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Kirche in WDR 5 | 09.04.2015 | 06:55 Uhr

Zuversicht

„Habt keine Angst!“ „Fürchtet euch nicht!“ „Friede sei mit euch!“

Das klingt als Gruß erst einmal etwas komisch. Daher erst einmal etwas weniger mit Pathos für Sie, liebe Hörerinnen und Hörer: „Guten Morgen!“

Aber genauso wie zum Anfang sprechen im Neuen Testament sowohl der Engel als auch Jesus die Frauen und Jünger nach der Auferstehung an: „Habt keine Angst!“ „Fürchtet euch nicht!“ „Friede sei mit euch!“

Als Osterbotschaft meint ein solcher Zuspruch wohl Ermutigung, Zuversicht, Trost. Und wer so angesprochen wird, der hat es wohl auch nötig. Immerhin, damals hatten die Frauen und Jünger ihren Freund, ihren Meister und Herrn verloren, auf brutalste Weise hingerichtet am Kreuz. Ihnen selbst drohte dasselbe Schicksal. Sie sahen sich ausgesetzt der Verfolgung, das heißt der Unruhe, der Unsicherheit und dem Unfrieden. Und das waren nicht nur äußere Bedrohungen durch die Gegner dieses Jesus von Nazareth, sondern auch innere: Sollte denn alles, was sie gehofft und geglaubt hatten von diesem Jesus, vergeblich gewesen sein? Natürlich hatten sie Angst, seine Rede, dass alles gut werde, sei nur eine Farce. Natürlich hatten sie Furcht, dass seine Botschaft eines friedlichen Gottesreiches bloß ein Trugbild sei. Natürlich waren sie beunruhigt, seine Verheißung vom Leben nach dem Tod sei eine Lüge. Hatten Sie denn nichts verstanden? Hatten sie alles falsch gemacht? War ihr Lebensentwurf schlicht gescheitert?

Äußere wie innere Bedrohungen, Angst vor Verfolgungen und innere Zweifel gehören bis heute zum menschlichen Lebensschicksal dazu. Erst vor gut 14 Tagen hat der tragische Flug der Germanwings-Maschine unschuldigen Menschen den Tod gebracht und die Angehörigen und Hinterbliebenen in tiefe Zweifel gestürzt: Warum das alles? Die kriegerischen Auseinandersetzungen, ob etwa im Jemen, in Syrien, dem Irak, in Nigeria oder an anderen Stellen der Welt bedrohen täglich unschuldige Menschen – oftmals perverser Weise mit dem Anspruch, es geschehe im Namen Gottes.

„Habt keine Angst!“ „Fürchtet euch nicht!“ „Friede sei mit euch!“

Zugegeben: Dieser Zuspruch der Osterbotschaft mag zynisch klingen, wenn man sich die Geschichte der Menschen bis in die Gegenwart anschaut und ihre äußeren und inneren Bedrohungen durch Krieg und Zweifel vergegenwärtigt. Aber was wäre denn die Alternative zu solch einem Zuspruch, der Trost, der Hoffnung spenden will? Das Erstarren in der Angst? Die Ohnmacht der Furcht? Das Verharren im Unfrieden?

Heute genau vor 70 Jahren wurde der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer von den Nationalsozialisten hingerichtet. Bonhoeffer ist für mich ein Beispiel dafür, aus solch einem Zuspruch zu leben. Immerhin tritt er öffentlich gegen den Nationalsozialismus auf und betätigt sich im Widerstand, was schließlich zu seiner Verhaftung und Verurteilung führt. Seine persönliche Überzeugung beschreibt er einmal so:

„Ich glaube, daß Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, daß Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müßte alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.“

„Habt keine Angst!“ „Fürchtet euch nicht!“ „Friede sei mit euch!“ Das ist der österliche Zuspruch, der Hoffnung geben will – oder, um es noch einmal mit den Worten Bonhoeffers zu sagen, die er wenige Wochen vor seiner Hinrichtung schrieb: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Pater Philipp Reichling, Duisburg

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Philipp Reichling

*Dietrich Bonhoeffer Werke, Band 8, Gütersloh, S. 30f.

Dietrich Bonhoeffer, zitiert nach: Gotteslob. Katholisches Gebet- und Gesangbuch, hrsg. Von den (Erz-)Bischöfen Deutschlands und Österreichs und dem Bischof von Bozen-Brixen, Stuttgart 2013, S.489.

Copyright Vorschaubild: mikelao26 CCBY 2.0 flickr

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