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Kirche in WDR 2 | 26.04.2021 | 05:55 Uhr

Frank

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende auch schon wieder rum. Tja. Und manchmal habe ich mich montags mit Frank getroffen. Aber das geht nun nicht mehr, denn Frank ist vor einiger Zeit gestorben. Vor drei Jahren ungefähr habe ich ihn kennen gelernt. Als wir uns das erste Mal getroffen haben – das muss so drei Jahre her sein – da hat ein schmaler nicht allzu großer Mann vor mir gestanden. Mit schütterem Haar und Brille, mit Jeans und einer etwas zu großen Lederjacke. Ungefähr so alt wie ich und ein bisschen scheu. Und er hat erzählt. Frank war chronisch krank, hatte einen kaputten Rücken und konnte deswegen nicht mehr arbeiten. Schnell habe ich kapiert, dass er seinen Tag damit verbrachte, sein Überleben zu organisieren: Telefonate mit Ärzten, Betreuern, dem Jobcenter, dem Rechtsberater. Briefe öffnen, Schriftsätze lesen, verstehen, reagieren, Rat holen, Antworten formulieren, anrufen, mails beantworten. Oft ging es um Kleckerbeträge, Auszahlungssätze, die zu niedrig berechnet waren. Behörden, die sich gegenseitig Zuständigkeiten zugeschoben haben. Verschwundene Unterlagen, wechselnde Sachberabeiter, das ganze Programm. Wir haben uns alle vier bis acht Wochen getroffen. Dann haben wir einen Kaffee getrunken, Frank hat erzählt, ich habe zugehört. Ich habe mich oft gefragt, woher der schmale Mann seine Kraft genommen hat, nicht zu resignieren. Immer hat er gekämpft, mails geschrieben und nie eine Frist versäumt. Hin und wieder hab ich ihm mit kleinen Beträgen ausgeholfen, super, dass es dafür die Caritas gibt. Irgendwann ist er für sechs Wochen ins Gefängnis gegangen, um eine Geldstrafe von 2000 Euro abzusitzen. Er war ein paar Mal schwarzgefahren. Abstottern war nicht möglich. Also ersatzweise Haft. Da saß er, der schmale Frank, zwischen Schlägern und Dieben. Verrückte Welt. Als klar war, dass Frank in Rente gehen kann, haben wir überlegt, wie wir es schaffen, dass er wieder unter Leute kommt. Da habe ich ihm vorgeschlagen, er könne bei uns einen Küsterlehrgang machen. Und anschließend immer dann, wenn er Lust habe in der Agneskirche helfen. Da war er Feuer und Flamme. Und hat gelacht. Bei unserem letzten Gespräch hat er mir ein Foto gezeigt. Von seiner Kommunion. In der Agneskirche. Das hat mich sehr berührt. Nach all den Jahren würde er nun zurückkommen. Was für eine Geschichte. Ein paar Tage später hat dann sein Herz gestreikt. Ich konnte es kaum glauben. Dann haben sich Freunde von ihm gemeldet. Mario, Gaby und Andreas. Und vor ein paar Wochen haben wir seine Urne in die Agneskirche gestellt und uns von ihm verabschiedet. Gaby hat eine Kerze gemacht. Wir vermissen dich! hat da draufgestanden. Frank, der schmale unscheinbare bescheidene zuverlässige Frank, der so viel Mist in seinem Leben erlebt hat, der war trotzdem einer, ohne die die Welt ärmer ist. Und heute erzähle ich seine Geschichte stellvertretend für all die, deren Geschichten vielleicht nie erzählt werden. Und ohne die die Welt auch ärmer ist. Nicht nur an einem Montagmorgen.

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