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Choralandacht | 13.10. 2018 | 07:50 Uhr

Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen (eg 266)

Musik: Choral (Orgel)

„Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen“ - ein Abendlied. Es stammt im Original aus England: „The day thou gavest, Lord, is ended.“ Und wir hören dieses Abendlied heute Morgen mit der ursprünglichen Melodie, die ein Geistlicher namens Clement Scholefield schuf, der überwiegend in London Dienst tat, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Ein Abendlied. Doch zugleich wird es für andere zum Morgenlied. Denn es kommen Menschen in den Blick an anderen Orten dieser Welt, für die der Tag beginnt, wenn er für uns endet. Die Sonne, die bei uns untergeht, geht zugleich an einem anderen Ort auf und weckt den neuen Tag.

Musik: Choral (4. Strophe)

Sprecherin (overvoice)

Die Sonne, die uns sinkt, bringt drüben den Menschen überm Meer das Licht: und immer wird ein Mund sich üben, der Dank für deine Taten spricht.

Wenn ich das Lied singe, denke ich oft an Freunde, die ich in Indonesien habe. Wenn ich zu Bett gehe, dann beginnt für sie bald der neue Tag. Und ich stelle mir vor, wie bei Ihnen am Morgen die Sonne hinter den Bergen hervorkommt und das Leben in ihrem Dorf erwacht.

Musik : Choral (Orgel)

Der Dichter des Liedes, John F. Ellerton - ebenfalls ein englischer Geistlicher - hat sich vom Lauf der Sonne zu seinem Lied inspirieren lassen. Mit der Sonne, die auf- und untergeht, mit den Menschen, die aufwachen und die schlafen gehen, geschieht noch etwas anderes. Denn viele Menschen beginnen ihren Tag mit einem Morgengebet und schließen ihren Tag mit einem Abendgebet.

So setzt Ellerton die Bahn der Sonne in Beziehung mit dem ununterbrochenen Gebet von Menschen. Die einen danken Gott für einen zu Ende gehenden Tag und legen ihn in Gottes Hand zurück. Die anderen beginnen ihren Tag mit einem Dank, mit einem Loblied:

Musik: Choral (3. Strophe)

Sprecherin (overvoice)

Denn unermüdlich, wie der Schimmer des Morgens um die Erde geht, ist immer ein Gebet und immer ein Loblied wach, das vor dir steht.

Ich empfinde das als einen sehr schönen Gedanken und als ein sehr schönes Bild: Zu jeder Zeit, in jeder Minute sind Menschen wach irgendwo auf dieser Erde, singen und beten zu Gott. Ununterbrochen steigen so Gebete aus den verschiedenen Völkern und Ländern dieser Erde zu Gott auf. So entsteht eine Kette des Gebetes, die die ganze Erde umspannt. Und ich bin mit meinen Gebeten und Liedern Teil dieser erdumspannenden Kette. So kann ich mich erdenweit mit vielen Menschen verbunden wissen. Das ist ein ganz anderer Blick auf diese Welt, als der, den wir heute so häufig erleben. Da werden nur die eigenen Interessen in den Vordergrund gestellt, der eigene Vorteil gesucht. „America first“. Oder unser Blick auf die Menschen, die in dieser Welt ihre Heimat verloren haben, auf der Flucht sind: Da scheint es doch oft nur noch darum zu gehen, sich die Not der anderen möglichst vom Halse zu halten, anstatt sie zu sehen und sich ihrer anzunehmen. Der Glaube an Gott führt uns zusammen in eine große, die Erde umspannende Gemeinschaft. Unser Singen und Beten ist Ausdruck dafür, dass wir Christen so etwas wie eine Familie sind - Gottes weltweite Familie. Und davon muss etwas ausstrahlen auf diese Welt in unserem Reden und Handeln.

Musik: Choral (1. Strophe)

Sprecherin (overvoice)

Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen und wird vom Dunkel überweht. Am Morgen hast du Lob empfangen, zu dir steigt unser Nachtgebet.

