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Kirche in WDR 3 | 04.09.2019 | 07:50 Uhr

Kirchenasyl - Schutz unter dem Kreuz


In diesem Jahr hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge fast alle Fälle von Kirchenasyl abgelehnt.

Kirchenasyl? Nicht mein Thema. Könnten Sie sich jetzt sagen. Bei uns in Deutschland leidet eben niemand unter politischer Verfolgung. Deshalb ist es für Nicht-Betroffene ja auch so schwer vorstellbar, was es für Verfolgte bedeutet, wenn das Kirchenasyl an politischer Wirksamkeit verliert.

Menschen, die als politisch Verfolgte nach Deutschland kommen, um hier Asyl zu beantragen, klammern sich an jede noch so kleine Unterstützung. Und auch viele Ehrenamtliche, darunter viele Christinnen und Christen, kämpfen dafür, dass Asylbewerber jede erdenkliche Hilfe bekommen. Egal, warum diese Ehrenamtlichen den Asylsuchenden helfen – mit ihrem mitmenschlichen Einsatz bieten sie Verfolgten Nähe und Orientierung, so wie es bereits das Neue Testament empfiehlt.

Haben Sie schon einmal gehört, wie so ein Kirchenasyl abläuft? Einzelne Christen oder Kirchengemeinden nehmen verfolgte Menschen in einem Kirchengebäude auf, wenn ihr Asylantrag vom Staat endgültig abgelehnt wurde. Wenn ihnen also konkret die Abschiebung droht. Dann lebt dieser Asylbewerber in der Kirche, und die Gemeindemitglieder stehen ihm bei. Sie versorgen ihn mit Nahrung, Kleidung und rechtlichem Know How. Da das Kirchengebäude auch heutzutage noch als ein besonderer Raum gilt, holt ihn die Polizei hier normalerweise nicht heraus. Und darin besteht das Ziel der Notmaßnahme Kirchenasyl: dass die staatlichen Organe ihren Ablehnungsbescheid ein weiteres Mal überprüfen, damit der Asylbewerber womöglich doch noch als Asylant in unserem Land anerkannt wird und bleiben kann.

Zugegeben: Das Kirchenasyl ist nicht im Recht unseres Staates festgeschrieben. Trotzdem respektieren es die staatlichen Behörden. Womöglich auch, weil das Kirchenasyl uralt ist und schon so vielen Menschen geholfen hat. Die 2000-jährige Tradition reicht nämlich bis in die Antike zurück. Schon damals zogen sich politisch Verfolgte an heilige Orte zurück. Man sagte, dass diese Menschen dort unter dem Schutz der Gottheit stehen. Und die damalige Überzeugung war: Wer im Tempel auf Verfolgte zugreift, der vergreift sich unmittelbar an der Gottheit. Daher waren Asylanten am heiligen Ort sicher. Solange ihre Bedrohung nicht aufhörte, lebten sie also im Tempel, äußerstenfalls sogar bis zu ihrem Tod.

Wer hätte gedacht, dass in Deutschland auch gegenwärtig wieder über 700 Menschen als Asylbewerberinnen und Asylbewerber in unseren Kirchengebäuden leben?! Darunter sind 150 Kinder. Und trotz aller Anstrengungen steht zu befürchten, dass kaum einer dieser Asylbewerber nach dem Kirchenasyl anerkannt wird. Also: dass er oder sie dauerhaft in Deutschland eine sichere Heimat findet. Ich bewundere die Ehrenamtlichen, die dabei helfen, dass Menschen ein Kirchenasyl wahrnehmen können.

Ich bin Hubertus Lutterbach, Kirchengeschichtsprofessor in Essen, und möchte heute für diesen Dienst einfach einmal danken



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