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Kirche in WDR 5 | 12.01.2021 | 06:55 Uhr

Anders als du glaubst …

Autorin: Guten Morgen.

2020 mussten viele Abenteuer abgesagt werden: Schüler- und Studien-Austauschjahre, Freiwilliges Soziales Jahr… Marie-Anne Halim hat Glück gehabt. Sie hat 2020 neun Monate als Pfarrerin in Indonesien verbracht – auf der Insel Sumatra. Als Corona kam und der Lockdown:

 

Marie-Anne Halim: Also, im Vergleich zu Deutschland sind die Zahlen langsam gestiegen. Und die Kirchen- und Moscheegemeinden waren somit die Ersten, die Veranstaltungen abgesagt haben. Einfach zum Schutz der Gläubigen. Und erst und nach gab’s dann vom Staat auch die Anweisung, zu Hause zu bleiben und Mund- und Nase-Schutz zu tragen usw.

 

Autorin: Hier waren dann auch viele Kirchen zu. Und es sind kreative Ideen entstanden, mit denen die Kirchengemeinden gezeigt haben: „Wir sind für euch da!“ Wie war das denn in Indonesien?

 

Marie-Anne Halim: Generell ist man in Asien nicht so scheu Scheu vor dem Digitalen wie hier in Deutschland, deswegen haben die Kirchen sehr schnell reagiert und haben sehr schnell angefangen Gottesdienste zu streamen, andere Angebote zu schaffen... Und es gab‘ tolle Onlineprojekte wie zum Beispiel einen Online-Markt, der geschaffen wurde, um die lokalen Bauern zu schützen. Sie konnten also ihre Lebensmittel online verkaufen und hatten aber wenig Kundenkontakt. Nicht wie auf dem Markt. Oder es gab eine Gruppe von Frauen, die ich begleiten durfte, die Lebensmittel verteilt haben und sich um Prostituierte und deren Kinder kümmern.

 

Autorin: Du wirst oft gefragt, dass das doch bestimmt gefährlich für dich war, weil Indonesien stark muslimisch geprägt ist. Und ob deine Angehörigen keine Angst hatten, dass dir was passiert. Wie gefährlich war’s denn wirklich?

 

Marie-Anne Halim: Ich habe mich immer sicher gefühlt. Und ich habe tolle Menschen kennengelernt: Sowohl Christen als auch Muslime. Und in meinem Verständnis ist der Islam eine freundliche Religion, eine friedliche Religion. Und ich hab‘ viele Menschen getroffen, die das genauso sehen. Und ganz deutlich gespürt habe ich das zum Beispiel am indonesischen Nationalfeiertag. Da durfte ich als weiße Pfarrerin in einer muslimischen Schule eine Rede halten.

 

Autorin: Und was hast du den Schüler:innen denn da gesagt?

Marie-Anne Halim: Das Staatsmotto von Indonesien – das jeder gute indonesische Schüler, jede gute indonesische Schülerin kennt – ist „Einheit in Vielfalt“. Und das halte ich für ein großes Geschenk: zu wissen, wir sind ganz verschieden, aber wir halten zusammen, wir sind eins. Und das habe ich den Schüler:innen gesagt. Dass kulturelle und religiöse Vielfalt Schätze sind und dass man sich für die aktiv einsetzen muss.

 

Autorin: Ist es wirklich so einfach?

 

Marie-Anne Halim: Klar, es gibt immer zwei Seiten. Eine Freundin hat mir zum Beispiel erzählt, dass sie eine Wohnung nicht mieten durfte, weil sie Christin ist. Viele junge Muslime in Indonesien orientieren sich an der arabischen Welt, übernehmen Modetrends, aber eben auch extreme Gedanken von dort. Und ich hab‘ Menschen getroffen, die darunter leiden. Aber die waren alle auch voller Gottvertrauen und Tatendrang.

 

Autorin: Gottvertrauen und Tatendrang, da hast du doch bestimmt eine Geschichte zu im Kopf?

 

Marie-Anne Halim: Mehr als eine, ja … Ein junger Pfarrer – Aris – der hat mir davon erzählt, dass Muslime seine Kirche in Brand gesetzt haben. Und seine Gemeinde und er treffen sich jetzt in einer Lagerhalle zum Gebet. Und was mich an seiner Geschichte besonders beeindruckt ist, dass Aris die Muslime, die das gemacht haben, zu Gesprächen einlädt und den christlich-muslimischen Dialog fördern und christlich-muslimische Projekte anstößt. Ganz konkret zum Beispiel das gemeinsame Anlegen von Gemüsebeeten im Kirchgarten. Er sagt, dass viel Gewalt von Angst kommt und von Armut.

 

Autorin: Was nimmst du mit aus dem Jahr und was gibst du weiter?

 

Marie-Anne Halim: Ich hab‘ viel Optimismus gespürt und den Glauben daran, dass (man) gemeinsam stärker ist als allein. Und dass kulturelle und religiöse Vielfalt ein Segen sind, weil wir viel voneinander lernen können. Das nehm‘ ich mit.

 

Dass Sie sich vom Leben anderswo inspirieren lassen können, wünscht Ihnen Ihre Pfarrerin Julia-Rebecca Riedel aus Odenthal.

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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