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Kirche in WDR 3 | 16.01.2016 | 07:50 Uhr

Wohin gehst du, Europa?

Guten Morgen!

Ist Europa gescheitert? Wenn ich mir so manche Talkshow anhöre kann man wirklich den Eindruck gewinnen.

Aber wie steht es heute wirklich um Europa?

Europa hat sich verändert gerade im zurückliegenden Jahr wurde es deutlich: es ist zerstritten!

Als Griechenland tief in die Krise rutschte, als Rettungspakte verhandelt wurden, da entspann sich eine Spirale aus Drohgebärden. Hier: die Androhung aus Athen, alle Vereinbarungen mit Europa aufzukündigen; dort: die Botschaft aus Brüssel, ein Austritt des Landes aus der Eurozone sei desaströs, aber verkraftbar.

Die Griechenlandkrise war noch nicht unter Kontrolle durch mühsam erzielte Vereinbarungen und unterfüttert mit viel Geld, da rückte der „große Marsch“ flüchtender Menschen in das europäische Bewusstsein.

Die Bilder und Nachrichten des Jahres 2015: gefährliche Überfahrten über das Mittelmeer, Tote am Strand, auch tote Kinder, ein nicht enden wollender Menschenstrom. Menschen aus Syrien, Irak, Afghanistan, Eritrea… auf der Flucht vor Krieg, Terror und Armut. Wer verlässt leichten Herzens seine Heimat?

Eindringlich ermahnte Papst Franziskus die europäischen Staaten, die Flüchtlingsfrage gemeinsam anzugehen. Wie schon bei seinem Besuch auf Lampedusa vor über zwei Jahren: Die Europäer dürften nicht hinnehmen, dass das Mittelmeer zu einem großen Friedhof wird.

Eine überzeugende europäische Flüchtlingspolitik ist aber bis heute für mich nicht erkennbar. Nur wenige Länder tragen da die Hauptlast, Deutschland und einige andere. Die osteuropäischen Länder und auch viele unserer Nachbarn setzen auf kulturelle und politische Unabhängigkeit, auf territoriale Abschottung. Unterdessen entbrennt der innenpolitische Streit um eine Entschleunigung der Flüchtlingswelle.

Zuletzt empfand ich die Debatte als zunehmend beängstigend: Zum ersten Mal war die Rede von der gefährlichsten Krise des europäischen Integrationsprojekts. Scheitert also Europa?

Nein, ich bin überzeugt: Europa ist nicht am Ende. Das Projekt geht weiter. Ein Schlüssel für die Zukunft Europas liegt vielleicht darin, wie wir in unserem Land weiter mit den Themen von Flüchtlingen und Zuwanderung umgehen: zu Hause vor unserer Tür, in Kitas und Schulen, in unserer Nachbarschaft, in den Kommunen, in den Unternehmen, in unseren Kirchengemeinden. Flüchtlinge, die Schutz und Sicherheit gesucht haben, leben jetzt schon mitten unter uns.

Wird es uns gelingen, die Flüchtlinge, die bleiben werden, zu integrieren, werden wir irgendwann wirklich sagen können, "wir haben es geschafft"? Zweifellos, das wird eine Kraftanstrengung für sehr lange Zeit; unser Land wird sich verändern, unsere Gesellschaft wird sich verändern, bis zu jedem einzelnen. Ganz unkompliziert und konfliktfrei geht das sicherlich nicht. Aber andererseits frage ich mich als Christ schon: Wie ernst nehme ich den Aufruf zur Veränderung, zur Wandlung, den das Christentum auszeichnet?

Papst Franziskus hat Europa als „müde alte Großmutter“ bezeichnet. Wie wäre es, wenn die alte Dame sich als wach, zupackend und veränderungswillig erwiese? Wäre das nicht ein gutes Zeichen der Bewahrung der christlichen Kultur in Europa: Bewahrung durch Veränderung.

Aus Essen grüßt Sie Markus Potthoff

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