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Hörmal | 27.06.2021 | 07:45 Uhr

Überschaubares Hirtenmaß

Die katholische Kirche in Deutschland hat ja gerade wahrlich nicht viel zu Feiern. Das Bistum Görlitz aber schon – denn heute vor 27 Jahren wurde es zum Bistum gemacht, vom damaligen Papst Johannes Paul II. Und wenn Sie sich jetzt fragen, warum ich hier im Westdeutschen Rundfunk ein ostdeutsches Bistum feiere, dann genau aus dem Grund, dass Sie womöglich noch nie etwas vom Bistum Görlitz gehört haben. Wahrscheinlich auch noch nie vom dortigen Bischof – Wolfgang Ipolt heißt der übrigens. Ich kann Ihnen jetzt auch nicht so viel über das Bistum Görlitz erzählen – Ich war noch nie da – was ich bemerkenswert finde, ist aber folgender Fakt:

Das Bistum Görlitz, das ganz im Osten liegt an der polnischen Grenze, ist nämlich das kleinste deutsche Bistum. Es umfasst 17 Pfarreien mit insgesamt knapp 30.000 Katholik*innen. Und das finde ich auf eine Art richtig gut. Auch, dass man von seinem Bischof Ipolt fast nix hört. Denn der Bischof von Görlitz kommt auf eine Art dem am nächsten, was ursprünglich seine Aufgabe war: ich meine, in Bezug auf sein Hirtenamt. „Bischof“ ist eingedeutscht aus dem Griechischen „Episkopus“ und das heißt etwas frei übersetzt: Der, der den Überblick hat. Ich würde es mal so sagen: Der Bischof, im ursprünglichen Sinne, ist der, der sie alle kennt in seinem Bistum.

Hier in Westdeutschland ist das ja genau andersrum, zum Beispiel in Köln, wo ich lebe. Den hiesigen Erzbischof Woelki kennen irgendwie ja alle. Aber: es wäre ein völliger Irrsinn, wenn der seine 2 Millionen Katholik*innen kenne würde, die zwischen Bonn und Köln, Düsseldorf und Wuppertal leben – Neuss nicht zu vergessen … und das Bergische Land … und die Voreifel … Sie merken: Das Erzbistum Köln ist extrem groß. Und dass der Bischof da nicht alle kennen kann, das ist offensichtlich – das übersteigt das Hirtenmaß. Und vielleicht ist das genau Teil einer Kette von Dingen, die zu dem Problem der Kirche in Deutschland allgemein und besonders in Köln gehören. Denn: Die deutschen Bistümer sind in der Regel groß – mittlerweile auch sogar manche Pfarrgemeinden. Ich gehöre zu der Innenstadtpfarrei in Köln und die alleine zählt 38.000 Gläubige – also mehr als das Bistum Görlitz. Selbst mein Pfarrer kennt nicht mehr seine Gläubigen, obwohl er sehr viel tut und sich redlich um Kontakt zu den Menschen hier bemüht.

Ich habe mir folgendes vorgestellt: Würde das Erzbistum Köln in Italien liegen, bin ich mir sicher: Bonn, Düsseldorf, Köln, Wuppertal, ja sogar Neuss wären eigene Bistümer. Denn: In Italien gibt es 226 Bistümer. In Deutschland nur 27 Wie ist das gekommen? In Deutschland waren die Bischöfe in früheren Jahrhunderten oft nicht nur Bischöfe, sondern auch Fürsten. Und ihre Bistumsgrenzen wurden ständig erweitert, je mehr Macht sie in der Geschichte angehäuft hatten. Macht ist ein großes Thema in der derzeitigen Kirchenkrise.

Dagegen ist das Bistum Görlitz heutzutage nicht nur sehr jung, sondern auch erfrischend klein. Das hat natürlich den Nachteil, dass der Bischof nicht so viel von sich Reden macht in den Medien. Aber, ganz ehrlich: Ich schätze es auch, wenn ein Bischof mehr mit den Menschen konkret redet als mit den Medien. Ich bin mir sicher: mit das beste Programm gegen Kirchenaustritte ist: In Kontakt bleiben mit den Gläubigen. Auch wenn das Wort vom „guten Hirten“ im 21. Jahrhundert vielleicht nicht mehr ganz so eingängig ist wie zur Zeit Jesu: Auch heute gilt noch ein Wort, das sich einem seiner Gleichnisse entlehnt (vgl.: Mt 18,12-14): Ein Hirt, der dem einzelnen verlorenen Schaf nicht mehr nachgehen kann, dem geht – so vermute ich – auf kurz oder lang seine Herde flöten. Auch wenn in der Bibel nur von 100 Schafen die Rede ist. Es geht um den einzelnen und um die einzelne: es geht um Kontakt, Wertschätzung und dem Hinterhergehen. Und das ist alles nur möglich, wenn man als Episkopus den Überblick hat, will heißen: das gesunde Hirtenmaß! – Das wünsche ich mir sehr für meine Kirche in Deutschland und für meine Bischöfe im Besonderen. In diesem Sinne: Glückwunsch nach Görlitz, Du überschaubares Bistum…und falls Sie einmal wissen wollen, was in der Bibel zum rechten Hirtenmaß steht: nehmen Sie sich mal die Bibel zur Hand, oder googlen Sie 1 Timotheus, Kapitel 3. Ich habe jetzt keine Zeit mehr, das zu zitieren. Aber ich verspreche Ihnen: Sie werden sich wundern, wie lebensnah der Apostel Paulus Kriterien anlegt für einen guten Bischof, einen „bon pasteur“.

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