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Kirche in WDR 5 | 21.12.2020 | 06:55 Uhr

Anderer Herrscher

Dieses Weihnachten wird anders sein. Und vielleicht hören Sie in diesem Jahr auch die Weihnachtsgeschichte noch mal anders – so jedenfalls geht es mir. Am Anfang dieser Weihnachtsgeschichte nämlich mischt sich die Regierung in das Leben der Leute ein. Und damit geht es darum, wie Macht ausgeübt wird. Dass das in diesem Jahr ein höchst sensibles Thema ist, muss ich wohl nicht extra sagen.

Aber hören wir mal rein, wie es der Evangelist Lukas beschreibt:

„Es geschah aber in jenen Tagen, dass Kaiser Augustus den Befehl erließ, den ganzen Erdkreis in Steuerlisten einzutragen. Diese Aufzeichnung war die erste; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen. So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinaus nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt.“

Einer ruft – und die ganze Welt springt. Naja, vielleicht nicht die ganze Welt. Der Erdkreis, das war halt das römische Reich, das zugegebenermaßen ziemlich groß war, aber eben nur die damals bekannte Welt rund um das Mittelmeer umfasste. Und der damals unumschränkte Herrscher war Augustus. Dafür hatte er selbst gesorgt, nachdem er sich als Caesars Adoptivsohn mit großer Klugheit und diplomatischem Geschick, aber auch grausamer Brutalität und Rücksichtslosigkeit gegenüber allen möglichen und unmöglichen Gegnern bis zur Spitze des römischen Reiches hochgekämpft hatte. Eine steile Karriere, die bis zu seiner Alleinherrschaft über das römische Reich führte – mehr noch: Augustus war für die damalige Religion der Pontifex Maximus, der oberste Priester – kommt Ihnen bekannt vor, der Titel? Den trägt heute der Papst in Rom. Aber zurück zu Kaiser Augustus.

Unter ihm erlebte das römische Reich im Inneren tatsächlich eine für damalige Zeiten außergewöhnliche Friedenszeit, jedoch erkauft durch ausschweifende Eroberungszüge und Unterwerfungen fremder Völker.

Und dieser Mann steht nun am Anfang der Weihnachtsgeschichte. Der Herrscher der damaligen Welt schickt die Eltern Jesu für die Steuerzählung quer durch das Land – und alle anderen auch. Augustus ist ein Herrscher auf dem Gipfel seiner Macht – und dann erwächst ihm in Bethlehem eine Art Gegenspieler. Das ist natürlich ein hohes Wort. Denn zunächst wird Jesus ja in eher unwürdige Umstände hinein geboren. Aber der Evangelist Lukas stellt die Parallele schon deutlich heraus: beide sind irgendwie Adoptivsöhne, beide haben den Anspruch, einen direkten Draht zu Gott zu haben und auch als „Fürst des Friedens“ stehen beide da. Aber dann hört es mit den Gemeinsamkeiten auch schon auf.

Während sich Augustus in den ersten 30 Jahren seines Lebens auf das Herrschen vorbereitete, haben wir keine Ahnung, was Jesus damals tat. Wahrscheinlich arbeitete er im Handwerk seines Vaters. Während Augustus dann im Zentrum der Macht steht und so auch handelt, wandert Jesus durch einen unbedeutenden Landstrich, predigt den einfachen Leuten von der Umkehr zum Reich Gottes. Augustus spielt auf der Klaviatur der Macht – mit Diplomatie, mit Gewalt, mit Gesetzen und Verordnungen –  während Jesus seine Macht zeigt, indem er Menschen überzeugt, inspiriert, begeistert und zur Nachfolge seines Wegs bewegt – ohne Befehl und ohne Zwang.

Am Ende seines Lebens wird Jesus wieder einem Römer gegenüber stehen, der ihn fragen wird: „Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich freizulassen, und Macht, dich zu kreuzigen?“ Und er wird darauf antworten: „Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben worden wäre.“

Ich denke, dass der Evangelist Lukas in der Weihnachtsgeschichte das Thema Macht und die Mächtigen schon in dem Befehl durch Augustus anlegt. dass macht er aus einem Grund. Er will zeigen, dass Jesus der ist, der eben nicht herrscht, der nicht befiehlt und nicht mit Gewalt durchsetzt, der unschuldig am Kreuz stirbt, der sich nicht wehrt, der andere über ihn lügen lässt, der andere nicht aufhält, wenn sie ihn verlassen. Überzeugen, nicht verordnen, auf dass die Welt sich zum Besseren verändert – das höre ich in diesem Jahr noch mal ganz neu in der Weihnachtsgeschichte. Und wünsche Ihnen einen guten Start in diese weihnachtliche Woche. Ihr Christoph Buysch aus Krefeld.

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