Ellerton hat dieses Lied 1870 gedichtet. Es war die Zeit britischer Weltherrschaft. Das britische Empire herrschte über ein Weltreich, in dem in der Tat immer irgendwo Tag war. 1897 wurde dieses Abendlied auf ausdrücklichen Wunsch von Königin Victoria im ganzen Herrschaftsgebiet zur Feier ihres 60-jährigen Thronjubiläums angestimmt. So erklang es in tausenden Kirchen weltweit. Das britische Empire mit diesem Lied zu feiern, wirkt auf mich heute eher befremdlich.

Wie gut, dass Ellerton mit der letzten Strophe seines Liedes die Vorläufigkeit solcher Weltreiche zur Sprache bringt. Die Reiche dieser Welt sind begrenzt. Gott aber bleibt ewig. Und eines Tages wird es für alle Welt offensichtlich werden.

Musik: Choral (5. Strophe)

Sprecherin (overvoice)

So sei es, Herr: die Reiche fallen, dein Thron allein wird nicht zerstört, dein Reich besteht und wächst, bis allen dein großer, neuer Tag gehört.

Das Lied von Ellerton hat übrigens seinen festen Platz an einem besonderen Tag im März. Seit 90 Jahren laden Frauen ein zum Weltgebetstag. Jedes Jahr wird dieser Gottesdienst von Frauen aus einem anderen Land vorbereitet und dann in über 170 Ländern gefeiert. So verschieden die Gottesdienste sind, eines ist dabei immer gleich: Seit 1937 gehört das Abendlied von Ellerton fest zu diesem Gottesdienst dazu.

Die Erfahrung weltweit miteinander durch Gebet und Glauben verbunden zu sein, verdichtet sich in der Feier des Weltgebetstags. So wurden wir in diesem Jahr auf die Situation der Frauen in Surinam aufmerksam gemacht. Der Raubbau an der Natur in diesem kleinen südamerikanischen Land auf der Suche nach Rohstoffen gefährdet auch mehr und mehr das soziale Miteinander in dem Land. Mädchen und Frauen sind zunehmender Gewalt ausgesetzt. Sie erfuhren am Weltgebetstag die Solidarität von Frauen und Männern weltweit - im Gebet und im Engagement für diese Frauen, das aus dem Gebet entsteht.

Musik: Choral (2. Strophe)

Sprecherin (overvoice)

Die Erde rollt dem Tag entgegen; wir ruhen aus in dieser Nacht und danken dir, wenn wir uns legen, dass deine Kirche immer wacht.

Es scheint, Ellerton findet in diesem Gedanken selbst zur Ruhe. Er weiß sich als Teil dieses erdenumspannenden Gebetes aufgehoben und geborgen.

Dass die Kirche immer wacht, wie es Ellerton gedichtet hat, dass also immer Menschen wach sind zum Gebet und zum Lob, erinnert daran, dass da noch jemand ist, der wacht: Gott selbst. Der 121. Psalm bringt das sehr schön zum Ausdruck: „Der dich behütet, schläft nicht. Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.“ Das ist gut zu wissen, am Ende eines Tages und Beginn eines neuen Tages. Da ist jemand, der wacht, der seine Welt und seine Menschen nicht aus den Augen lässt.

Solange Gott uns Zeit schenkt, ist er da. Er hört unsere Morgengebete und unsere Abendlieder. Und in seiner Gegenwart sind wir geborgen - weltweit als seine Kinder.

Musik : Choral (Orgel)

Musikinformationen:

Musik 1

CD-Name: Der Mond ist aufgegangen

Titel: Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen

Track: 3

Interpret: Albert Behrends, Orgel

Komponist: Clement Cotterill Scholefield

Texter: Gerhard Valentin

Verlag: Hansisches Druck- und Verlagshaus GmbH Hamburg

LC-Nr.: 16005

Label: Edition Chrismon

Musik 2

CD-Name: Der Mond ist aufgegangen

Titel: Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen

Track: 4

Interpret: Wilhelmshavener Vokalensemble

Leitung: Ralf Popken

Komponist: Clement Cotterill Scholefield

Texter: Gerhard Valentin

Verlag: Hansisches Druck- und Verlagshaus GmbH Hamburg

LC-Nr.: 16005

Label: Edition Chrismon

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