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Kirche in WDR 5 | 27.03.2014 | 06:55 Uhr

Wo sich Gott finden lässt – in der Stille

Vorige Woche, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, hat sich ein Musikproduzent die Kirche unserer Hochschulgemeinde angesehen. Er hat vor, dort Aufnahmen mit einem Chor zu machen. Überrascht war er über die Geräuschkulisse in der Kirche. Selbst in der leeren Kirche hört man das ständige Rauschen des Straßenverkehrs – eigentlich kein Wunder, denn unsere Kirche ist eine moderne Kirche mit einer großen Glaswand und hat keine so dicken Mauern, wie die alten romanischen Kirchen, die eine gute Schallisolierung sind. Außerdem liegt unsere Kirche an der Universitätsstraße, einer der großen Kölner Duchgangsstraßen, wo man Tempo 70 fahren darf.

In diesem Moment ist mir wieder einmal deutlich geworden, in was für einer lauten Welt wir leben und wie selten und deshalb kostbar die Stille ist.

Diese kostbare Stille habe ich mehrmals auf den Schottlandfahrten unserer Hochschulgemeinde erfahren. Unser Ziel war jeweils die Hebrideninsel Iona mit ihrer stimmungsvollen mittelalterlichen Abtei. Diese Insel liegt schon weit draußen im Atlantischen Ozean. Würde man von Iona nach Westen aufbrechen, würde man erst nach Tausenden von Seemeilen wieder Land erreichen – Amerika. Auf dieser Insel leben – typisch schottisch – mehr Schafe als Menschen. Autos dürfen nur von den ständig auf der Insel Wohnenden mitgebracht werden. Natürlich herrscht auch auf Iona nie absolute Stille – den Wind hört man eigentlich ständig, an vielen Stellen auch das Rauschen der Brandung oder den Schrei einer Möwe. Doch wenn wir nach einer Woche auf dieser Insel wieder aufs Festland kamen und noch einen Nachmittag und Abend in Glasgow verbringen mussten, bevor wir am nächsten Tag nach Köln zurückfliegen konnten, dann war der Verkehrslärm dieser Großstadt immer wie ein Schock – und mir wurde auch da bewusst, wie selten und deshalb kostbar die Stille ist – nicht eine künstlich im Labor hergestellte Stille, sondern eine sozusagen natürliche Stille.

Für alle großen Religionen und auch in der jüdisch-christlichen Tradition ist die Stille ein privilegierter Ort, wo sich Gott finden lässt. Jedenfalls dann, wenn ich die Stille willkommen heiße.

Was ich mit diesem Willkommen-heißen meine? Lassen Sie es mich versuchen, so zu erklären: Es gibt Momente, da ist mir Stille unheimlich und bedrohlich. Dann weiche ich ihr aus und mache das Radio oder den Fernseher an. Es gibt Momente, da steht die Stille für Leere und Langeweile. Auch dann versuche ich natürlich, ihr zu entkommen und sorge für irgendeine Geräuschkulisse aus dem Radio oder dem CD-Player. Doch genauso gibt es Momente, da höre ich zwar das Rauschen der Heizung, das Zwitschern der Vögel oder vielleicht sogar das Ticken meiner Armbanduhr, aber ich empfinde den Augenblick als still, gerade weil ich solche Geräusche höre. Und eine solche Stille ist es, in der sich Gott finden lässt.

Nur in der Stille spricht Gott sein ewiges Wort in der Seele meint Meister Eckehart (genaue Stelle unbekannt). Es ist eine Stille, die ich mir schenken lassen muss. Es ist eine Stille, die ich willkommen heißen muss.

Das Geschenk einer solchen Stille und die Bereitschaft, sie auch wirklich willkommen zu heißen, das ist mein Wunsch an Sie für den heutigen Tag,

Studentenpfarrer Markus Wasserfuhr aus Köln

copyright Vorschaubild: Sundve CC BY-SA 2.0 (flickr)

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