Aktuelles

Beiträge auf wdr2 

katholisch

Hörmal | 20.10.2019 | 07:45 Uhr

Liebst Du mich ?

Jesus hätte es eigentlich besser wissen müssen: Es gibt nämlich Fragen, die stellt man besser nicht. Dazu gehört die Frage: „Liebst Du mich?“ Wer diese Frage stellt, der muss nämlich immer auch mit der Antwort leben können – und die fällt ja nicht zwingend positiv aus. Außerdem zeigt die Frage schon: In unserer Beziehung stimmt irgendetwas nicht. Und sie unterstellt: „Du hast mich nicht mehr lieb!“ Nicht selten schwingt dabei der Verdacht oder der Vorwurf mit: Du hast mich enttäuscht, mich betrogen oder mich verraten. Das stört natürlich eine Beziehung. Und um die zu klären, kommt dann die Frage: „Liebst du mich?“ Aber damit ist eigentlich schon alles zu spät.

„Liebst Du mich?“ Noch fataler wird es, wenn die Frage als Forderung verstanden wird: „Eigentlich solltest du mich lieben!“ Und schnell erahnt man: Eingeforderte Liebe geht nicht. Liebe – bei aller Schwierigkeit sie zu definieren – Liebe kann man nicht einfordern.

Eigentlich kann es nur andersherum gehen. Ich gestehe dir: „Ich liebe dich!“

Liebe ist nämlich eine freiwillige Zusage, ein Geschenk an den Geliebten oder die Geliebte. Zur Liebe gehört immer Freiheit. Alles andere ist keine Liebe.

Aber jetzt endlich zu Jesus. Denn die Frage „Liebst Du mich?“ stellt er nämlich ausgerechnet dem Apostel Petrus (vgl. Joh 21,15-17). Der hatte ihn dreimal verraten. Und jetzt fragt Jesus auch dreimal nach.

Aber ich bleibe dabei: Die Frage geht eigentlich so nicht – auch bei Jesus nicht, denn sie überfordert den Befragten.

Wie meint Jesus das mit dem „Lieben“? Liebe kann ja ganz unterschiedlich verstanden werden. So wie: „ich liebe Eiscreme“, oder „ich hab dich lieb wie einen besten Freund“ oder eben „ich liebe Dich von ganzem Herzen“.

Als ich mir den griechischen Originaltext aus der Bibel einmal genauer angeschaut habe, habe ich gesehen: Auch da geht es um verschiedene Arten der Liebe. Jesus fragt tatsächlich nach der Liebe des Petrus und zwar als liebender Hingabe. Also „in echt“, „von ganzem Herzen“. Und Petrus antwortet zurückhaltend: „Ja, du weißt, dass ich dich liebe!“, meint damit aber: „Ich will dir Freund sein!“ Dann fragt Jesus wieder nach der liebenden Hingabe des Petrus. Und wieder kann der nur antworten: „Ich will dir Freund sein.“ Schließlich kommt Jesus dem Petrus entgegen und fragt nur noch: „Petrus, willst du mir Freund sein?“ Und Petrus bestätigt traurig: „Herr, du weißt alles, du weißt, dass ich dir Freund sein will.“

Nach der ganzen Geschichte zwischen Petrus und Jesus, also Stichwort: Verrat, kommt Jesus dem Petrus entgegen und will ihn nicht überfordern! Und damit ist Jesu sehr realistisch.

Ich kann das gut nachvollziehen. Das gilt doch auch für Beziehungen heute: Liebe muss nicht gleich als Hingabe verstanden werden. Dieses „ganz und gar“, das kann überfordern.

Wie auch immer: Jemanden zu lieben – egal ob als Freundschaft oder als Hingabe –, fällt immer leichter, wenn ich selbst das Gefühl habe: Ich werde bereits von ihm oder ihr geliebt. Dann braucht es nicht mehr die prekäre Frage: „Liebst du mich?“ Denn ich merke ja, ich bin geliebt, und kann daher Liebe erwidern.

Wichtig dabei: Zur Liebe gehört immer Freiheit – egal ob als Freundschaft oder als Hingabe. Und das gilt für die Liebe zu anderen Menschen genauso wie für die Liebe zu Gott, von dem es heißt, dass er mich liebt – lange bevor ich ihn lieben kann.

katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen