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Kirche in WDR 2 | 19.02.2014 | 05:55 Uhr

Zombies

Sie sind gebildet. Eve überfliegt Texte in Sanskrit mit ebenso großer Leichtigkeit wie solche in arabischer Schrift. Sie weiß alles über Pilze und kann durch Abtasten der Oberfläche das Baujahr einer Gitarre bestimmen. Adam kennt sich aus mit Botanik, Literatur und Wissenschaftsgeschichte. Beide sind kultiviert, begegnen anderen mit Respekt und - sie trinken ihre tägliche Ration an Blut ausschließlich aus Konserven. Denn - Adam und Eve sind Vampire.

Die Hauptfiguren in Jim Jarmuschs neuestem Film „Only lovers left alive“ frei übersetzt „Nur Liebende bleiben lebendig“ sind seit Jahrhunderten verheiratet. Eve lebt als eine Art zeitloser Hippie in Tangar. Adam komponiert. Sein Mittelsmann Ian vermarktet seine Stücke. Weitgehend isoliert vervollkommenen sie Jahr für Jahr ihr Wissen und ihre Fertigkeiten. Bis Adam in eine tiefe Krise gerät: . Menschliche Stümperei und Ignoranz zerstören seinen Lebensraum. Er will seinem ewigen Vampirsleben ein Ende machen.

„Der Film zeigt, dass in der Gegenwart nichts mehr heilig ist“, analysiert eine Besprechung der Süddeutschen. Er macht das durch die Figur des Adam. Adam leidet unter dem Verlust von Werten; an der Verseuchung des Wassers, am Verfall ehemals prächtiger Bauten, am Niedergang ganzer Städte, auch der Stadt Detroit, in der er eine alte Villa bewohnt.

Und er hat auch einen Schuldigen gefunden. Verantwortlich für den Zustand der Welt sind die Menschen. Oder wie Adam sie nennt: die Zombies.

Eine Bezeichnung, die im ersten Moment irritieren mag, sich aber beim genaueren Hinsehen als treffend erweist. Menschliche Wesen sind aus seiner Sicht Untote, Wesen zwischen Leben und Tod, eben Zombies.

Ursprünglich in abergläubischen Vorstellungen oder im Voodoo-Kult angesiedelt, sind sie heute eher bekannt durch Horrorfilme, in denen sie als gruselige Wesen, mit ausgestreckten Armen, halb verwesten Gesichtern und leerem Blick umherirren, ohne Geist oder Bewusstsein. Ihr einziger Antrieb: die Suche nach Menschenfleisch.

Nicht tot, aber auch nicht wirklich am Leben. Eine Charakterisierung, die ihnen in den letzten Jahren neue Aktualität verlieh. Demonstranten in Russland oder in der Schweiz verkleideten sich als Zombies, um ihre Kritik am Dahinvegetieren, an Stumpfheit und Desinteresse auszudrücken. Ähnlich im Film; auch „Only lovers“ verharrt nicht im ohnmächtigen Betrachten.

Jarmusch kreiert Adam und Eve, zwei Prototypen, die für einen Neuanfang stehen.

Sie wehren sich gegen den Verfall, indem sie zusammentragen und pflegen, was sich zu erhalten lohnt. Adam und Eve machen vor, wie es ist, Zeit zu haben, Dinge genau anzusehen, sich mit ihnen zu beschäftigen, sie zu erlernen, sie zu schätzen und respektvoll mit ihnen um zugehen.

Adam und Eve sind Metaphern, sagt Jarmusch; „für den gegenwärtigen Zustand menschlichen Lebens- sie sind zerbrechlich und in Gefahr, empfindlich für die Gewalt der Natur und für das kurzsichtige Verhalten derer, die an er Macht sind.“

Stumpf oder kritisch, lebendig oder bewusstlos, ignorant oder wach, wertschätzend oder ausbeutend, im Film steht beides nebeneinander. Doch sein Titel bezieht eindeutig Position; Only lovers left alive. Nur wer sich selbst und andere, kulturelle Errungenschaften und die Natur mit Respekt behandelt, bleibt lebendig. Nur wer liebt, erhascht ein Stück der Ewigkeit.

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