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Kirche in WDR 3 | 23.08.2021 | 07:50 Uhr

Afghanistan

Ja, es ist eine Katastrophe – was in Afghanistan passiert oder besser nicht passiert ist.

Natürlich kann man darüber streiten, warum „man“ die Taliban unterschätzt hat.

„Man“ das sind die Deutschen und ihre Verbündeten. Doch das Streiten hat Zeit.

Das Gebot der Stunde ist, Menschen(leben) zu retten. So viele wie möglich. Die Ortskräfte, die Journalisten, die kritisch berichtet haben, die Frauen, die für ihre Rechte gekämpft haben. Und die Kinder, die ihre Eltern verloren haben und umherirren. 

 

„Was ihr einem meiner geringsten Brüder, einer meiner geringsten Schwestern angetan habt, das habt ihr mir angetan“, sagt Jesus (Die Bibel, Matthäus 25,40). Ich bin geflohen und Ihr wolltet mich nicht in euer Land lassen. Habt gezeigt, wie gründlich deutsche Bürokratie sein kann, habt Euch verwickelt in Diskussionen über 2015. Als Millionen Syrer vor dem Krieg geflohen sind – auch nach Deutschland. Doch 2015 darf sich nicht wiederholen, meint Ihr, denn es ist ja Wahlkampf. Da will man die Flüchtlinge weitestgehend raushalten aus Deutschland. Fliehen dürfen sie, aber bitte nur nach Pakistan, Usbekistan und allenfalls noch in die Türkei. Da will man sie versorgen. Das Zauberwort ist UNHCR. Die internationale Flüchtlingshilfe. Immerhin soll der UNHCR diesmal mehr Geld bekommen als 2015. Damit die Menschen in den Lagern nicht wieder hungern müssen.

 

Kennen Sie eigentlich Menschen aus Afghanistan? Ich kenne keinen einzigen Afghanen – weder Mann noch Frau. Ich kenne Rumänen, Albaner, Griechen, Italiener, Russen, Polen, Afrikaner, Syrer – Männer und Frauen und Kinder. Entzückende Kinder. Sie färben mir die Haare, können sehr gut kochen, sind Freunde, Freundinnen, singen bei Gottesdiensten, operieren mich, lachen mit mir, erzählen von zu Hause, lassen mich so um den Globus reisen und staunen. Manchmal denke ich, was ich von ihnen alles noch lernen kann. Diese Hilfsbereitschaft, diese Freundlichkeit, dieser Familiensinn. Manchmal denke ich, einige würden mir wirklich helfen, wenn ich in Not bin. Und ich?

 

Ich will, dass sie kommen, die Menschen aus Afghanistan, dass wir die Grenzen für die Gegner der Taliban öffnen, damit sie nicht erschossen werden, ihre menschlichen Überreste an Flugzeugen kleben, sie in Lagern vor sich hin vegetieren. Ein afghanischer Mann aus Berlin sagt im Fernsehen: „Wir sind doch auch Menschen“. Dann steigen ihm die Tränen in die Augen und rollen in seinen dunklen Bart. Er wendet sich ab – die Tränen sind ihm peinlich. Ein anderer sagt: „Wir wollen doch nur wie Menschen leben (dürfen)“. Mein Gott: Ein Mensch sagt, er will wie ein Mensch leben! Und Jesus sagt: Ich bin der Afghane. Was Ihr ihm antut, tut Ihr mir an. Egal ob Mann, Frau oder Kind.

 

Ein Kollege sagt: Was sollen wir jetzt sagen im Radio? Wir können doch nicht immer nur beten. Stimmt. Beten und helfen.

 

Yes we can. Wir können helfen. 2015 – unvergessliche Bilder. Diese Willkommenskultur! Menschen helfen Menschen in der Not. Yes we can. Auch 2021.

 

Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius, Wuppertal.

 

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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