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Hörmal | 12.07.2020 | 07:45 Uhr

Yukatan und die Sprache der Gewalt

Yukatan – der Name steht für die große Halbinsel am Golf von Mexiko. Und: Yukatan steht für die untergangene Kultur der Maya. Und der heutige Tag steht für ein dunkles Kapitel der katholischen Kirche. In jedem Fall war es ein dunkler Tag für die Maya.

Aber einmal kurz von vorne: Das begann alles schon mit einem Missverständnis: Als nämlich die spanischen Eroberer auf die Halbinsel kommen, fragen sie die dort lebenden Mayas auf Spanisch nach dem Namen des Ortes. Und die sollen gesagt haben: „Yuk ak katán“. Was in der Maya-Sprache so viel bedeutet hat wie „Ich verstehe Deine Sprache nicht“. Daher also der Name der Halbinsel.

Im Jahr 1542 kam Yukatan dann unter den Einfluss der Spanischen Krone. Und die Kolonialherren schickten neben Söldnern auch Missionare.

Einer von denen war ein junger Franziskanermönch namens Diego de Landa. Der baute 10 Jahre nach der Ankunft der Spanier auf den Überresten eines Maya-Tempels das erste Franziskanerkloster auf Yukatan. Diego de Landa war berüchtigt als knallharter Seeleneiferer. Selbst den spanischen Kolonialherren und auch seiner Kirche war suspekt, wie gnadenlos er die Mayas zum christlichen Glauben drängte. Vor allem mit ihrer althergebrachten Religion kannte de Landa kein Pardon. All das gipfelte in jenem schwarzen Tag im Jahr 1562. Am 12. Juli hat de Landa fast alle Zeugnisse der Mayas vernichten lassen. Alle religiösen Schriften, Symbole, Bilder, die er finden konnte, ließ er auf einen Scheiterhaufen werfen und verbrennen. Und damit ging an einem Tag fast der gesamte Wissensschatz der Maya-Kultur unter. Ein riesen Verlust.

Warum ich jetzt davon erzähle? Weil der Tod von George Floyd am 25. Mai die Themen Rassismus und auch Kolonialismus auf den Plan gerufen hat – und das mit Wucht. Kurz nach seinem Tod wurden in Amerika wie in Europa Denkmäler aus der Kolonialzeit gestürmt. Statuen von Christopher Kolumbus wurden reihenweise einen Kopf kürzer gemacht.

Wenn ich heute von dem erzähle, was damals auf Yukatan passiert ist, dann mache ich das zunächst aus folgendem Grund: Als Kirchenmann muss ich dazu stehen, dass die katholische Kirche gerade in Lateinamerika Teil der Probleme ist, die jetzt wieder zu Tage treten.

Im Zeitalter der Kolonisation hat sich die Kirche wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Es gab zwar auch Missionare, die Enormes zur Völkerverständigung beigetragen haben. Aber es gab eben auch Eiferer wie Diego de Landa. Der sich auf Jesus berufen und dann so eine Gewaltorgie angezettelt hat. Obwohl eben jener Jesus gepredigt hatte „Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt“.

Sie merken: Eine schonungslose Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus ist mir wichtig, auch in der Kirche. Aber ich gestehe: Bei mir regt sich Unbehagen, wenn ich die aktuellen Bilder sehe von Menschen, die auf Statuen einprügeln oder sie vom Sockel reißen. Ich sehe darin eine Aggression und Gewalt, die am Ende immer ihren Preis hat – wie damals auf Yukatan. Es gibt andere Formen der Auseinandersetzung, die nicht die Sprache der Gewalt sprechen.

„Yuk ak katan“ – „Wir verstehen Eure Sprache nicht: Leider ist die Sprache der Gewalt überall verständlich. Das macht es am Ende aber nicht leichter. Wer auf eine Gewalterfahrung mit einer Gewalterfahrung antwortet, der steckt fest im uralten Kreislauf der Rache. Und daher noch einmal, nur zur Erinnerung, die Worte, die zumindest alle Christen leiten sollten: „Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt“.

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