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Kirche in WDR 2 | 24.03.2021 | 05:55 Uhr

Auferstehungsgespräche

Ich bin Judith Uhrmeister, guten Morgen!

 

Manchmal erlebe ich wirklich Wunder.

Immer wieder beerdige ich Menschen, zu deren Beerdigungen keiner kommt. Das Ordnungsamt übernimmt die Kosten, weil sich sonst keiner finden lässt, der für die Beerdigung zahlen kann.

In der Regel bin ich als Pfarrerin bei diesen Beerdigungen mit den Friedhofsleuten allein.

Ich habe das schon oft gemacht, aber jedes Mal macht es mich traurig, wenn ein Leben so unbeachtet zu Ende geht. Normalerweise habe ich dann einen klaren Ablauf. Ich spreche ein Gebet für einen Menschen, den ich lebend nie gesehen habe und bei dem ich auch mit keinem sprechen konnte, der ihn kannte. Dann segne ich den Verstorbenen und dann geleiten die Friedhofsangestellten und ich die Urne (meistens ist es eine Urne – Das ist billiger) zum Grab und beerdigen sie. Wie alle anderen Verstorbenen auch.

 

Aber an diesem einen Morgen bei klirrender Kälte und strahlendem Sonnenschein steht bei einer dieser Ordnungsamtbestattungen plötzlich doch einer vor der Türe der Friedhofskapelle. Es ist ein Freund des Verstorbenen.

Ich muss also schnell reagieren. Einfach das normale Programm abspulen, ist jetzt unangemessen. Ich schlage dem Mann vor, in die Kapelle zu gehen. Wir holen uns zwei Stühle und setzen uns neben die Urne. Und dann fängt er an zu erzählen. Was passiert ist. Wie sein Freund war. Dass er sich um ihn gekümmert hat. Dass das mit den Behörden im Vorfeld der Beerdigung alles schwierig gewesen ist. Mal schaut er mich an, mal auf die Urne des Verstorbenen. Er erzählt und erzählt und wie er so erzählt, da füllt sich diese kalte und triste Trauerhalle mit Leben. Es wird ernst und traurig, aber auch heiter und fast ein bisschen gelöst. Irgendwann beschließen wir, dass wir ihn jetzt getrost beerdigen können.

 

Der Mann steht auf und nimmt die Urne einfach in seine Hände. Die Friedhofsangestellten tun so, als ob es das Normalste von der Welt ist.

 

Als wir dann zusammen über den Friedhof laufen, ist es ein bisschen so, als ob der Himmel auf unser Gespräch über den Toten mit strahlendem Sonnenschein antwortet. Mit gehobener, fast ausgelassener Stimmung stapfen wir über den Schnee, sprechen weiter über den Toten und stellen uns vor, wie es dort wohl ist, wo er jetzt ist. Ich weiß gar nicht mehr so genau, was wir im Einzelnen besprochen haben, aber an das Gefühl kann ich mich noch gut erinnern: Wir sind uns sicher, dass er auferstanden ist.

 

 

Redaktion: Landespfarrer Dr. Titus Reinmuth

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