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Kirche in WDR 3 | 13.04.2021 | 07:50 Uhr

Saftladen

Hinter der Kölner St. Andreas-Kirche, unweit vom Hauptbahnhof, gibt’s nen richtig guten Saftladen. Kein Witz: Die machen richtig gute Säfte. Ich bestelle immer Apfel, Möhre, Granatapfel und viel, viel Ingwer, denn das soll ja die Abwehrkräfte stärken … und brennt schön in der Kehle … ich mag das.

Fast jeden Morgen hole ich mir da meinen speziellen Saftmix – besonders jetzt in der Corona-Krise. Nicht nur wegen meines Immunsystems, sondern ich will einfach nicht, dass der zu machen muss. So steht der Saftladen hinter St. Andreas auf meiner kleinen heimlichen Liste von Läden, die ich etwas „durchfüttere“ mit Extra-Trinkgeld und häufigen Besuchen. So profitiert mein muslimischer Saftladenbesitzer auch von der Kirchensteuer, aus der ich mein Gehalt beziehe.

Und Corona ist sicher schon Prüfung genug für meinen Saft-Laden-Besitzer. Aber jetzt beginnt noch der Ramadan. Und ich bewundere ihn dafür, dass er jedes Jahr fastet, auch in seinem Saftladen. Ich meine: der Laden duftet immer nach frischem Obst, wenn er all die Früchte aufschneidet, auspresst und zusammenmixt. – Ich könnte gar nicht, als da hin und wieder zu naschen. Aber: Mein Saftladenbesitzer ist im Ramadan eisern. Und er hat mir schon letzte Woche gesagt: „Klar faste ich auch dieses Jahr“.

Ich bezeichne mich gern als rheinischen Katholiken der glaubt; aber auch mal Fünfe gerade sein lässt in Glaubensfragen. Gott ist barmherzig.

Und dennoch bewundere ich die Konsequenz meines Saftladenbesitzer und aller muslimischen Gläubigen, die ab heute konsequent fasten. Das hat auch etwas für sich. Kein Essen von der Morgendämmerung bis zur Sichtung der ersten Mondsichel.

Mein Saftladenbesitzer muss eh immer früh aufstehen, um beim Großmarkt die Ware zu kaufen. Und wenn ich um acht Uhr bei ihm meinen Saft bestelle, dann hat er meist schon einige Stunden auf dem Buckel. Dass das jetzt im Ramadan alles beschwerlicher ist, das glaube ich sofort. Aber er sagt: „Ich tue das für mich – und für Gott.“

Mehr noch: Er tut Gutes für andere im Ramadan – das gehört auch dazu. Werke der Barmherzigkeit. Am Ende vom Ramadan ist dann das Zuckerfest. Da bekommen alle Kunden im Saftladen sogar etwas davon ab: Dann bekommen wir eine Süßigkeit geschenkt. Darauf freue ich mich jetzt schon. Aber bis dahin ist noch ein Monat Zeit. Auch wenn ich die christliche Fastenzeit gerade erst hinter mir habe, frage ich mich, was ich eigentlich so für Gott tue – und was für die anderen.

Andere Fasten zu sehen, lässt mich jedenfalls nicht kalt, als rheinischer Katholik, der fünfe gerade sein lässt. Und vielleicht gibt es ja mittlerweile auch schon einen rheinischen Islam? Wer darüber etwas weiß, kann sich gerne melden. Jedenfalls: eine schöne Geschichte zum rheinischen Islam hat sich schon vor 56 Jahren ereignet. Vielleicht kennen Sie die ja schon. Aber die kann nicht oft genug erzählt werden. Als nämlich die ersten muslimischen Gastarbeiter nach Köln kamen, da haben einige Muslime den Ramadan im Seitenschiff vom Kölner Dom beendet, mangels Moschee. Davon gibt es noch Bilder im Netz: betende Muslime im Dom im Jahr 1965. Für mich ist das ein schönes Beispiel dafür, dass Gott größer ist als menschliche Vorstellungen. Aus dieser religiösen Vorstellung lebe ich gerne, denn sie gibt mir Widerstandkraft gegen so manche Streitfragen „im Namen des Herrn“.

Allen Muslimen und Muslima – ob rheinisch, westfälisch, oder lippisch: einen guten Start in den Fastenmonat. Gott ist größer, oder wie es im Arabischen heißt: Allahu Akbar! Klaus Nelißen aus Köln.

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