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Kirche in WDR 2 | 08.04.2021 | 05:55 Uhr

Als Gott den Menschen schuf

Ich bin Gefängnisseelsorger. Als ich nach einer Unterbrechung wieder in mein Büro komme, liegt dort ein Blatt, dass offensichtlich einer meiner Kollegen dort hingelegt hat.

Ich lese:

„Als Gott den Menschen schuf, war er schon müde – das erklärt manches.“

Find´ ich erstmal ziemlich witzig. Später google ich, wer das denn gesagt hat.

Mark Twain, erklären mir Herr und Frau Google.

Mark Twain. Amerikanischer Schriftsteller des 19jahrhunderts. Der Autor der Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn, fällt mir noch ein, das ist es dann aber auch. Bei Wikipedia ist zu lesen: Mark Twain heißt in Echt gar nicht Mark Twain, sondern Samuel Langhorn Clemens. Vertreter des sogenannten Amerikanischen Realismus. Berühmt für seine Beschreibung der sozialen Verhältnisse und des alltäglichen Rassismus in den Südstaaten.

„Als Gott den Menschen schuf, war er schon müde – das erklärt manches.“

Ich find´s witzig. So von der Sorte: da bleibt einem dann doch das Lachen im Hals stecken.

Die Menschen, die Krone von Gottes Schöpfung: alles andere als vollkommen.

Klar, Menschen sind hilfsbereit, gütig, liebevoll, mutig, selbstlos. Nur – das Gegenteil stimmt natürlich auch: Menschen sind egoistisch, rachsüchtig, voller Wut, ängstlich und auf sich fixiert.

Und? Was ist daran die Nachricht?

Na ja, wenn man das alles mit Gott in Verbindung bringt – was ich als Christ ja tue –

dann kann man allerdings mit Mark Twain sagen: offensichtlich ging dem Schöpfer bei der Erschaffung des Menschen die Puste aus – sonst wäre der Mensch nicht so unvollkommen.

Also, ehrlich gesagt, ich hab keine Ahnung. Wie jetzt was war, oder ist.

Ich glaube: Gott hat Menschen erschaffen, die frei sein sollen. Wählen können.

Sich entscheiden können. Das, was Gott anbietet, ist Leben. Gibt´s meiner Erfahrung nach nicht nach dem Motto: und jetzt immer geradeaus, oder: so und nicht anders. Immer richtig, immer gut. Meine Erfahrung ist: die Sache mit der Freiheit bedeutet immer auch: Fehler machen. Bedeutet: anderen nicht gerecht, also schuldig werden. Menschsein bedeutet: sich so oder so oder ganz anders zu entscheiden. Nicht entscheiden geht nicht. Genauso wenig wie nicht verhalten.

Mein Mark Twain geht so: Als Gott die Menschen schuf, ließ Gott sie frei. Jetzt haben wir den Salat. Aber: „Ich bin bei euch alle Tage, bis an das Ende der Welt.“ Sagt der auferstandene Jesus. Von wegen müde.

Und wenn er auch noch da ist, dann kriegen wir das vielleicht hin mit dem frei sein und dem schuldig werden und dem leben.

 

Redaktion: Landespfarrer Dr. Titus Reinmuth

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