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Kirche in WDR 4 | 11.03.2019 | 08:55 Uhr

Apathie oder Leidenschaft?

Guten Morgen! „Wär’ ich ein Stein, o wie könnte ich hart sein“, hat Udo Jürgens einmal gesungen. Ich kann diesen Wunsch verstehen. Denn fast an jedem Tag steht irgendein Ereignis in der Zeitung, auf das wir eigentlich nur mit Entsetzen reagieren können.

Unglücke und Naturkatastrophen, bei denen oft viele Menschen auf schreckliche Weise ums Leben kommen. Und immer wieder reagieren wir darauf mit Entsetzen

Da wird unser Seelenleben schon kräftig strapaziert. Wie können wir damit umgehen? Wie kann unsere Seele das alles verkraften?

Schon die alten Griechen hatten einen Weg aus diesem Dilemma: Apathie, das war ihre Lösung: Gemeint ist eine Leidenschaftslosigkeit der Seele, die man bestenfalls als eine Form von Sachlichkeit bezeichnen kann. Die ist natürlich wichtig. Katastrophen, Unglücke und Unfälle werden nicht verhindert durch Entsetzen. Ärzte, Feuerwehrleute und Notfallseelsorger brauchen einen klaren Kopf, um den Opfern einer Katastrophe helfen zu können. Für die alten griechischen Denker war deshalb auch Gott ein leidenschaftsloser Gott. Also einer, so haben sie es vielleicht anfangs gemeint, ein hohes Wesen mit großer Sachlichkeit. Einer, der immer eine gute Idee hat. Aber eben auch ein leidenschaftsloses, gefühlloses höchstes Wesen.

Für Christen ist Gott ein höchst leidenschaftlicher Gott. Eine Leidenschaft, die wir heute vielleicht am ehesten als „Empathie“ bezeichnen würden. Gott ist also ein mitfühlender Gott.

Im Propheten Hosea hören wir diesen Gott zu dem Menschen reden, den er liebt, und der seine Liebe nicht erwidert:“ Wie kann ich dich preisgeben und dich ausliefern? Mein Herz ist außer mir und alle meine Barmherzigkeit ist entbrannt“

Diesen Gott zeigt uns der leidende Christus. Das ist die Botschaft der Passionszeit: Gott ist ein leidenschaftlicher Gott. Er leidet an dem Leid und dem Unrecht, das wir Menschen erleiden. Er leidet mit an den Katastrophen, die wir erleben, und an denen wir oft genug ursächlich beteiligt sind.  Der Grund für diese Empathie ist seine Liebe. Er leidet daran, weil er uns abgrundtief liebt und uns in dieser Liebe die Freiheit nicht nehmen will.

Deshalb ist mir der leidenschaftliche Gott der Bibel, der Vater Jesu Christi lieber, als das Ideal eines apathischen höheren Wesens. Deshalb kann ich den Wunsch im Lied von Udo Jürgens, hart wie ein Stein zu sein, verstehen. Aber Härte wird uns nicht helfen, die entsetzlichen Ereignisse in unserer Welt zu verhindern.

Doch gerade die Liebe zur Welt kann uns helfen empathisch zu bleiben, um uns für diese Welt leidenschaftlich einzusetzen.

Die Liebe Christi am Kreuz soll mich daran erinnern, dass es einen Ort gibt, wo ich Entsetzen und Trauer abgeben darf. Damit meine Seele nicht überfordert wird.

Und deshalb können wir uns ein weiches Herz bewahren. Ein Herz, das leidenschaftlich schlägt für eine von Gott geliebte Welt.

Im Kirchenjahr beginnt in dieser Woche die Passionszeit. In ihr erinnern sich Christen an die leidenschaftliche Liebe Jesu.

Ihr Pastor Christoph Neumann aus Hemer. 

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