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Hörmal | 13.09.2020 | 07:45 Uhr

Alte und neue Schätze

 

Heute ist der Tag des offenen Denkmals. Und in so einem Denkmal wohne ich. Also genauer gesagt: Die Kirche und der Kreuzgang meines Klosters hier in Duisburg-Hamborn, stehen unter Denkmalschutz. Vor fast 900 Jahren kamen die ersten Patres hierher. Vieles, was die damals gebaut hatten, wurde zerstört, nicht zuletzt im Zweiten Weltkrieg. Aber weil Teile des Kreuzgangs und der Klosterkirche noch erhalten sind und damit zum Ältesten gehört, was Duisburg-Hamborn hat, sind wir ein Denkmal. Heute stehen Land auf und Land ab Denkmäler offen – in Corona-Zeiten etwas anders als sonst. Aber: Der Tag des offenen Denkmals ist Deutschlands größte Kulturveranstaltung. Private und öffentliche Denkmalbesitzer öffnen ihre historischen Bauten und Stätten: Burgen, Wohnhäuser, ehemalige Industrieanlagen, Parks, Kirchen und und und. Wegen der aktuellen Abstandsregeln werden diesmal allerdings viele Denkmäler digital als Fotostrecke, Video oder Audio zugänglich sein. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die alle Aktionen koordiniert, hat dazu eingeladen. Zu finden unter www.tag-des-offenen-denkmals.de. Die digitale Präsentation hat für Sie den Vorteil: Sie müssen nicht so weit reisen.

Wenn Sie aber doch aufbrechen, dann gibt es immer noch eine Reihe von Denkmälern, die man besichtigen kann und wo es viel zu entdecken gibt.

Hier in meiner Klosterkirche zum Beispiel gibt es aus der Gründungszeit noch einen romanischen Taufbrunnen mit zwei figürlichen Gestalten, am äußeren Rand des Brunnens. Es sind dämonische Fratzen – gruselig anzuschauen. Eigentlich waren es einmal insgesamt vier, denn die Zahl vier steht nach mittelalterlichem Denken für die Welt mit ihren vier Himmelsrichtungen oder den vier Elemente: Feuer, Wasser, Luft und Erde. Und weil die Welt als gefährlich und böse galt, sollten die gruseligen Fratzen das Böse der Welt abschrecken. So jedenfalls die sinnbildliche Idee des gesamten Taufbrunnens: Wer auf den Namen Jesu getauft wurde der hatte sich vom Bösen der Welt abgewandt.

Zwei Fratzen am Brunnen wurden irgendwann mal abgeschlagen. Wahrscheinlich hatte man die ursprüngliche Bedeutung nicht mehr verstanden. Auch das ist lebendige Geschichte eines Denkmals: Bedeutungen werden vergessen, verändert oder anders bewertet. Wer weiß, was in hundert Jahren einmal Menschen über das neue Chorgestühl in unserer Klosterkirche sagen werden oder über den modernen Brunnen in unserem Kreuzganginnenhof in Duisburg-Hamborn.

In einem Denkmal zu leben, bedeutet ja auch, dass jede Generation daran irgendwie weiterarbeitet. Und was das konkret bedeutet, können die Besucher am Tag des offenen Denkmals vielleicht erfahren, wenn sie Altes und Neues in einem Denkmal entdecken und sei es nur digital. Solche Entdeckungen haben für mich auch noch eine ganz andere Dimension. Und die hat mit Religion überhaupt zu tun. Religion ist nämlich auch eine Art von lebendigem Umgang mit einem Denkmal. So verstehe ich jedenfalls einen Satz aus dem Neuen Testament, der zu einem meiner Lieblingsverse zählt. Da vergleicht Jesus nämlich einen Schriftgelehrten mit einem Hausherrn und sagt (Mt 13,52): „Jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, gleicht einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt.“ Genau das macht Religion, macht das Christentum ja spannend, wie der Besuch eines Denkmals.

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