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Kirche in WDR 5 | 21.07.2021 | 06:55 Uhr

Barmherzigkeit

Guten Morgen!

Immer, wenn in der Bibel nämlich von Jericho die Rede ist, wird es besonders prägnant und spannend. Die Autoren der biblischen Schriften nehmen diesen Ort gleichsam wie ein Brennglas. Hier fokussiert sich ganz Wichtiges, was es zu erzählen gilt. So auch aus dem Leben Jesu. Da ist zum Beispiel die Geschichte vom blinden Bartimäus (Mk 10,46-52). Sie handelt unmittelbar vor Jesu Einzug in Jerusalem.

Da sitzt in Jericho der blinde Bettler Bartimäus am Straßenrand. Für seinen Lebensunterhalt musste er betteln. Nun hat er von dem Mann aus Nazareth gehört. Der soll ein Herz haben für die Menschen, die an den Rand gedrängt sind. „Jetzt oder nie!“, mag er wohl gedacht haben. Bartimäus macht schreiend auf sich aufmerksam: „Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“ Den Umstehenden geht er auf die Nerven. Sie fahren ihn an: „Was fällt dir ein? Du kannst doch hier nicht so rumschreien!“ Jesus bekommt das alles mit, bleibt stehen, lässt ihn zu sich kommen. – Bis jetzt alles nett erzählt, nichts Außergewöhnliches. Dann aber stellt Jesus ihm eine Frage: „Was soll ich dir tun?“ Die Frage ist doch eigentlich absurd. Jeder und jede weiß doch, was Bartimäus will. Sehen natürlich, was sonst? Doch es geht scheinbar um mehr: Bartimäus will sehen … Mehr sehen. Tiefer sehen. Das spüren alle, die da rum stehen, auch Jesu Jüngerinnen und Jünger: Es geht hier um mehr, viel mehr. Was genau sagt eigentlich Bartimäus? Sein erster Ruf: „Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“ Erbarmen … Das ist die Reaktion auf einen bemitleidenswerten Zustand. „Sich barmen“ bedeutet eigentlich: „sich hingeben“. In diesem Sinne gibt es dieses Tätigkeitswort noch im Plattdeutschen. Und Barmherzigkeit üben meint dann eigentlich sich mit dem Herzen hingeben. Wer dann umgekehrt Barmherzigkeit erfährt, der ist mit dem Herzen, der ist mit Liebe umfangen. Ich habe mal nachgeschaut. Die Bedeutung von Barmherzigkeit im Hebräischen, der Ursprache der Bibel lautet „Mutterschoß“. Mit anderen Worten: Wer Barmherzigkeit im Leben erfährt, dieser Mensch kann sich fühlen wie im Mutterschoß, geborgen und sicher. Bartimäus will also in den Mutterschoß zurückgeholt werden! Bartimäus, an die Straßenränder des Lebens gedrängt, sehnt sich nach dieser Nähe und Verbundenheit – eben nach Barmherzigkeit. Und als ihn Jesus dann ruft – so verstehe ich das – spürt Bartimäus eine wirkliche Präsenz in seinem Leben, wie eine Nabelschnur zu den Menschen und zu Gott. Eine befreiende innere Erfahrung, jetzt Barmherzigkeit, Geborgenheit zu erfahren! Das gibt ihm Kraft, aufzustehen, auf Jesus zuzugehen und dabei seinen Mantel wegzuwerfen. Oft lese ich über dieses Detail hinweg. Denn der Mantel ist das wichtigste Kleidungsstück der Armen draußen bei Wind und Wetter – quasi der einfache Ersatz für die verlorene Geborgenheit durch den Mutterschoß. Und den Mantel, den Ersatz wirft er weg. Will heißen, er wirft alles weg, was ihm früher wichtig war, vielleicht das, was ihn blind gemacht hat. Jetzt geht es um einen wichtigen Neuanfang. Jetzt geht es ums Ganze, aus der Gewissheit, in Gott geborgen zu sein. Und er reiht sich ein in die Gefolgschaft Jesu und kann wieder sehen, neu sehen. Er ist geheilt, weil er Geborgenheit erfahren hat. Und so folgt er nun Jesus auf seinem Weg hinauf von Jericho nach Jerusalem.

Diese Verbundenheit zur Nabelschnur des Lebens zu sehen und zu erfahren, das wünscht ihnen nicht nur heute André Müller aus Gladbeck.

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