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Kirche in WDR 4 | 09.09.2020 | 08:55 Uhr

Ausmisten

Guten Morgen,

bong, peng donnert es in den Blechcontainer, wieder ist ein Korb leer. Bestimmt fünf Mal habe ich den Kofferraum vollgepackt, bin hierher gefahren und habe etwas Unsägliches getan: Ich habe Bücher entsorgt. Ehrlich, das tut mir richtig weh. Bücher wegwerfen. Aber was tun, wenn man umzieht und der Platz dafür nicht mehr da ist? Die meisten Schätzchen wird man selbst beim Büchertrödel nicht mehr los. Fachbücher sind überholt. Also nichts wie weg damit, so schwer es auch fällt. Und irgendwie fühlt man sich danach auch erleichtert.

Aber wie ist es mit alten Gesangbüchern, Andachtsbüchern und Bibeln für den Hausgebrauch, die keinen antiquarischen Wert besitzen? Was machen mit solchen Erbstücken der Eltern oder gar Großeltern, die ihnen viel bedeutet haben, für die aber niemand mehr Verwendung hat? Es gibt offenbar eine besondere Scheu bei Angehörigen, sie wegzuwerfen. Vermutlich, weil man es hier mit „heiligen“ Büchern zu tun hat, die man gewissermaßen nicht „entweihen“ möchte.

Und so wurden mir als Pfarrerin schon mehrfach Bibeln und Gesangbücher vorbeigebracht mit den Worten: „Vielleicht kann sie noch jemand gebrauchen.“ Aber wer sollte mit einer Bibel in altem Lutherdeutsch noch dazu in Sütterlinschrift und entsetzlich klein geschrieben, heute etwas anfangen können? Oder mit einem Gesangbuch, in dem lauter Lieder stehen, die keiner mehr singt. Und so musste ich im Lauf meiner Dienstjahre immer mal wieder gesammelte Bibeln und Gesangbücher in Gemeindehäusern ausmisten, mit klopfendem Herzen. Dabei habe ich nachgedacht: Was macht eine Bibel eigentlich wertvoll. Und ich meine jetzt nicht besondere Schmuckausgaben von historischem Wert. Eine ganz normale Bibel. Was an ihr ist heilig? Wertvoll an einer Bibel ist, was drinsteht. Was ich da lesen kann über Gott und die Welt. Und was geschieht, wenn ich in ihr lese, wenn ich mich mit ihrem Inhalt auseinandersetze.

Heilig und wertvoll ist der Moment, in dem ich die gute Botschaft der Bibel an mich heranlasse und sie mein Herz erreicht. Wenn sie mich nicht mehr loslässt und meinen Alltag prägt. Davon zeugen Bibeln mit Bleistiftkommentaren am Rand; mit unterstrichenen Stellen, Versen, die jemand markiert hat und die im Lauf eines Lebens besonders wichtig waren: wie Konfirmations- oder Trausprüche. Wenn ich den Menschen gekannt habe, der so mit einer Bibel gelebt hat, dann fällt es nochmal schwerer, dieses Buch wegzuwerfen. Es sagt so viel über den Glauben dieses Menschen aus. Anders als eine Traubibel, die noch bei der Goldhochzeit ungelesen im Wohnzimmerschrank steht. Die natürliche Scheu davor, ein „heiliges Buch“ wegzuwerfen, sie ehrt uns. Es ist gut, dass mir bewusst ist: Das ist schlechter Stil und unangemessen. Aber manchmal kommen wir nicht darum herum. Dann ist es wiederum gut zu wissen:

Das Buch der Bibel wird erst zum Heiligen Buch, wenn etwas geschieht beim Lesen, wenn Gott und der Mensch sich begegnen. Wenn ich mit seiner Botschaft lebe und sie mein Leben bestimmt. Probieren Sie´s aus.

 

Ihre Pfarrerin Barbara Schwahn, Meerbusch.

 

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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