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Kirche in WDR 3 | 14.07.2015 | 07:50 Uhr

Zerbrechlichkeit

Ludwig van Beethoven wird als ein recht anstrengender Zeitgenosse des 19. Jahrhunderts beschrieben: jähzornig, ungeduldig, reizbar und vieles mehr. Dabei war er einer der größten Komponisten aller Zeiten. Was umso erstaunlicher ist, da er mit 26 Jahren langsam taub wurde. Im Alter von 32 Jahren schreibt er einen herzzerreißenden Brief an seine Brüder, die ihn nach seinem Tod lesen sollen. Es ist sein Testament. In diesem Brief gibt er seinen Brüdern Einblick in das für ihn unermessliche Leid, das ihn schlichtweg zerreißt. Er sehnt sich nach menschlicher Gesellschaft und flieht sie zugleich, weil er nicht hören kann, was die anderen hören. Das empfindet er als Schwäche, die ihn demütigt. Es bringt ihn an den Rand der Verzweiflung, sich in seinem so reizbaren Körper wahrnehmen zu müssen und mühsam Geduld zu erlernen. Vor der vollkommenen Verzweiflung schützt ihn sein Wissen, dass es in ihm noch so viel gibt, was danach verlangt, musikalischen Ausdruck zu finden. Und völlig taub schreibt er die größten musikalischen Werke.

Beethoven, der für sein Umfeld so anstrengend war, schreibt in seinem Brief vom 6. Oktober 1802 etwas Bemerkenswertes: Er schreibt, dass Gott sein Inneres kennt und sieht, wie viel Gutes in ihm vorhanden ist. Und dann bittet er seine Brüder, nach seinem Tod seinen Krankheitszustand bekannt zu machen, damit die Menschen erkennen, wie sehr sie ihm unrecht getan haben. Aber er denkt auch an die anderen, denen es so ergeht wie ihm. Er schreibt:

Sprecher:

„der unglückliche, er tröste sich, einen seines gleichen zu finden, der trotz allen Hindernissen der Natur, doch noch alles getan, was in seinem Vermögen stand, um in die Reihe würdiger Künstler und Menschen aufgenommen zu werden.“

Es ist schier unglaublich, was Beethoven ohne Gehör durch seine Musik zu Gehör bringt! Und was für eine Ermutigung für uns heute! Vielleicht verläuft unser Weg anders, als wir es uns gedacht und gewünscht haben. Doch es ist immer noch unser Leben und unser Weg. Und was darin liegt und sich entfalten will, braucht vielleicht gerade diese Bruchstellen in unserem Leben, um herauskommen zu können. Da, wo wir schwach sind, beginnt auch unsere Stärke.

Schon viele Jahre hindurch begleitet mich ein Wort des heiligen Paulus, das er damals an die Korinther schrieb:

Sprecher:

„Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi. Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt“ (2 Kor 4,6-7).

Der Blick auf das Leben des großen Komponisten kann eine Ausdeutung dieses Wortes und darin eine Ermutigung für uns sein: Zwar sind wir zerbrechliche Gefäße, doch tragen wir in uns einen überaus kostbaren Schatz an Leben, das nur durch uns in unserer konkreten Situation einen einzigartigen Ausdruck in dieser Welt finden kann. Vielleicht gewinnt unsere Lebenskunst keinen Weltruhm wie bei Beethoven, aber aus ihm strahlt der göttliche Glanz.

Dass Sie in aller Zerbrechlichkeit Ihres Lebens die eigene unzerstörbare Größe erahnen können, wünscht Ihnen aus Münster Sr. Ancilla Röttger.

1*Letters of Note. Briefe, die die Welt bedeuten, München 2014, S. 288.

Copyright Vorschaubild: Public Domain Pixabay

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