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Kirche in WDR 4 | 02.04.2014 | 08:55 Uhr

Wohin du blickst, dahion gehst du

Wohin Sie blicken, dahin gehen Sie auch!

Diesen Satz, lieber Hörer, liebe Hörerin, habe ich eher zufällig in einer orthopädischen Klinik gehört. Und seitdem nicht mehr vergessen. Eine Krankengymnastin übte gerade mit einer frisch an der Hüfte operierten Patientin das Laufen. Hin und her ging es auf dem langen Krankenhausflur. Ein eisernes Training. Sichtlich mühsam für die ältere Dame, die das Gehen ganz neu lernen musste. Vorsichtig setzte sie ihre Schritte, die Augen ängstlich auf den Boden gerichtet. Jetzt nur ja keinen falschen Tritt tun, den Fuß nicht falsch aufsetzen.

„Geradeaus müssen Sie gucken, nicht nach unten starren!“, war die Anweisung. „Richten Sie sich auf und heften Sie Ihren Blick auf das Ende des Flurs. Da wollen Sie hin. Wohin Sie blicken, dahin gehen Sie auch.“

Mich lässt dieser Satz wohl deshalb nicht los, weil in ihm eine so einfache und tiefe Wahrheit steckt. Von unserer Blickrichtung hängt viel ab. Es gibt Menschen, die verlieren sich im Blick zurück: Hängen sehnsüchtig und verklärt an dem, was früher war. Oder kommen mit ihrem Blick nicht los von einem schrecklichen Erleben in der Vergangenheit, das sie gefangen hält. Bei anderen eilt der Blick beständig sorgenvoll voraus und lähmt für die Gegenwart: Was soll nur werden – morgen, in einer Woche, in einem Jahr? So fragen sie ängstlich. Was kommt auf mich zu; was muss ich schaffen? Wie kann ich es bewältigen? Manche blicken unablässig in sich hinein, fühlen sich den Puls, sind mit der eigenen Befindlichkeit beschäftigt; andere vermeiden genau diesen Blick und lenken die Augen permanent auf andere. So können sie sich selbst am besten ausweichen.

Der Blick entscheidet viel. Er nimmt nicht nur einen optischen Eindruck auf – er deutet ihn auch. Er sieht nicht nur. Er sieht etwas oder jemanden an. Mein Blick lässt ein Wasserglas halb voll oder halb leer erscheinen. Er begrüßt die Wolke am Himmel, weil sie Schatten spendet – oder er fürchtet die Wolke, weil sie Regen bringen könnte. Mein Blick findet einen Menschen attraktiv oder unscheinbar.

Mein Blick kann mich froh und frei machen – oder ängstlich und geduckt.

„Seht die Vögel unter dem Himmel an“, sagt Jesus. „Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie? Oder schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen und wie schön Gott sie kleidet. Wenn Gott schon so für die Lilien sorgt - sollte er das nicht viel mehr für euch tun?“ (Matthäus 6,25-30) Jesus spricht zu Menschen, deren Blick sich in der Sorge verfangen hat. Sie wissen nicht, wie sie finanziell über die Runden kommen sollen. Sie fürchten sich vor der Zukunft. Sie haben Zweifel, dass es gut weitergeht: In der Familie. Im Beruf.

In der Schule.

„Seht die Vögel an. Und die Lilien“, sagt Jesus. Das ist kein Trick. Jesus will nicht von der Wirklichkeit ablenken. Im Gegenteil. Er will verhindern, dass unser Blick die Wirklichkeit einengt. Unser Blick gaukelt uns vor, die Wirklichkeit sei nur noch Sorge. Nur noch Angst. Nur noch Druck. Nur noch Zweifel. Solcher Blick zieht nach unten. Und: Er täuscht.

Jesus weist uns auf die ganze Wirklichkeit hin. Die ganze Wirklichkeit ist: Gott hat dich in seinem Blick. Gott sorgt für dich – wie für die Vögel und die Lilien. Er lässt dich nicht im Stich. Er kommt zu dir in deinen Tag.

Ich wünsche uns, dass diese Gewissheit unseren Blick aufrichtet und weitet. Dass wir aufrecht weitergehen. Gottes Liebe für uns fest im Blick. Trotz mancher Sorge. Vielleicht wagen wir heute einen ersten Versuch.

Ihre Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen.

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