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Kirche in WDR 5 | 23.09.2014 | 06:55 Uhr

Zeichen setzen

Guten Morgen. Es ist Weltkrieg, nur nicht auf einmal, diesmal in Kapiteln... Ich weiß nicht mehr, wer das in den letzten Tagen gesagt hat – aber er hatte Recht. Irgendwie will überhaupt keine Ruhe mehr einkehren: in der Ukraine nicht, im Irak nicht, in Syrien nicht, im Heiligen Land nicht, in Libyen nicht, in Ägypten nicht, in Nigeria nicht, und auch nicht in den USA... Kaum eine Ecke der Welt, in denen nicht eine Region in Flammen steht. Dazu auch noch die Bedrohung durch ein unheimliches Virus, das wir bislang nur aus mehr oder minder schlechten Katastrophenfilmen kannten – plötzlich wird es zu einer realen Bedrohung auch bei uns. Und was machen wir? – Wir diskutieren über eine Straßen-Maut, Streiks bei Bahn und Flugzeugen. Und über viele andere, ähnlich „wichtige“ Themen. Ein Kollege hat das in diesen Tage auf folgende Formel gebracht: „Der Tempel brennt – und wir setzen alles daran, den Nippes zu retten...!“ Ist das eher der Ausdruck von Ratlosigkeit, ein Zeichen von Feigheit oder vielleicht doch die blanke Angst vor der ganzen Wahrheit?

Manchmal denke ich in diesem Sinne: Verkehrte Welt! Lasst uns nicht diskutieren, sondern zupacken. Da, wo echte Not Hilfe erfordert. Auch mit Mitteln, die wir uns vor kurzem noch nicht haben vorstellen können. Ja, so schwer mir der Gedanke auch fällt, auch mit Waffen und der damit verbundenen Gewalt. Vielleicht ist das ja eine, vielleicht sogar die Antwort auf diese Herausforderung, der wir uns gegenübersehen. Vielleicht ist es die Antwort, die die nächsten Generationen hören wollen, auf die sie sehnsüchtig warten. Und – nein – ich will es nicht noch einmal erleben und hören: „Warum habt Ihr nichts getan, warum habt Ihr geschwiegen...?“

Sicher, ich kann nicht nach Westafrika fahren, und ein unberechenbares Virus ausrotten oder in den Irak und dort einfach mal für Ordnung sorgen. Aber ich kann Zeichen setzen. Hier, bei mir. Erinnern ist so ein Zeichen. Zum Beispiel mit dem Buchstaben „Nun“, den derzeit viele meiner Facebook-Freunde in ihrem Profilbild gespeichert haben. „Nun“ ist jener Buchstabe des arabischen Alphabets, mit dem die islamistische IS-Miliz Häuser von Christen „Nazarenern“ in Mossul und anderswo gekennzeichnet und die Menschen in diesen Häusern zum Vertreiben und Töten freigegeben hat. Auch in meinem facebook-Profil findet sich dieser Buchstabe. Weil ich davon überzeugt bin, dass durch eine beständige Erinnerung neue Gräueltaten dieser Art verhindert werden können. Natürlich weiß ich, dass ich damit wahrscheinlich direkt kein Menschenleben werde retten können. Aber ich kann ein Zeichen setzen, ich schweige nicht zu dem doppelten Völkermord, den die IS-Leute zu verantworten haben. Und damit schweige ich auch nicht zu dem, was sich ganz unauffällig auch in unserem Land wieder beginnt breitzumachen: Minderheiten stehen auch bei uns immer häufiger am Pranger, ob es Menschen aus anderen Ländern sind oder – wie damals – unsere jüdischen Mitbürger, oder Einheimische, die von den Sozialsystemen ausgeschlossen werden sollen – die Reihe wird, so kommt es mir vor, immer länger.

Nochmals: Nein – ich will es nicht noch einmal erleben und hören: „Warum habt Ihr nichts getan, warum habt Ihr geschwiegen...?“

Einen guten Tag wünscht Ihnen Ulrich Clancett aus Jüchen.

Copyright Vorschaubild: katholisch.de

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