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Kirche in WDR 4 | 05.02.2015 | 08:55 Uhr

Wunder-Punkt

Guten Morgen! „Bist du sicher?“ frage ich einen Freund. Der hat mich grad mit einer guten Nachricht überrascht. Die kann ich kaum glauben. „Klar bin ich sicher“, sagt er. Doch ich kann immer noch nicht glauben, was ich höre, will es selbst sehen. Mit diesem „mich wundern“, zweifeln und „nicht glauben können“ bin ich in guter Gesellschaft – da gibt es im Neuen Testament der Bibel doch den ungläubigen Thomas. Die anderen Jünger, die Freunde Jesu, haben ihm erzählt, dass Jesus auferstanden ist. Dass er in ihrer Mitte gewesen ist. Und Thomas kann nun wirklich nicht glauben, was er da hört und sagt:

„Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meine Finger in die Nägelmale lege und meine Hand nicht in seine Seite lege, dann kann ich´s nicht glauben.“ (Johannes 20,25b)

Thomas fällt es schwer, die Nachrichten seiner Freunde zu glauben. Er will nur glauben, was er sieht. Er zweifelt an dem, was ihm berichtet wird. Woher kommt er wohl, der Zweifel des Thomas?

Hinter Zweifeln, hinter Selbstzweifeln und Lebenszweifeln eines Menschen stehen oft ganz tiefe Verletzungen. Wir zweifeln, weil uns Vertrauen fehlt. Vielleicht, weil man es uns schon bei Zeiten ausgetrieben hat. Vielleicht hat man den Zweifel schon in uns gesät als wir Kinder waren. Vielleicht ist er erst später gekommen, weil wir zu viel durchmachen mussten.

Hinter den Zweifeln des Thomas können tiefe Verletzungen stehen. Viele wunde Punkte. Zweifel sind immer wunde Punkte. Sie schmerzen uns. Sie sind das negative Gegenstück zu Hoffnung. Zweifel reiben unsere Seelen wund.

Der wunde Thomas, der Zweifelnde wendet sich jetzt an Jesus oder vielmehr den, den die anderen dafür gehalten haben. Thomas verlangt seine Nähe. Thomas will mit eigenen Augen sehen und mit eigenen Händen fühlen. Und Jesus begegnet ihm nicht überlegen oder abweisend. Er zeigt Thomas das, was man nur einem Menschen zeigt, dem man ganz tief vertraut: seine Verletzungen.

Thomas sieht die Wunden Jesu, und er muss sie gar nicht mehr berühren. Jesus zeigt Thomas die Wunden, damit er erkennen kann, wer er wirklich ist.

Und da erkennt Thomas ihn tatsächlich und legt ein großes Bekenntnis ab: Mein Herr und mein Gott! Er kann glauben, er kann vertrauen, er ist befreit von seinen Zweifeln.

Das ist etwas Großartiges, wenn Menschen einander mitteilen können, was sie verletzt. Wenn ich den Mut zur Offenheit habe. Wenn wir uns gegenseitig eingestehen, woran wir zweifeln, wenn wir einander sagen können, was uns fehlt, was uns verletzt hat. Gerade für Menschen, die sich lieben, ist es wichtig, sich so etwas sagen zu können.

Und wie oft scheitert die Liebe daran, dass Menschen sich gegenseitig das nicht zumuten wollen und so erst recht zu einer Zumutung füreinander werden.

Oft sind wir lieber die unverwundbaren Helden und Heldinnen!

Thomas und Jesus tun etwas, was eine neue Form der Begegnung möglich macht. Jesus zeigt sich Thomas mit den Wunden vom Kreuz. Und Thomas spricht seinen Zweifel aus. Er fordert ein, was er braucht, um seinen Zweifel, seine Verletzung, seinen wunden Punkt loslassen zu können.

Das ist mutig. Wie schnell machen wir Menschen uns die Offenheit und Schwäche des anderen zu nutze. Aber ohne den Zweifel des Thomas wäre diese Nähe zu Jesus nicht möglich geworden.

Die wunden Punkte sind zu Wunder-Punkten geworden. Von der Wunde zum Wunder können wir nur in gelungenen Begegnungen, nur in der Gemeinschaft kommen. Nur mit einem vertrauensvollen und offenen Umgang mit unseren Zweifeln und Verletzungen ist dieser Wandel möglich.

Mit meinen wunden Punkten hoffe ich auf das Wunder, dass Gott die Tränen abwischen wird und der Tod nicht mehr sein wird, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz. (Offenbarung 21,4)

Einen wunder-vollen Tag wünscht Ihnen Claudia Kiehn, Pfarrerin aus Münster!

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