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Kirche in WDR 2 | 03.10.2019 | 05:55 Uhr

03-10-90

Ich mache jetzt etwas, vor dem sicher jeder Datenschützer warnt. Ich verrate Ihnen mein Computer-Passwort. Es lautet 03-10-90

Und Sie werden gleich verstehen, warum ich das heute mache. Seit ich meinen ersten Computer habe, ist das mein Passwort: der Tag der Deutschen Einheit.

Übertreibe ich, wenn ich sage: das ist das Datum, das mein Leben mit am meisten geprägt hat? Ich war damals zwar erst elf Jahre alt – aber: Es gibt für mich persönlich einen ganz einfachen Grund: Ohne den 03.Oktober, ohne die Wiedervereinigung, hätte meine Frau nie von Ostberlin nach Münster zum Studium gehen können. Und ich hätte sie niemals kennen gelernt. Meine Frau hätte vielleicht gar nicht studieren können. Denn sie ist Christin. Und sie hat noch erlebt, wie das war, als Christ außen vor zu stehen in der DDR. „Juri Gagarin war im All. Da hat er keinen Gott gesehen – warum machst Du’s Dir nur so schwer“, haben die anderen Kinder in der Grundschule zu ihr gesagt.

Ich bin Niederrheiner und ich musste in meiner Kindheit nie für meine Überzeugungen wirklich einstehen. Meine Frau schon. Meine Oma übrigens auch. Sie stammte aus Rostock an der Ostsee. Ihre Überzeugung war die Liebe zu meinem Opa. Wegen ihm ist sie nämlich aus der stolzen Hansestadt mit frischer Seeluft in das Minidorf Uevekoven am Niederrhein gezogen, wo es meist leicht säuerlich nach Kohl riecht. Meine Oma hatte nach dem Krieg die Liebe gewählt, nicht das Leben in der Volksgenossenschaft. Die Wende hat meine Oma leider nicht mehr erlebt – 1988 hatte der Krebs gesiegt. Und dieser 3.Oktober ist immer auch ein Tag, an dem ich an meine Oma denke, die das vereinte Deutschland nie hat sehen können. Wie sieht dieses Deutschland heute aus?

Nun gut. Es ist nicht alles Gold was glänzt. Und nicht jede Landschaft blüht, 30 Jahre nach der Wende. Manches hat sich politisch braun gefärbt in diesem Land – und das macht mir Sorge.

Aber für mich ist die Wiedervereinigung eine Art Optimismusbeweis. Was ich damit meine? Es gibt genug Dinge, die mich zweifeln lassen. Vor allem an der Menschheit. Aber was wir Deutschen damals geschafft haben, friedlich, frei, brüderlich, schwesterlich – das gibt mir noch immer Grund, optimistisch zu sein.

Was ist die Haltung eines Optimisten? Vielleicht eine solche: „Gegen die Nacht können wir nicht ankämpfen, aber wir können ein Licht anzünden.“ Diese Worte hat Franz von Assisi gesagt, der große Heilige, dessen Todestag genau heute ist. Ja, so ist das: Optimisten zünden Lichter an – auch in finsteren Zeiten. „Wir hatten mit allem gerechnet, aber nicht mit Kerzen und Gebeten“, das soll ein hoher DDR-Bonze gesagt haben, als die Wende kam. Die Wende und die Wiedervereinigung – das war das Werk von Optimisten – ob sie nun gläubig waren oder nicht.

03-10-90. Diese Zahlenkombination hat es für mich in sich. Und jedes Jahr an diesem Tag drücke ich meine Frau und freue mich über diese ganz persönliche Einheit. Und ich danke Gott.

Gut, Sie kennen jetzt mein Computerpasswort. Aber ich bin optimistisch, dass Sie das für sich behalten…oder es vergessen…behalten aber sollten Sie sich in jedem Fall das hier: „Gegen die Nacht können wir nicht ankämpfen, aber wir können ein Licht anzünden.“

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