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Choralandacht | 05.09.2015 | 07:50 Uhr

Wohl denen, die da wandeln (EG 295)

Musik 1: instrumental

Autor:

Guten Morgen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber wenn ich morgens aufwache, brauche ich manchmal etwas Zeit, um mich zu orientieren: Wo bin ich? Ach ja, in meinem Schlafzimmer. Was ist heute für ein Wochentag? Hm, Montag. Was ist heute dran? Oh, das ist aber eine lange Liste. Dann schwinge ich mich aus dem Bett, den Kopf bereits voll mit lauter wichtigen Sachen, nehme den Tag sozusagen unter die Füße und fühle mich vor dem Zähneputzen bereits gestresst.

Und ich denke: muss das denn so sein? Geht das nicht auch anders? Was wäre, wenn ich den Tag anders anfinge? Statt mit einer To-Do-Liste im Kopf mit einem schönen Choralvers? Wie wäre es mit diesem hier?

Musik 2: Vorspiel und Choral 1. Strophe

Sprecherin:

Wohl denen, die da wandeln / vor Gott in Heiligkeit, / nach seinem Worte handeln / und leben allezeit, / die recht von Herzen suchen Gott / und seine Zeugniss' halten, / sind stets bei ihm in Gnad.

Autor:

Ich singe den Vers vor mich hin. Aber leider stellen sich schon jetzt meine intellektuellen Nackenhaare auf. „Wandeln“ – das macht man doch nur noch in Trinkhallen oder klösterlichen Kreuzgängen. Und dann auch noch „in Heiligkeit“ – wo ich mich doch meistens noch nicht mal an Leib, Geist und Seele heil fühle.

Aber ich ermahne mich selbst: Gib nicht so schnell auf. Versuch es noch mal. Also: wer hat das Lied geschrieben und warum? Ich schaue nach: Cornelius Becker, Pfarrer und Professor der Theologie, 1602. Ich bin beeindruckt. Der hat alle 150 Psalmen in Gedichtform übertragen, damit sie auf damals bekannte Melodien gesungen werden konnten. Und Heinrich Schütz hat die meisten davon neu vertont und mit vierstimmigen Chorsätzen versehen.

Unser Choral ist die Übertragung von Psalm 119. Der ist mit 176 Versen der längste Psalm in der Bibel. Die Becker´sche Übertragung hat denn auch 88 Strophen. Da könnte ich fast 3 Monate lang jeden Morgen eine andere Strophe singen.

Musik 3: Choral 2. Strophe

Sprecherin:

Von Herzensgrund ich spreche: / Dir sei Dank allezeit, / weil du mich lehrst die Rechte / deiner Gerechtigkeit. / Die Gnad auch ferner mir gewähr; / ich will dein' Rechte halten, / verlaß mich nimmermehr.

Sprecher:

Drei Monate lang nur ein Lied singen? Nein, ich glaube nicht. Aber das mit dem Dank geht mir nach. Den Morgen mit Dank zu beginnen statt mit Arbeitsaufträgen, Problemen oder Herausforderungen. Danke für die Ruhe der Nacht. Danke für das Licht des neuen Tags. Ich weiß zwar noch nicht, wie ich das mit dem „Wandeln in Heiligkeit“ für mich übersetzen soll, aber mir wird klar, hier geht es um einen anderen Blick aufs Leben. Der erschöpft sich nicht in den kleinen Alltagsroutinen, sondern sieht weiter.

Also schaue ich mir etwas genauer den Psalm 119 an. Das ist ein merkwürdiger Psalm. Er ist in 22 Strophen mit jeweils 8 Versen unterteilt. Und alle Verse einer Strophe beginnen mit demselben hebräischen Buchstaben, bis das ganze hebräische Alphabet einmal durch ist. In jedem Vers geht es irgendwie um das Wort Gottes, seine Weisungen, sein Gesetz, seine Ordnungen. Und um das Vertrauen, dass der Psalmendichter in Gott setzt. Daran orientiert er sich und so gibt es auch das Lied von Cornelius Becker wieder. Daneben geht es aber auch noch um was anderes: um Wege, Lebenswege - und ums Gehen, Laufen, Suchen, sich verirren.

Musik 2: Choral Strophe 3

Sprecherin:

Mein Herz hängt treu und feste / an dem, was dein Wort lehrt. / Herr, tu bei mir das Beste, / sonst ich zuschanden werd. / Wenn du mich leitest, treuer Gott, / so kann ich richtig laufen / den Weg deiner Gebot.

Autor:

Mir scheint, das ist gar nicht so eindeutig mit den richtigen Wegen. Der ganze lange Psalm gibt darauf keine Antwort, was das denn konkret bedeutet, Gottes Wort zu halten oder seinen Geboten zu folgen. Vielleicht, denke ich mir, gewinnt es Bedeutung erst, wenn ich danach frage – so wie ein Weg erst dann zu meinem Weg wird, wenn ich anfange, ihn zu gehen. Im Vers 27 des Psalms heißt es: „Lass mich verstehen den Weg deiner Befehle, so will ich reden von deinen Wundern“. Und so hört sich das im Becker´schen Lied an – eine Strophe, die nicht im Evangelischen Gesangbuch steht, aber von manchen Chören gesungen wird.

Musik 3: Choral 4. Strophe

Sprecherin:

Lehr mich den Weg zum Leben, / führ mich nach deinem Wort, / so will ich Zeugnis geben / von dir, mein Heil und Hort. / Durch deinen Geist, Herr, stärke mich, / dass ich dein Wort festhalte, / von Herzen fürchte dich.

Autor:

Langsam beginne ich, Psalm und Lied etwas besser zu verstehen. Und langsam ahne ich, was die Worte der ersten Strophe für mich aussagen – „in Heiligkeit wandeln“.

Musik 4 instrumental

Autor:

„Wohl denen, die da wandeln vor Gott in Heiligkeit.“ Wandeln – das will ich mal übersetzen mit „meinen Lebensweg gehen“, meistens suchend, oft irrend, manchmal so, dass ich ihn finde. Vor Gott – im Vertrauen auf Gott, als Wegweiser, Vergewisserung, manchmal Infragestellung. Und dann noch in Heiligkeit – das meint für mich so etwas wie eine innere Klarheit. Ich kann meine Lebenswege gehen. Auch wenn ich oft nicht weiter weiß, mich manchmal verzettele, nicht immer die richtigen Entscheidungen treffe, manchmal vor Angst geschüttelt mich nicht weitertraue – ich kann gehen, denn das Wichtigste, das Schönste, das Größte in meinem Leben geht mit. Meine erste und innerste Heimat, die ich nie verliere, ist Gott.

Diese Klarheit finde ich den Versen des Psalms: HERR, dein Wort bleibt ewiglich, so weit der Himmel reicht; deine Wahrheit währet für und für. Du hast die Erde fest gegründet und sie bleibt stehen.

Und ich finde diese Klarheit in der letzten Strophe des Chorals:

Musik 2: Choral 4. Strophe

Sprecherin:

Dein Wort, Herr, nicht vergehet, / es bleibet ewiglich, / so weit der Himmel gehet, / der stets beweget sich; / dein Wahrheit bleibt zu aller Zeit / gleichwie der Grund der Erden, / durch deine Hand bereit'.

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