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Sonntagskirche | 19.02.2017 | 08:55 Uhr

Zufrieden

Guten Morgen!

Mein Navi ist mittlerweile in die Jahre gekommen. Immerhin ist sein Kartenmaterial schon über zehn Jahre alt. Da kann es mir passieren, dass ich trotz Navi wie im Blindflug durch die Gegend fahre und auf dem Bildschirm lediglich weiße Flecken erkenne.

Aber ich habe mich nun mal an „Uschi“ gewöhnt. Den Namen habe ich sicherlich mehr unbewusst als absichtlich vom Schweizer Liedermacher Stephan Sulke übernommen, der 1982 seinen Hit „Uschi mach kein Quatsch“ veröffentlichte. Meine digitale Wegweiserin ist bei längeren Strecken immer mit von der Partie, auch wenn sie mich manchmal durch eine Garage schicken will oder mir vor einem Feldweg eröffnet, dass hier die Führung endet. Nein, meine „Uschi“ werde ich so schnell nicht gegen ein jüngeres Modell eintauschen. Im Großen und Ganzen bin ich mit ihr vollauf zufrieden.

Weshalb soll ich mir ständig den neuesten digitalen Schnickschnack anschaffen, denke ich beim Mittagessen. Zufrieden genieße ich mein Leib- und Magengericht: Rührei mit Stampfkartoffeln und blättere dabei im Werbeprospekt eines Elektronikmarktes. Jetzt gibt es doch tatsächlich schon Kühlschränke, die internettauglich sind. Brauche ich das, um glücklich und zufrieden zu sein, denke ich beim letzten Bissen meines Mittagessens.

Meine Frau dreht den Knopf des Radios lauter. „Mensch, ging das aber schnell“, höre ich den mittlerweile 73jährigen Stephan Sulke singen. Wahnsinn, denke ich. Das klingt irgendwie glücklich und zufrieden wenn Sulke singt: „Mensch ging das aber schnell. Wumm-di-bumm. Halbzeit rum. Mensch ging das aber schnell.“

Inzwischen wartet mein Hund auf seinen Mittagsgang. Durchs Fenster hat er den Schnee entdeckt. Er liebt es, sich im Schnee zu wälzen. Und sieht dabei einfach glücklich und zufrieden aus.

Manchmal wünschte ich, ich wäre auch so leicht zufrieden zu stellen. Einfach im Schnee wälzen und alle Viere von sich strecken und das Leben rundherum genießen.

Aber es reicht schon der Blick in die Tageszeitung, und die negativen Schlagzeilen legen sich wie dunkle Wolken auf mein Gemüt. Der beigefügte Werbeprospekt weckt Bedürfnisse, die mich angeblich zufriedener und den Nachbarn neidisch machen.

Da fällt mir ein Liedtext von dem Dichter Matthias Claudius in die Hände: „Ich danke Gott und freue mich wie 's Kind zur Weihnachtsgabe, dass ich bin, bin, und dass ich dich, schön menschlich Antlitz habe.“ Und zum Schluss heißt es: „Gott gebe mir nur jeden Tag, soviel ich darf zum Leben. Er gibt's dem Sperling auf dem Dach. Wie sollt er's mir nicht geben?!“ (1) Überschrieben hat er diese Verse: „Täglich zu singen!“ Starke Zeilen voller Zufriedenheit. Vor allem, wenn man die Nachricht von einem Ehepaar danebenhält, das mehrere 100.000 Euro im Lotto gewonnen hat. Und das sich darüber so zerstritten hat, dass die Ehe zerbrach. Geld allein macht eben nicht glücklich. Das Leben als Geschenk Gottes täglich zu feiern, lässt mich zufrieden jeden Tag neu durchatmen.

Einen zufriedenen Sonntag wünsch´ ich Ihnen.

(1 ) http://freiburger-anthologie.ub.uni-freiburg.de oder Jost Perfahl: Matthias Claudius. Sämtliche Werke. Winkler-Verlag, München: 1976, S. 149-150.

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