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Kirche in WDR 5 | 16.11.2019 | 06:55 Uhr

Hommage an einen Freund

 

Guten Morgen!

„Hakuna Matata“ – der Gruß auf Swahili meint sinngemäß so viel wie: „Alles ist gut. Es gibt keine Probleme“. Er wird als Lied gesungen und erinnert mich an eine anrührende Szene an einem lauen Sommerabend mitten auf einer Piazza in Rom. Emmanuel, ein Freund aus Ruanda, den ich Jahre zuvor kennen gelernt hatte, sang just dieses Lied, und wir Umstehenden sangen mit, erst leise und zögerlich, dann immer kräftiger.

Aber so ist das Leben nicht – oder doch? Wir hatten uns damals wenige Stunden zuvor auf einer internationalen Konferenz die Köpfe heiß geredet über all die Schwierigkeiten und Probleme in Kirche und Gesellschaft. Bis dann Emmanuel uns mit seiner leisen Stimme eben diese Lektion erteilte, nicht aufdringlich und nicht besserwisserisch, getragen vielmehr von einem Grundgefühl der Zuversicht und des Vertrauens: „Hakuna Matata“ – „Alles ist gut. Es gibt keine Probleme“ – und das aus dem Mund von einem Mann, der die Armut und Verzweiflung der Menschen und die Abgründe menschlicher Grausamkeit kennen gelernt hat.

Seine Geburt stand unter einem guten Stern. Er war wirklich ein Christkind, geboren an Weihnachten in einem Flüchtlingslager in Tansania. Seine Eltern hatten beizeiten die Gefahr ethnischer Säuberungen erkannt und waren rechtzeitig aus Ruanda ins Nachbarland geflohen. Was dann kam, der schreckliche Völkermord von 1994, als innerhalb von 3 Monaten mehr als 800.000 Menschen mit Macheten und Maschinengewehren auf grausamste Weise niedergemetzelt wurden, gilt als eine der schmachvollsten Niederlagen der internationalen Staatengemeinschaft.

Emmanuel hatte in einem Priesterseminar Theologie studiert, und es drängte ihn, in die Heimat seiner Eltern zurückzukehren. Ihm war klar: In dem vom Völkermord traumatisierten Ruanda brauchte es Menschen, die einfach da waren, die zuhören und mit den Menschen weinen konnten; und die zur Stelle waren, wenn vor den Versöhnungskomitees Schuld eingestanden wurde, wo Menschen gar die Kraft fanden zu verzeihen. Er engagierte sich als junger Priester vor allem für Menschen, die als Kinder das Morden durch den Mob und die Vergewaltigungen mit angesehen hatten und ohne Familie ums Überleben kämpften.

Jahre später habe ich Emmanuel mit Studierenden in Ruanda besucht. Es war gerade der zwanzigste Jahrestag des Genozids. Wie gehen die Menschen heute mit ihrer Geschichte um? Wie schaffen sie es, dass sie, die sich gegenseitig so viel Leid zugefügt haben, nun wieder friedlich miteinander zusammenleben? Wie kann Versöhnung gelebt werden? Eine Antwort habe ich erfahren bei der Feier der Osternacht, unvergesslich für mich. Das Licht der Osterkerze, das sich in der dunklen Kirche ausbreitete und die Gesichter der dicht gedrängt stehenden Menschen erhellte, und dann das Lob auf die Osterkerze mit dem wichtigen Satz: „O Felix Culpa“ - „O glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden!“ Das ging mir wie ein Schauder den Rücken herunter: Vergebung angesichts des Genozids, Umkehrung der Werte: glückliche Schuld, weil einer Schuld vergibt. Das war in Ruanda passiert: Ringen um Versöhnung und Erlösung und die Erfahrung, wirklich von Schuld und Sünde befreit zu sein. Das kann man nicht begreifen. Aber man kann es erahnen, wenn man Menschen kennen lernt wie Emmanuel, die am Rande des Todes waren, verzeihen und unbeirrt dem Leben trauen. Ich hatte verstanden: Es gibt Probleme, aber im Letzten und Tiefsten ist alles gut. Hakuna Matata.

Ich bin Peter Klasvogt aus der Kommende Dortmund. Kommen Sie gut durch den heutigen Tag!



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