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Kirche in WDR 3 | 12.06.2019 | 07:50 Uhr

Alarmstufe

 

Da gingen wir, mein Mann und ich, neulich auf der Durchreise in ein Schnellrestaurant, und kapierten bald, da war irgendwas anders. Eine Runde von acht ansonsten unauffälligen Leuten saßen drei Tische weiter und redeten miteinander. Und redeten etwas lauter miteinander und drängten uns und den anderen Tischen ihren Gesprächsstoff unwillkürlich auf. Weghören ging nicht. Und leider mussten wir feststellen: Da wurden in aller Öffentlichkeit Hassreden geführt. Wir erschauderten richtig. Und ich erinnere mich, dass ich mich hilfesuchend umsah, sehen wollte, wie andere darauf reagieren, die zwischen uns und diesem einen Tisch saßen und das auch mitbekommen mussten. Tatsächlich fand ich schnell Blickkontakt, und, ohne dass ein Wort gesprochen wurde, sah ich ähnliches Erschrecken am Nebentisch. Man könnte sagen, wir steckten wortlos, nur mit Blicken, sowas wie sicheres Terrain ab.

Aber wie mischt man sich in Sätze, drei Tische weiter? Die wissen, wer woran im Land Schuld hat und vor dem Verschwinden aller Urdeutschen warnen. Wie setzt man das richtige Zeichen? Sagt man was, auch wenn niemand direkt angegriffen wird, zu dem man sich stellen oder für den man Partei ergreifen würde? Setzt man sich mit entwaffnendem Lächeln dazu und sagt: „Dass meinen Sie doch nicht ernst?“ Ruft man die Polizei: „Hier sitzt am helllichten Tag allgemeingefährliche, verfassungsfeindliche Brut?“

Wir schlossen immerhin nonverbal mit anderen unbekannten Menschen einen Kreis. Das war irgendwie auch ein aktives Tun. Und wir atmeten hörbar aus, als die so schrecklich normal aussehenden Hassredner*innen das Lokal verließen.

Wir waren nicht allein. Aber wir blieben stumm.

Heute ist der 90. Geburtstag von Anne Frank. Sie ist eine von so viel zu vielen, die diesen Festtag nicht mehr erleben dürfen. Eine von so viel zu vielen, die wegen des Hasses anderer ihr Leben lassen mussten, die von Menschen mit menschenverachtender Ideologie vernichtet wurden. An dem Gedenktag Anne Franks, der ein froher Feiertag einer alten Dame im Kreise ihrer Lieben sein sollte, geht mir die Begegnung im Schnellrestaurant wieder durch den Sinn. Und ich frage mich, was ich tun kann. Die Europawahlen haben es gerade nochmal gezeigt: Auch wenn das Wahlergebnis in Deutschland weniger nationalistisch ausfiel als befürchtet: In einigen Teilen unseres Landes und in einigen Ländern Europas ist das Abschneiden populistischer und nationalistischer Parteien erschreckend.
Was kann ich tun?
Auf jeden Fall: nicht verstummen. Sich verbünden. Für Vielfalt, Toleranz, Demokratie, ach, einfach für Liebe einstehn.

Vergessen Sie nicht Ihre Zivilcourage. Und vergessen Sie nicht Anne Frank, das wünscht, an ihrem 90sten, Susanne Moll aus Aachen.


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