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Kirche in WDR 3 | 06.11. 2018 | 07:50 Uhr

Loslassen

Autor: Guten Morgen! Für viele ist der November ein Monat zum Abschied nehmen. Die kräftigen Farben von Sommer und Herbst hinter sich lassen, das Grau aushalten, Vertrauen haben, dass das Leben wiederkommt.

Einer, der sich mit dem Abschiednehmen auskennt, ist Dr. Hans-Georg Troschke. Er ist ärztlicher Leiter der Palliativstation im städtischen Krankenhaus Heinsberg. Hierher kommen Menschen, die schwerstkrank sind und aufs Sterben zugehen. In so einer Lage muss sich ein Arzt darüber klar werden:

O-Ton: Bin ich dann in der Lage, diese Situation so zu akzeptieren und in dieser Situation so zu handeln, dass ich dann auch noch für den Patienten da bin, wenn ich ihm sagen muss, ich kann dich nicht mehr heilen?

Autor: So fragt der Palliativmediziner, der früher als Notarzt und auf der Intensivstation tätig war. Heute begleitet er Menschen auf der letzten Wegstrecke des Lebens. Da braucht es ein enges Vertrauensverhältnis zu den Patienten. Sie haben den Abschied vom Leben vor sich. Jetzt kommt es darauf an, zuzuhören, Schmerzen zu lindern, zu begleiten, vielleicht noch etwas zu tun, um die Lebensqualität zu erhalten.

O-Ton: Manche Menschen haben, so fühlen wir das, oder meinen es zu fühlen, manchmal noch ein Geheimnis, eine unerledigte Sache. Und die sie letztlich daran hindert, zu gehen - oder in Frieden zu gehen, in Ruhe zu gehen.

Autor: So beschreibt es Hans-Georg Troschke. Dann werden Gespräche oft wichtiger als die rein medizinische Behandlung.

O-Ton: Wenn ein Patient zu einem von uns Vertrauen gefasst hat, dann gibt es immer einen Ansprechpartner, vielleicht nicht das ganze Team, und diese eine Person ist dann wichtig für die gesamte Begleitung bis hin zum Tode.

Autor: Kann man sich vorstellen. Manchmal muss auch der Arzt loslassen. Dann ist alles Medizinische versucht, alles Menschliche getan, und die Beteiligten können das, was folgt, nur noch in Gottes Hand legen.

O-Ton: Auch dafür sehen wir immer wieder Beispiele, dass wir Situationen nicht so begreifen, nicht so erfassen oder die Ursachen für Lösungen letztlich nicht kennen und am Ende sagen müssen: Ja, es ist trotzdem alles gut geworden.

Autor: Spielt denn der Glaube am Ende des Lebens eine besondere Rolle? Also nicht nur so ein Grundvertrauen ins Leben, sondern der ausdrückliche Glaube an Gott?

O-Ton: Für viele ist es wichtig, dass sie geistlichen Beistand haben, das heißt wir müssen für diese Bedürfnisse der Patienten auch offen sein. Und ob jemand religiös ist oder nicht, wenn er das Bedürfnis hat, über seinen Glauben, über Gott zu sprechen, dann werden wir jemanden haben, der darüber sprechen kann.

Autor: Hans-Georg Troschke hat viele auf der letzten Wegstrecke ihres Lebens begleitet. Es scheint da etwas zwischen Himmel und Erde zu geben, das schwer zu beschreiben ist.

O-Ton: Man kann tatsächlich Dinge beobachten, wo man den Eindruck hat, der Mensch, die Seele, der Geist wandert zwischen den Welten hin und her. Und egal ob das eine Katholikin ist, ein Protestant ist, ein Moslem ist oder ein Agnostiker, am Ende des Weges scheint es für alle sehr ähnlich zu sein.

Autor: Dann heißt es loslassen, Vertrauen haben, glauben.

Es verabschiedet sich Titus Reinmuth, Rundfunkpfarrer aus Wassenberg.

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