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Choralandacht | 23.06.2018 | 07:50 Uhr

Wunderbarer König (eg 327)

Autor: Die Haare fallen leicht gewellt bis auf die Schultern, die Ponyfransen frech in die Stirn, die großen Augen schauen freundlich und leicht melancholisch, nur das zarte Oberlippenbärtchen wirkt etwas, sagen wir: gewollt. Und der junge Mann steckt in einem schweren, schwarzen Talar, wie ihn die Gelehrten tragen. Darüber ragt ein großer weißer Kragen. Er ist gerade mal 24 Jahre alt und schon Rektor einer Schule. Dieser Blick und diese Kluft – irgendwas passt hier nicht zusammen.

Musik 2: Bläser

Autor: Wir schreiben das Jahr 1674, Joachim Neander ist gerade von Frankfurt nach Düsseldorf gezogen, hier wird er Rektor an der Lateinschule der reformierten Gemeinde und Hilfsprediger. Er will Pfarrer werden. Doch immer wieder legt er den Talar beiseite, in jeder freien Minute zieht es ihn hinaus in die Natur. Neander wandert gern. Am liebsten ganz in der Nähe ins Düsseltal. Der Wald, die hohen Kalksteinfelsen, das geschützte Tal, oft zieht er sich hierhin zurück, um Lieder zu dichten. Zu seinen bekanntesten gehören “Lobet den Herren, den mächtigen König der Ehren” und "Wunderbarer König".

Musik 1: Choral, Strophe 1 mit Sprecherin overvoice

1. Wunderbarer König,

Herrscher von uns allen,

lass dir unser Lob gefallen.

Deine Vatergüte

hast du lassen fließen,

ob wir schon dich oft verließen.

Hilf uns noch,

stärk uns doch;

lass die Zunge singen,

lass die Stimme klingen.

Autor: Im Düsseltal schreibt Joachim Neander seine Lieder, hier hält er auch Versammlungen ab, bei denen er predigt. Der abgeschiedene Ort ist perfekt, um der Kirchenleitung aus dem Weg zu gehen. Es war nämlich so: Bevor er hierher nach Düsseldorf kam, hatte Neander in Frankfurt die häuslichen Treffen bei Philipp Jakob Spener und Johann Jakob Schütz besucht, zwei Vertretern des aufkommenden Pietismus. Nicht die reine Lehre oder der Zusammenhalt der Kirche ist ihm seither wichtig, sondern die persönliche Frömmigkeit.

So wie in seinem Lied „Wunderbarer König“. Ein Loblied auf Gott als König, Herrscher, Vater und Schöpfer. Das sind die großen Titel, mit denen der junge Dichter Gott beschreibt. Er macht das eng angelehnt an die Psalmen, die Lieder der Bibel. Gott als König, das ist hier ein ganz beliebtes Motiv. Könige herrschen in der Regel mit Macht und Gewalt, sie können ganze Völker unterwerfen. Joachim Neander, der junge Mann mit dem freundlichen Blick und mit seiner ganz eigenen Frömmigkeit, er denkt an einen gütigen Herrscher, einen wunderbaren König.

Musik 2: Bläser

„Siehst du scheel drein, weil ich so gütig bin?“ - so endet eine berühmte Geschichte im Neuen Testament. So fragt nämlich der Hausherr einen Arbeiter, der sich beschwert. Der hat den ganzen Tag auf dem Weinberg gearbeitet und bekommt am Ende den gleichen Lohn wie diejenigen, die erst mittags dazu geholt wurden oder sogar nur die letzte Stunde dabei waren. So geht es zu in der Geschichte von den Arbeitern im Weinberg. Die Tagelöhner hatten den ganzen Tag auf dem Marktplatz gewartet und gehofft, dass sie jemand anstellt. Jesus erzählt diese Geschichte, um zu zeigen, wie Gott ist.

Gott ist ein Herrscher, der nicht fordert oder rechnet, sondern gütig ist. Bei dem es nicht danach geht, was einer schaffen kann, sondern wo jeder bekommt, was er braucht. Das ist Güte. Oder Gottes Version von Gerechtigkeit. Wunderbar.

Ich weiß nicht, ob Joachim Neander daran gedacht hat. „Deine Vatergüte hast du lassen fließen, ob wir schon dich oft verließen.“ So dichtet er über den wunderbaren König. Fromm wie er war, ging es ihm dabei vielleicht nicht um Arbeit, Lohn und Gerechtigkeit, sondern um den Glauben. Aber es ist ja so: Nicht immer schaffen wir Menschen es, Gott gerecht zu werden. Manche sind stark im Glauben, manche eher schwach, die einen schon lange dabei, die andern gerade erst dazu gekommen. Wie bei den Arbeitern im Weinberg. Egal. Dieser Gott ist gütig. Bei ihm geht’s nicht darum, was einer schafft, sondern was er braucht.

