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Kirche in WDR 5 | 25.11.2013 | 06:55 Uhr

Zu guter Letzt

Ich kenne eine Frau, die ist bei Menschen, wenn es mit ihnen zu Ende geht. Sie redet mit ihnen, aber meist hört sie ganz einfach zu. Und dabei erfährt sie ganz viel vom Leben der Sterbenden. Was sie dabei am meisten heraushört, das sind all die Dinge, die diese Menschen gerne anders gemacht hätten. Jetzt allerdings bleibt ihnen dazu nicht mehr viel Zeit. Aber Sie, liebe Hörerin und lieber Hörer, Sie haben noch Zeit. Sie können noch viel ändern. Und deshalb erzähle ich Ihnen, was die Frau, die die Sterbenden begleitet, von den unerfüllten Träumen ihrer Patienten berichtet hat. Wer weiß, vielleicht gehen Sie dann den heutigen Tag ein bisschen anders an, als geplant.

Was den Menschen am meisten leidtut, ist der fehlende Mut, den sie gehabt haben. Einmal ganz eigenständig und auch ein bisschen verrückt das zu tun, wovon sie immer schon geträumt haben. Miteinem Fesselballon über die Alpen fliegen. Mit der Partnerin oder dem Partner nachts am schönsten Strand der Welt liegen. Oder dem Chef endlich mal sagen, wie unsensibel er über Jahre hin die eigene Leistung übersehen hat. Komisch, man hat’s einfach nicht gemacht und nichts gesagt. War man dazu zu angepasst? Vielleicht. Dabei wäre das alles möglich gewesen.

Schon der Psalm 90 in der Bibel ermuntert zum Selbstbewusstsein „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“ (Ps 90,12). Und damit sagt er indirekt: Wenn Du weißt, dass Dein Leben begrenzt ist – und wer wüsste das eigentlich nicht? - was machst Du Kluges damit? Nutze die Zeit, haben die alten Römer dazu gesagt. Mach was draus, es gibt nämlich ein Zuspät.

Und weiter erzählen die Sterbenden, meist die älteren unter ihnen: Wir bedauern es, dass wir so viel gearbeitet haben. Und oft häufig sind es die Männer, die so empfinden.

Oft haben sie dabei das Gefühl, sie hätten doch einiges versäumt. Wie ihr Sohn laufen lernte, wie die Tochter das erste Mal auf der Bühne der Schulaula stand. Und in der Gemeinschaft mit der Partnerin hätte auch noch mehr Spontanes stecken können. „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“, (1. Mose 2,18) sagt die Bibel dazu.

Aber hat man nicht manchmal viel zu oft dann doch alleine vor dem Computer gesessen? Viele – und das gilt für Männer und Frauen - sagen: Ich hatte nicht die Traute, meine Gefühle zu zeigen. Weder meiner Frau, noch meinen Kindern, sonst überhaupt in meinem Leben. Und so können die Partner dann ja gar nicht wissen, was man nun wirklich gerne einmal anders getan hätte. Und dann gibt’s da noch den schleppenden oder sogar eingeschlafenen Kontakt zu alten Freunden. Wenn man krank ist, wird man diesen kaum wiederbeleben können. Warum, warum nur hatte man sich eigentlich nicht öfter bei einem Glas Bier getroffen? Jetzt ist es zu spät. Schade.

Ja, sagt die Sterbebegleiterin, und irgendwie tut es den Menschen, die vom Leben Abschied nehmen auch leid, dass sie sich für all die Fragen, wie’s denn nun weitergehen wird und was der Herrgott eventuell noch mit einem vor hat, keine Zeit genommen haben. Kein Platz für den gar nicht einmal so uninteressanten Glauben. Man hat ja immer beruhigend zu sich selber gesagt: Das kriegen wir später. Aber auch das täuscht. Wer sich so gar nicht eingestimmt hat auf Gottes Welt, wird es am Ende nicht leicht haben, sich in ihn einfühlen zu können. Und deshalb stimmt es auch nicht, dass im „Alter der Psalter“ automatisch kommt. Woher auch, wenn man nicht weiß, wo er steht.

Und dann sagen die Menschen, die gehen, zu guter Letzt: Ich hätte doch in so vielem die Wahl gehabt. Und genau die, haben Sie noch, liebe Hörerin, lieber Hörer, machen Sie deshalb schon heute mehr aus ihren Möglichkeiten. Ihr Pfarrer Max Koranyi aus Königswinter.

Literatur: Bronnie Ware: Fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen: Einsichten, die ihr Leben verändern werden, Arkana; Auflage: 9 (11. März 2013).

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