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Kirche in WDR 3 | 11.05.2020 | 07:50 Uhr

Ungeduld

Guten Morgen!

Erst Shut down, Hygieneregeln und Kontaktverbot und dann schrittweise „Lockerungen“. Seit Anfang März ist alles anders als sonst. Normalerweise läuft unser Leben in gewohnten Bahnen; es geht einen klar getakteten Gang.

Auf einmal mussten wir erkennen wie vieles, was unser Leben bestimmt, sich verlangsamte oder völlig zum Erliegen kam: die Produktion in Landwirtschaft und Industrie, die Lieferketten, die Schulen und Kitas, die Welt der Kultur, ja auch die Welt der Religionen.

In anderen Bereichen dagegen gab es gesteigerte Aktivitäten: in der Impfstoffforschung, in Krankenhäusern, in Supermärkten und bei den Ordnungsdiensten. Nach kurzer Zeit schon ging es mir wie wahrscheinlich den meisten anderen auch: Nach zwei, drei Wochen stieg die Ungeduld.

Ich erinnere mich gut, wie in mir die Sehnsucht wuchs, wieder das normale Leben zu führen, den vertrauten Rhythmus wieder aufzunehmen. Normalerweise bin ich ausgerichtet auf das, was kommt: das nächste Meeting, das nächste Wochenende, den nächsten Urlaub. Aber auf einmal waren meine ToDo-Listen geschrumpft.

Dazu kamen die Berichte über die Toten in Bergamo, im Elsass, in New York. Das schürte die Angst vor überlasteten Krankenhäusern auch bei uns. Dazu die stets drohende Infektion. Mir machte das Angst. Manches Mal musste ich mich selbst zwicken, ist das real? Das Leben schreibt Zeilen, die für mich bisher so nicht vorstellbar waren!

Auf einmal fand ich mich - wie sicherlich viele Menschen auch - in einer Situation der Schwäche, ja der Ohnmacht; vor allem, weil das Neue dieser Erfahrung darin besteht: Der Gegner, das Virus ist unsichtbar. Und alles spielt sich im Großen ab, diese Krise hat die ganze Welt erfasst.

Dann Mitte April. Da hieß es, wir müssen zurückkehren in eine „verantwortbare Normalität“ – und viele wussten, diese wird anders sein als die Normalität, die wir kannten.

Eines durfte ich in letzten Wochen neu lernen: Alles Planen verführt zu einer trügerischen Sicherheit. Tatsächlich aber ist unser Leben viel zerbrechlicher als wir denken. Wer weiß schon, was die Zukunft Überraschendes mit sich bringt, wie viele Erfahrungen kleinen und großen Glücks, wieviel Unglück und Leid auf uns warten?

Wir wissen nicht einmal, was der nächste Tag bringt. Die Erfahrung der letzten Wochen hat mein Denken und Fühlen seltsam wach werden lassen: Leben auf Sichtweite. Das beunruhigt mich, der ich lieber mit Sicherheiten lebe.

Ein mir vertrautes Wort des Heiligen Augustinus bekommt da einen ganz neuen Klang: „Du hast uns zu dir hin geschaffen, und unser Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in dir.”

Ich werde die Frage nicht los: Was bedeuten die aktuellen Erfahrungen für meinen Glauben? – Ganz leicht fällt mir eine Antwort nicht. Sie hängt mit meiner Hoffnung zusammen: Ich glaube daran, dass Gott auf den Wegen meines Lebens an meiner Seite ist; an Tagen des Glücks und auch an Tagen des Unglücks, in jeder Unsicherheit und in der Zerbrechlichkeit meines Lebens.

Und das zu glauben, muss ich immer wieder neu wagen – das ist nicht leicht, vor allem wenn plötzlich vieles so unsicher wird. Aber wenn ich es wage, dann gibt mein Glaube mir Hoffnung.

Ich wünsche Ihnen in diesen unruhigen Tagen Zuversicht und Hoffnung!


Aus Essen grüßt Sie Markus Potthoff

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