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Hörmal | 20.07.2014 | 07:45 Uhr

Zeitverlust

Verkehrsbericht: 15 Kilometer Stau auf der A 3 vor Köln. Ich sitze im Auto und bin unterwegs zu einem Termin. Pünktlich schaffe ich das nicht mehr und meine weitere Planung wird über den Haufen geworfen. Prognose des Verkehrsberichts und das wird neuerdings dazu gesagt: Zeitverlust 30 Minuten. Das ist nicht mehr einzuholen.

So praktisch diese Information auch ist für die weitere Tagesplanung: An dem Wort „Zeitverlust“ bleibe ich hängen. Mitten im Stau. Diese unfreiwillige Entschleunigung auf der A3 vor Köln bringt mich ins Grübeln.

Kann ich eigentlich Zeit verlieren, wenn ich zum Beispiel hier im Stau stecke? Und umgekehrt: Kann ich Zeit gewinnen, wenn ich mich beeile? So genannter Zeitverlust oder Zeitgewinn hängt doch davon ab, wie ich plane und wie ich mir meine Zeit einteile.

Verlust und Gewinn entstehen doch nur gegenüber meiner Planung, die aufgeht oder nicht, aber doch nicht gegenüber der Zeit selbst. Auch wenn es manchmal heißt „Zeit ist Geld“ – im Letzten ist das Humbug. Zeit an sich ist kein Kapital, das ich vermehren kann oder verlieren kann.

Darüber hat schon der bekannte Jugendbuchautor Michael Ende nachgedacht in seinem phantastischen Märchenroman Momo. Der handelt von einem kleinen Mädchen mit krausem Haar und einer Schildkröte namens Kassiopeia an ihrer Seite.

Momo rettet die Welt vor den Zeitdieben. Diese reden den Menschen ein, sie könnten Zeit sparen für später, so, wie man Geld spart, auf das man später zugreifen kann. Und die Zeitdiebe haben Erfolg: Die Menschen packt der Geiz und sie vermeiden alle scheinbar nutzlosen Dinge, um bloß keine Zeit zu verlieren. Der Versuch, Zeit zu sparen, macht die Menschen immer hektischer und damit unglücklich. Die Folge: Die Welt wird immer kühler und unmenschlicher.

Momo gelingt es schließlich die Zeitdiebe zu besiegen. Und damit beginnen die Menschen auch wieder sich Zeit zu nehmen füreinander und das lässt sie alle aufblühen.

Michael Ende sagt in einem Gespräch: „Jemand, durch den die Zeit sozusagen immer hindurchfließt, der seine Zeit nicht festzuhalten versucht, der hat ja gar keine, die man ihm stehlen kann, da ist nichts zu stehlen.“ Vollkommen richtig!

Zeit ist ja gar keine feststellbare Größe, sondern fließt, ist immer jetzt. Zeit ist der permanente Übergang von etwas, was noch nicht ist, zu dem, was nicht mehr ist.

So gesehen, gibt es weder Zeitgewinn noch Zeitverlust, sondern nur Planungsverslust oder Planungsgewinn.

Damit hängt wohl auch meine Ungeduld im Stau zusammen, denn der durchkreuzt ja meine Planung. Aber die Entschleunigung im Stau, die hat immerhin möglich gemacht, einmal über den Zeitverlust nachzudenken – und das ist ein echter Gewinn.

Hoffentlich kommen Sie heute im Urlaubsverkehr nicht in einen Stau. Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen aber eine gesegnete Zeit.

*Zitiert nach: http://www.michaelende.de/autor/biographie/momo-rom-und-das-neue-zeitgefuehl

(Copyright Vorschaubild: bogenfreund CCBY-SA 2.0 flickr)

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