Musik 1: Choral, Strophe 2 mit Sprecherin overvoice

2. Himmel, lobe prächtig

deines Schöpfers Taten

mehr als aller Menschen Staaten.

Großes Licht der Sonne,

schieße deine Strahlen,

die das große Rund bemalen.

Lobet gern,

Mond und Stern,

seid bereit, zu ehren

einen solchen Herren.

Autor: Ob er auch mal nachts in dem Tal war? Da, wo die Düssel fließt und die schroffen Felsen in den Himmel ragen? Wie mag das sein, wenn im Hintergrund der Fluss rauscht und plätschert und am Himmel die Sterne funkeln in einer klaren Nacht? Himmel, Sonne, Mond und Sterne sind schon so groß, so hoch, erhaben, eindrücklich. Aber sie sollen Gott loben, der alles geschaffen hat, so schreibt Neander.

Eine Bekannte von mir ist nicht besonders religiös. Eher eine, die alles selber schaffen und an nichts Größeres glauben will. Aber im Sommer, wenn die Tage lange hell sind und die Nächte kurz, da wird sie schon mal schwach. Oft fährt sie um diese Zeit nach Schweden. Zur Sommersonnenwende. Und dann liebt sie es, mit dem Schlafsack an den Strand zu ziehen. Erst den Sonnenuntergang zu erleben und dann irgendwann, wenn es endlich etwas dunkel wird, einfach so dazuliegen und in die Sterne zu schauen, das Meeresrauschen im Hintergrund. Dann, sagt sie, kommt ihr schon mal so ein Gedanke, dass es einen Schöpfer gibt, der all das geschaffen hat. Und dann hofft sie doch, ganz zart, dass er da ist und seine Schöpfung auch erhalten will.

Musik 1: Choral, Strophe 3 mit Sprecherin overvoice

3. O du meine Seele,

singe fröhlich, singe,

singe deine Glaubenslieder;

was den Odem holet,

jauchze, preise, klinge;

wirf dich in den Staub darnieder.

Er ist Gott

Zebaoth,

er nur ist zu loben

hier und ewig droben.

Autor: Sein Loblied hatte zuerst von Gott gesungen, dann von der Schöpfung, die ihn loben soll, jetzt geht es um die eigene Seele. Sie soll jauchzen, preisen, klingen. Im Hintergrund steht Psalm 150: Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!

„Singe deine Glaubenslieder; wirf dich in den Staub darnieder“. Mag sein, für Joachim Neander und den gerade aufkommenden Pietismus war das gar kein Problem, aber für moderne Ohren klingt es doch etwas befremdlich: Wie passt das zusammen? Fröhlich singen und sich in den Staub werfen? Meine Bekannte, die so gern nach Schweden fährt und in den langen Mitsommernächten schon mal dem Glauben auf die Spur kommt, sie wäre jetzt raus aus der Nummer. Sich irgendwie unterwerfen, das geht nicht. „Er nur ist zu loben“, nur Gott selbst darf angebetet werden, stellt der junge Theologe klar. Und das ist wohl der Schlüssel. Sich anderen Menschen zu unterwerfen, einer Regierung, einer Kirchenleitung, einem Arbeitgeber, irgendeinem einzelnen Menschen, der glaubt, Macht zu haben, das geht nicht. Nur Gott kann das fordern - als gütiger Herrscher, als wunderbarer König. Sich an diesen einen zu binden, macht stark und frei gegenüber allen anderen.

Musik 2: Bläser

Musik 1

CD-Name: Lobe den Herren – Die schönsten Loblieder und -choräle

Titel: Wunderbarer König

Text: Joachim Neander

Melodie: Joachim Neander

Chor: Solistenensemble

Leitung: Gerhard Schnitter

Verlag: Hänssler Verlag

Label: Hänssler

LC-Nr. 07224

Bestellnr. 99956

EAN: 4010276017714

Musik 2

CD-Name: ChORALfantasien – Bearbeitung für Blechbläser

Titel: Wunderbarer König

Text: Joachim Neander

Bearbeiter: Anne Weckeßer

Chor: genesis brass

Leitung: Christian Sprenger

Verlag: Gerth Medien

Label: GerthMedien

LC-Nr.13743

Bestellnr. 939388

EAN: 4029856393889

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