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Kirche in WDR 3 | 15.06.2019 | 07:50 Uhr

Alle Wege

 

Führen eigentlich wirklich alle Wege nach Rom? Spätestens Ende Mai wurde das ja geografisch widerlegt. Da wollte ein 81-Jähriger Italiener von seiner Wahlheimat Newcastle in England zurück nach Rom fahren. Hat Rom als Ziel ins Navi eingegeben und hat sich nach einer langen Fahrt dann die Augen gerieben, dass zwar Rom auf dem Ortsschild stand, aber dass das alles so gar nicht römisch aussah um ihn herum. Das Navi hatte ihn nämlich ins kleine Dorf „Rom“ im Oberbergischen geschickt. Gut, so kann man sich täuschen. Beziehungsweise: das Navi ist kein Freifahrtschein, das Hirn auszuschalten, wenn man sich auf den Weg macht.

Trotzdem mag ich diese Redewendung. Alle Wege führen nach Rom – der Satz hat sich durch die Jahrhunderte durchgetragen und geht bekanntlich auf die Zeit des römischen Reiches zurück, als noch die Cäsaren über Europa geherrscht haben und damit über ein verblüffend gutes Straßennetz. Und da führten damals tatsächlich zumindest alle großen Straßen irgendwann nach Rom. Im Mittelalter, als das Straßennetz schon längst kollabiert war, wurde das Sprichwort philosophisch gedeutet, bzw. theologisch: Man kann es denken oder sagen wie man will – am Ende führt alles nach Rom, also ins Zentrum des katholischen Denkens.

Ich wohne nicht in Rom, aber in Bonn und pendele beruflich oft in meine Bistumsstadt Aachen. Drei Bahnstrecken und vier Autobahnvarianten stehen mir zur Verfügung. Die brauchen unterschiedlich lang, klar, aber je nach Anlass und was auf den anderen Strecken so los ist, bin ich froh, dass es so viele verschiedene Wege gibt, an mein Ziel zu kommen.

Wenn mal wieder die linksrheinische Bahnstrecke blockiert ist, funktioniert rechtsrheinisch was. Das ist kein Spaß, umgeleitet zu werden, es braucht mehr Zeit, um anzukommen, aber es gibt einen Weg.

Nicht viel anders ist die Autobahnsituation: An Köln zur Zeit des Berufsverkehrs vorbeizukommen ist ebenfalls kein Vergnügen. Aber wenn man sich beizeiten von der Strecke verabschiedet, auf der der große Stau ist, hat man im Ballungsraum eine Chance,  dass die Räder rollen.

Und da war vor vielen Jahren auch mal eine Woche, in der wir zu zweit von Aachen nach Bonn gewandert sind, durch Orte, Wälder, über Felder und Hügel, um einmal die bekannte Pendelstrecke noch anders zu erfahren: Es gibt einen Weg.

Wenn ich derzeit mal wieder auf einem anderen Gleis oder einer anderen Autobahnstrecke als geplant unterwegs bin, denke ich schon mal:

Wie gut, dass es so viele Wege von dem Ort, an dem ich bin, zum Ziel gibt. Oder eben Wege nach Rom, im übertragenen Sinn.

Und in meiner Kirche, deren Zentrum in Rom sitzt? Sieht da nicht manches nach Sackgassen und einer einzigen großen Einbahnstraße aus? Viele mögen den Eindruck haben. Aber ich sehe auch, dass langsam ins Blickfeld gerät, dass viele verschiedene Wege zum Ganzen gehören. Vielfalt in der Einheit eben.
Ich selber leb jedenfalls im Vertrauen, dass der Wege viele sind. Im Leben, wie im Glauben. Auch wenn das manchmal anstrengend erscheint: Warte ich jetzt noch auf den verspäteten RE 9 oder nehm eine andere Verbindung? Das wird schon.
Auf ihren Wegen heute, auf gut eingefahrenen oder auf neuen Gleisen:

Gutes Ankommen, wünscht Ihnen Susanne Moll aus Aachen.


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