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Kirche in WDR 2 | 12.04.2021 | 05:55 Uhr

Wendezeit

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende auch schon wieder rum. Tja. Und Ostern ist auch schon wieder eine ganze Woche her, ist das zu fassen. Aber in meinem Kopf, da arbeitet es immer noch. Auch eine Woche später. Auferstehung von den Toten – wie um Himmels willen soll ich mir das vorstellen?

Neulich habe ich einen Film über ein Paar gesehen, das sich um Hunde kümmert, die keiner mehr haben will. Da war zum Beispiel ein Hund, der jahrelang als Kettenhund gelebt hatte. Halbtot war er auf verschlungenen Wegen zu ihnen gebracht worden. Seine Pfotenspitzen mit den Zehen waren derart kaputt, dass der Tierarzt sie amputieren musste. Und die beiden mussten die Pfoten pflegen. Alle paar Stunden eincremen und verbinden. Nach ein paar Wochen haben sie versucht, dem Hund wieder das Gehen beizubringen. Und im Film war zu sehen, dass er sich inzwischen wieder ein paar hundert Meter langsam bewegen konnte. Mehr humpeln und kriechen, aber immerhin. Wenn er erschöpft war sprang er in einen Wagen, den der Mann dann hinter sich her zog. „Ich kann das nicht ertragen, wenn ein Tier niemand mehr will, wenn es so leiden muss“ hat der Mann in die Kamera gesagt.

Mich hat diese Geschichte sehr berührt. Wenn ich nicht selbst einen Hund hätte,  hätte sie es vielleicht nicht getan. Aber gerade am Osterfest hat sie mich besonders berührt, weil diese Geschichte alles darüber erzählt, was man über Ostern wissen muss. Ich finde, Ostern ist die Wendezeit. Ostern ist das Fest, wo sich einer dem Leblosen, dem Häufchen Elend, dem Hunderest, dem, für den sich niemand zuständig fühlt zuwendet. Ostern ist das Fest, wo einer sagt: "Egal, her damit." Wo einer was unternimmt, statt alles auf die lange Bank zu schieben. Wo sich einer anrühren lässt statt in den Panzer zu steigen. Wo einer hingeht, statt zum Terminbuch zu greifen. „Ich kann das nicht ertragen, wenn ein Tier niemand mehr will, wenn es so leiden muss.“ Als der Mann das in die Kamera sagte, habe ich gedacht: Wie toll! Der hat die Osterbotschaft kapiert. Wo einer die kaputten Pfoten eines Hundes eincremt – ist Wendezeit, ist Ostern. 

Ich weiß, was Sie jetzt denken. Was ist mit den Hühnern in den Legebatterien? Dem Schlachtvieh? Den Schweinen, die nie die Sonne gesehen haben? Ja, genau. Da ist kein Ostern. Da ist noch viel zu tun. Aber irgendwo in Deutschland hat einer mit nem halbtoten Hund angefangen. Das ist schon mal besser als nichts. „Ich kann das nicht ertragen“ hat er gesagt. Und das getan, was er tun konnte. Mit seinen bescheidenen Mitteln.

Wo also einer hingeht und sich anrühren lässt, wo einer sich um einen Hund um des Hundes willen kümmert, um einen Menschen um des Menschen willen, wo einer Pfoten eincremt, Hände hält, die Augen aufmacht, wo einer aufmuntert, besucht, tröstet, einen unterhakt, kurz: wo einer über den Tod hinaus das Leben festhält. Irgendwann, irgendwie und irgendwo. Völlig egal – da verschwindet der Irrsinn, da kommt der Sinn zurück. Da wird es gut ausgehen. Nicht nur für den Hund. Und nicht nur an einem Montagmorgen.

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