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Kirche in WDR 5 | 18.10. 2018 | 06:55 Uhr

Einen Namen im Himmel

Guten Morgen!

Einer der wichtigsten Orte in Jerusalem gerade für uns Deutsche ist die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, Ort des Gedächtnisses, der die Erinnerung wachhält an den Mord an 6 Millionen Juden.

Dabei beginnt der Museumsrundgang fast heiter-melancholisch. Filmaufnahmen aus den 20er Jahren zeigen Kinder, die den Besuchergruppen freundlich entgegen winken, unterlegt mit fröhlichem Kindergesang: haTikwa. – Das ist das Lied von der Hoffnung, heimkehren zu dürfen in das Land der Väter; es wurde später zur israelischen Nationalhymne. Wehmütiges Erinnern an ein unbekümmertes jüdisches Leben; doch keines der Kinder, die da so unbeschwert heiter in die Kamera blicken, hat das Grauen der Folgejahre überlebt.

In den Windungen der Ausstellung wird in rascher Folge der Aufstieg der Hitlerdiktatur gezeigt, die unheimlichen NSDAP-Aufmärsche, die zunehmende Progromstimmung in Hitlerdeutschland bis hin zur systematischen – ja man wagt es kaum zu sagen: industriellen Vernichtung der Juden. Ein Name steht für das unvorstellbare Grauen jener Zeit: Auschwitz.

Yad Vashem, wörtlich übersetzt "Hand und Name", möchte den Namen eines jeden Ermordeten bewahren – im Gedenken an die Verheißung Gottes durch den Propheten Jesaja: "Einen ewigen Namen gebe ich ihnen, der niemals getilgt wird" (Jes 56,5). Jeder Mensch hat vor Gott einen Namen, den niemand auslöschen kann, auch die namenlos in den Massengräbern Verscharrten. "Fürchte dich nicht", so spricht Gott durch Jesaja, "denn ich ... habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir." (Jes 43,1).

Das ist für mich die große Überschrift, der Cantus Firmus, wenn ich bei Besuchen in Jerusalem mit Gruppen durch diese Ausstellung des Schreckens gehe. Keiner der Menschen, denen in der Geschichte unsägliches Leid zugefügt wurde, denen ihre Würde genommen und die wie Vieh abgeschlachtet worden sind, ist bei Gott je vergessen. Und es ist ein Wunder, dass Menschen selbst unter den unmenschlichsten Bedingungen nicht aufgehört haben, an eben diesen Gott zu glauben.

Eindrucksvoll kann man diesen Glauben nachvollziehen, wenn man liest, was an der Wand eines Kellers stand, in dem sich während des Krieges Juden versteckt haben: "Ich glaube an die Sonne, auch wenn sie nicht scheint. Ich glaube an die Liebe, auch wenn ich sie nicht fühle. Ich glaube an Gott, auch wenn er schweigt." Was für ein Glaube!

Der vielleicht bewegendste Moment erwartet den Besucher am Ende des Rundgangs in Yad Vashem: ein unterirdischer Raum, in dem fünf Kerzen in der Dunkelheit brennen. Sie werden von verdeckt angebrachten Spiegeln so reflektiert, dass daraus ein ganzes Meer von Lichtern entsteht. Auf Band werden die Namen, das Alter und der Geburtsort der eineinhalb Millionen ermordeten Kinder in das Dunkel hineingesprochen. Jeder Name hat vor Gott ein Gesicht, bei ihm ist keines je vergessen. Und über den laut vorgetragenen Namen eines jeden Kindes leuchtet ein imaginärer Sternenhimmel. Mir kommen da unwillkürlich jene Worte aus dem Buch der Weisheit in den Sinn (Weish 3,1.7):

"Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand

und keine Qual kann sie berühren.

Beim Endgericht werden sie aufleuchten

wie Funken, die durch ein Stoppelfeld sprühen."

Ich bin Peter Klasvogt aus der Kommende Dortmund.

Kommen Sie gut durch den heutigen Tag!

*Zitiert nach: http://www.judentum-projekt.de/geschichte/nsverfolgung/deportation/ghetto.html; abgerufen am 21.08.2018.

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