#
Aktuelles

Beiträge auf: wdr2 

katholisch

Hörmal | 08.11.2020 | 07:45 Uhr

Eine Martinsgeschichte

Vor ein paar Wochen habe ich eine Mail von einer Hörerin bekommen, Frau A. aus R. Angehängt war ein Text, den sie sich wohl von der Seele geschrieben hatte. Frau A. hat Krebs. Aber darum geht es nicht in dem Brief, sondern um etwas, das sie als ein Wunder bezeichnet.

Frau A. hat eine Schwester, Gertraud. Und wie das so ist, die Lebenswege von Geschwistern laufen nicht immer gerade und schon gar nicht parallel. 15 Jahre hat ihre Schwester auf der Straße gelebt. Eines kam zum anderen, Misshandlungen, Schläge, dann der Alkohol, schließlich war Gerdi, wie sie am Münsteraner Hauptbahnhof gerufen wurde, obdachlos. Frau A. schreibt „Gerdi schlief oft im Regen, manchmal liefen Ratten über sie hinweg. Oft betete ich für sie, mehr blieb mir nicht.“ Immer an Weihnachten zündete Frau A. eine Kerze an für ihre Schwester, von der sie nicht wusste, wie es ihr gerade geht.

Frau A. musste sich anhören lassen, Gerdi sei eine Schande. Aber sie war doch ihre Schwester. Und weil sie in getrennten Städten lebten, und Frau A. sich nicht direkt um Gerdi kümmern konnte, suchte sie sich in ihrem Ort einen Obdachlosen, um den sie sich hin und wieder kümmerte. In der Hoffnung, dass auch ihre Gerdi so jemand finden möge. Und den fand Gerdi auch. Martin hieß Gerdis Helfer, ein Pensionär, der hier und da den Obdachlosen am Münsteraner Hauptbahnhof half. Martin behielt Gerdi im Blick und wusste was zu tun war, als im Januar ihre Gesundheit drastisch schlechter wurde.Er rief Frau A. an, ihre Schwester sei im Krankenhaus – Leberzirrhose, sagte er. Dann kam Corona und Gerdi kam in ein Altenheim. Sie kam in Quarantäne und auf Entzug. Von da ab telefonierten Frau A. und Gerdi wieder miteinander – fast täglich.

In ihrem Brief schreibt Frau A weiter: „Gerdi fragte mich in ihrer Not, ob der Chef dort oben sie noch lieb hätte“. Und Frau A antwortete: „Na klar – wenn jemand einen Schutzengel hätte, dann sie“ Gerdi bat ihre Schwester, für sie zu beten und Frau A. betete, was das Zeug hielt.“

In der Zwischenzeit bekam Frau A. die Diagnose Krebs, wie sie schreibt endet ihren Brief so: „Meine Schwester ist mittlerweile clean und hat sich seit 15 Jahren das erste Mal nach mir erkundigt, weil sie sich ebenfalls Sorgen macht. Es gibt noch Wunder.“

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was für Frau A. das größere Wunder war: Dass ihre Schwester clean ist, oder dass sie endlich einmal zurück fragte: Wie geht es Dir?

Warum ich Ihnen heute davon erzähle? Weil am Mittwoch St. Martin gefeiert wird. Und für mich ist die Geschichte von Frau A. aus R. eine Martinsgeschichte. Nicht so sehr, weil Gerdis Schutzengel in Münster Martin hieß, sondern: weil die Martinsgeschichte klar macht, was Teilen heißt: den anderen im Blick haben und handeln. Und Frau A. hat mir einmal mehr klar gemacht, dass auch ein Gebet viel mit Teilen zu tun hat.

Ein Dank an alle Martins und Martinas und wie sie alle heißen da draußen, die die Nöte der anderen im Blick haben, die helfen: durch einen Anruf, durch eine Spende, durch einen Mantelteil, oder manchmal einfach durch ein Gebet. Ihr predigt mit Eurem Leben von dem, was die Christen Nächstenliebe nennen.

katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen