau dadurch, dass er nicht vom Kreuz heruntersteigt, sondern sich buchstäblich festnageln lässt auf seinen Weg des Absteigens, der in der Krippe begonnen hatte.

Dass Sie in dem Vertrauen auf Gott, der sich auf unsere oft armseligen Verhältnisse immer wieder einlässt, wachsen, das wünscht Ihnen

Studentenpfarrer Markus Wasserfuhr aus Köln

Copyright Vorschaubild:Public Domain CC0 Pixabay

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