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Kirche in WDR 2 | 15.10. 2018 | 05:55 Uhr

Am Montag: Sonntags ist es still bei Ford

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist, ist das Wochenende leider schon wieder rum. Tja.

Manchmal habe ich sonntags frei. Kein Gottesdienst, keine Termine, keine Verpflichtung, nirgends. Dann schwinge ich mich hier in Köln aufs Fahrrad. Es geht runter zum Rhein, dann am Rhein entlang, immer weiter nach Norden, bis der Radweg auf einmal aufhört. Vor einem der vielen großen Werkstore von Ford. Dort muss ich dann links abbiegen und nach kurzer Zeit wieder rechts – und dann geht es mitten durch das Gelände dieser unfassbar riesigen Autofabrik. Mitten hindurch, mitten zwischen Gebäuden und Parkhäusern, Fabriken und Gebäuden und Lagern und Werkstätten führt nämlich eine vierspurige Straße, zwei Radwege auf beiden Seiten und die Straßenbahn mittendrin. Die Fordwerke sind so groß, die haben sogar drei eigene Straßenbahnhaltestellen: Fordwerke Süd, Fordwerke Mitte und Fordwerke Nord.

Was muss hier die Woche hindurch für ein Betrieb herrschen, stelle ich mir vor. Autos und Lastwagen und noch mehr Autos und noch mehr Lastwagen und Arbeiterinnen und Arbeiter – ein riesiges Gewimmel und Gebrumme und Gehupe.

Aber am Sonntag ist es still. Kein Autoverkehr, nirgends. Als Fahrradfahrer kannst du dir am Sonntag die Fahrspur aussuchen. Du kannst mal links fahren oder mal rechts oder mal auf dem Radweg. Du kannst sogar bei Rot über die Ampel fahren. Ist ja niemand da. Und manchmal halte ich an, wenn die Sonne scheint. Und lausche. Der Stille hinterher. Die sich in diesem riesigen Fabrikgewimmel ausbreitet. Es ist muxmäuschenstill. Faszinierend. Unglaublich.

Das musst du mal erleben.

Was mögen all die Menschen, die hier arbeiten währenddessen machen? Wahrscheinlich streiten und lieben sie sich. Sie kochen und essen, spielen mit den Kindern, gehen ins Schwimmbad, gucken Fußball. Machen normale Sachen.

Wochenendsachen.

Ein Theologe hat mal gesagt: Die kürzeste Definition von Religion ist Unterbrechung. Also der Zwischenraum zwischen zwei Sachen. Die Unterbrechung der Arbeit. Die Unterbrechung der Routine. Die Unterbrechung des Lärms. Die Unterbrechung des Gewimmels und Gebrummes und Gehupes. Die Unterbrechung der Woche.

Und wenn du an der Straßenbahnhaltestelle Fordwerke Nord stehst und in die Stille lauscht, dann ahnst du, dass kein Mensch ohne diese Unterbrechung leben kann. Wenigstens: dass die Unterbrechungen das Leben lebenswert und liebenswert machen. Dass Unterbrechungen deiner und meiner Seele einfach gut tun. Und nicht nur deiner und meiner Seele: einer ganzen Stadt. Einem ganzen Land. Dass es einer ganzen Stadt und einem ganzen Land gut tut, wenn die Stadt und das Land mal stillsteht. Unterbricht.

Und gerade leckt mich mein Hund wieder mal am großen Zeh, weil er raus will. Zeit für eine Unterbrechung. Am Montag.?

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