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Kirche in WDR 2 | 20.11.2015 | 05:55 Uhr

Worte und Gesten

Auf Gesten und die richtigen Worte wird dieser Tage ja genau geschaut. In den sozialen Netzwerken wie an den Stammtischen wird heiß diskutiert: Was ist angemessen? Was geht gar nicht?

Sei es in der Flüchtlingsdebatte oder nach den Anschlägen von Paris: Spontane Worte können manchmal so dermaßen daneben liegen. Viele Zeilen, die da auch gestandenen Politikern entfahren, bringen mich derzeit zur Weißglut. Und daher will ich jetzt auch nicht sprechen über die Flüchtlingsfrage oder Paris. Ich will von spontanen Worten sprechen, die diese Woche in Rom gefallen sind. Und diese Worte haben mich als bewegt, als Katholik, als Christ.

Sie stammen von Papst Franziskus. Der war am Sonntag zu Gast in der lutherischen Gemeinde von Rom. Er war damit der Einladung des deutschen Pastors Jens-Martin Kruse gefolgt. Und unter dem Eindruck der Terroranschläge sprach der Papst von den Verwundungen, die im sogenannten Christlichen Abendland durch die Kriege der Konfessionen gegeneinander verursacht wurden. „Es hat hässliche Zeiten gegeben“, sagte Franziskus ganz ungeschminkt. „Denken Sie an unsere gegenseitigen Verfolgungen, obwohl wir doch die eine Taufe haben. Denken Sie an so viele lebendig Verbrannte. Wir müssen einander um Verzeihung bitten.“

Und dann ließ der Papst Platz für Fragen aus der Gemeinde, auf die er ganz spontan antwortete. Und da kam eine Frage auf, die vielen, vielen Christen auf der Seele brennt und schon lange gebrannt hat: die Frage nach dem gemeinsamen Abendmahl. Wie sollen sich evangelische Christen bei der katholischen Messfeier verhalten, die in einer gemischt konfessionellen Ehe leben. Darum ging es: Dürfen sie gemeinsam zum Mahl gehen, zur Kommunion?

Und die Antwort des Papstes hat gesessen. Er hätte sich flüchten können in theologische Argumente, derer es viele gab und gibt und die immer auf ein mehr oder weniger scharfes „Njet“ herauslaufen. Franziskus aber sagte, er habe doch gar nicht die Kompetenz das zu erlauben. Und dann ermunterte er die Betroffenen ihr Gewissen zu prüfen. Und selbst eine Haltung zu finden. Wortwörtlich sagte er: „Sprecht mit dem Herrn und geht weiter.“

Wie gesagt: diese Worte waren spontan. Was Franziskus machte, war nichts anderes, als diese Menschen zu ermuntern, in ihrem Herzen eine eigene Entscheidung zu treffen beim Abendmahl. Und in der Frage geht es nicht um eine Lappalie. Beide meine Großeltern haben in gemischt konfessionellen Ehen gelebt. Ich weiß, wie sehr diese Frage für Generationen von Ehepaaren zur Belastungsprobe wurde. Wie viele werden innerlich auf eine Antwort auf Rom gewartet haben.

Noch einmal: Die Worte des Papstes waren schnell daher gesagt – das kennt man ja mittlerweile von Franziskus. Daher hat er keine Antwort gegeben, auf die man ihn festnageln könnte. Aber es waren wichtige Worte. Auch, weil sie von einer Geste begleitet wurde, die auch in der katholischen Welt bis dato nicht vorgekommen war: Erstmals hat am Sonntag ein Papst einem lutherischen Pastor einen Abendmahlskelch überreicht. Das haben die Päpste bislang nur denen geschenkt, mit denen sie das Abendmahl teilen. Was daraus wird? Warten wir es ab.

Nach einer Woche mit vielen großen und kleinen Worten, mit vielen geglückten und auch ungeglückten Gesten wäre ich froh, wenn diese Worte und diese Geste als ökumenischer Glücksfall hängen bleiben würden.

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