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Kirche in WDR 3 | 01.04.2021 | 07:50 Uhr

Abendmahlsaal

Guten Morgen!

In Jerusalem, südlich der Altstadt auf dem Zionsberg liegt die Dormitio-Abtei. Deutschsprachige Benediktiner leben und arbeiten hier seit über hundert Jahren. Ende des 19. Jahrhunderts wollte der Verein eigentlich ein anderes Gebäude auf dem Zion erwerben – den sogenannten Abendmahlssaal. Dort hat Jesus der Überlieferung zufolge am Abend vor seinem Tod mit seinen Jüngern Mahl gehalten – daran erinnern Christen am heutigen Gründonnerstag.

Dieser Abendmahlssaal, das „Obergemach“, wie die Bibel sagt, hat eine bewegte Geschichte. Im Erdgeschoss verehren Juden seit dem Mittelalter das Grab des König David. Der Raum, in dem der „Kenotaph“, also das Grabdenkmal, steht, entstand vielleicht schon in römischer Zeit. Der kleine Saal darüber stammt aus der Kreuzfahrerzeit. Man sieht das daran, dass zwei große Säulen frühgotische Gewölbe tragen. Und weil auch die Muslime David als Propheten verehren, wurde später an der Südseite noch eine Gebetsnische angebracht. Und außen verrät ein Minarett, dass der Bau lange als Moschee benutzt wurde.

Heute ist der Raum offen für Besucher jedweder Religion oder Konfession. Allerdings darf dort nur an ganz wenigen Tagen im Jahr hier ein christlicher Gottesdienst gefeiert werden. Einer davon ist heute. Ein anderer Tag ist der Donnerstag in der Gebetswoche für die Einheit der Christen. Und das hat einen inhaltlichen Grund:  – hat doch Jesus beim Abendmahl die Jünger in seinen Abschiedsreden ermahnt (Joh 17,21): „Alle sollen eins sein!“

Heute erinnern nur zwei mittelalterliche Bildwerke in dem Raum an das „letzte Abendmahl“ und die kann man leicht übersehen: Ein Schlussstein im Gewölbe, der ein Lamm zeigt und ein kleines Kapitell, das einen Pelikan mit zwei Jungen darstellt. Das Lamm erinnert an das blutige Schlachtopfer am jüdischen Osterfest. Und vom Pelikan glaubte man, dass er in Zeiten großer Not seine Brust aufhacke, um die Jungvögel mit seinem eigenen Fleisch und Blut vor dem Verhungern zu bewahren.

Beide Geschichten von blutigen Opfern und beide Symbole verstören heutzutage viele aufgeklärte Besucher in dem Abendmahlssaal.

Kürzlich fragte mich noch ein alter Bekannter, ob das denn überhaupt denkbar sei, dass Jesus hier im Blick auf Brot und Wein gesagt habe: Das ist mein Leib, das ist mein Blut. Dass er die Jünger, allesamt Juden, aufgefordert habe, sein Blut zu trinken – wo doch Blut für Juden unrein sei und sein Genuss verboten. Und um seinen kritischen Einwand zu untermauern, zitierte er noch Schalom Ben-Chorin, den Religionswissenschaftler und großen Brückenbauer für viele Deutsche in Richtung Judentum. Der habe in einem Vortrag geäußert: So etwas sei unmöglich.

Mich hat das nicht ruhen lassen. Daher habe ich selbst noch einmal geschaut, was Jesus den verschiedenen Evangelien zufolge sagt. (vgl. Lk 22,20):

Sprecherin:

„Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.“

Es geht um den neuen, erneuerten Bund Gottes mit den Menschen durch Jesus und seinen Tod – und zu diesem gehört in biblischer Vorstellung Blut. Blut, das jetzt nicht mehr von Tieren im Tempel, sondern von Jesus am Kreuz vergossen wird. Die Jünger und Jesus selbst trinken Wein an diesem Abend – Wein, der an das Blut erinnert, das den erneuerten Bund besiegelt. Und immer dann, wenn seine Jünger und Jüngerinnen zu seinem Gedächtnis das gleiche tun, dann wird er selbst gegenwärtig in Brot und Wein, gibt gleichsam physisch Anteil an sich selbst, an seinem „Fleisch und Blut“.

Und auch wenn wir nicht verstehen, auf welche Weise es geschieht, dass Jesus in Wein und Brot gegenwärtig ist – für mich zeigt sich hier eines: Menschen sind trotz all ihres Versagens hineingenommen in den Bund Gottes mit Israel. Das zeigt auf wunderbare Weise auch das Regenbogenkreuz, das Symbol der benachbarten Dormitio-Abtei: Die vier Balken dieses Kreuzes haben je drei Enden und erinnern so an die 12 Stämme Israels. Und darüber wölbt sich ein Bogen, der an den Bund mit Noach und all seinen Nachkommen erinnert.

Und für diese Bundestreue Gottes bin ich dankbar – nicht nur heute am Gründonnerstag, dem Tag des Abendmahls.

Aus dem Heiligen Land grüßt Sie Georg Röwekamp.

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