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Kirche in WDR 5 | 12.05.2020 | 06:55 Uhr

Sehnsucht nach Normalität

Guten Morgen!

In diesen Corona-Zeiten telefoniere ich öfter mit meinen Eltern als sonst. Am Ende sage ich meinen Eltern mittlerweile schon ganz routiniert: „Und schön zu Hause bleiben, meldet euch, wenn ihr etwas braucht!“ Das meint auch: Passt auf, wir sind noch nicht durch; die Krise hält an.

Eine weitere Formel bei mir am Telefon lautet: „Bleib gesund!“ Das kommt mir inzwischen sehr selbstverständlich über die Lippen.

Und dann seufze ich immer häufiger: „Ach, wäre das doch alles bald vorbei!“ Ich will ehrlich zugeben, das hat auch einen leicht depressiven Klang!

All diese Sätze sind neu in meinem Sprachgebrauch. Und sie enthalten die Erkenntnis, dass die Welt im wahrsten Sinne des Wortes ver-rückt ist, nicht mehr normal, vieles erscheint in einer neuen Perspektive.

Solche Sätze spiegeln auch wieder, dass wir mit dieser verdammten Corona-Situation weiter zurechtkommen müssen. Und noch immer gibt es keine Aussicht auf ein Ende.

Manchmal hilft mir da ein gewisser Krisenaktivismus, zu Hause und im Büro. Wenn es etwas zu regeln gibt, dann geht es mir gut. Das lenkt ab. Tatsächlich rette ich mich manchmal von Ereignis zu Ereignis und bilde mir ein, dass sei jetzt mein souveränes Management, mein Krisenmanagement.

Aber auch im Großen ist es ver-rückt. Es ist alles nicht wirklich normal, weder im Beruf – so man ihn noch ausüben kann – noch in der Familie. Und deswegen fordert diese Situation eine ungeheure Flexibilität und Anpassungsbereitschaft heraus: Wie oft schon galt es abzuwarten, wie die Corona-Lage sich entwickelt, abzuwarten, was die Politik entscheidet, um sich dann wieder neu zurechtzufinden, sich anpassen, manchmal auch bloß ein Chaos zu bewältigen und mühsam eine neue Ordnung zu organisieren?

Eines kann ich für mich jedenfalls sagen: Es wird mir nicht langweilig – im Gegenteil. Allerdings: Zwischen Mails und Telefonaten, Einkaufslisten, Kaffeetassen und der Fixiertheit auf täglich neue Corona-Nachrichten schleicht sich langsam bei mir auch eine ungeduldige Genervtheit ein. Dann wünsche ich mir noch ein bisschen mehr Normalität. Aber wann wird das sein?

Bei einem biblischen Weisheitslehrer habe ich einen Satz gefunden, der mir schon immer wichtig war und der mehr denn je auf die heutige Situation passt. Es ist ein Text voller grandioser Ehrlichkeit:

„Alles ist eitel, nichts als ein Windhauch“, so sagt der Prediger (aus: Kohelet 3, 1-3). „Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen … eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum Bauen.“

Dieser Weisheitslehrer stößt mich schonungslos auf meine Unvollkommenheit und auf die Endlichkeit meines Lebens. Er empfiehlt, den Unsicherheiten, der ich in meinem Leben ausgesetzt bin, nicht auszuweichen. Und zugleich ist er unbeirrt, dass ein fröhliches Leben möglich ist, eines voll Freude, Genuss und sogar Lachen. Denn in allem weiß er sich unter den Augen seines Schöpfers in guter Hand und dafür dankt er seinem Gott.

Alles hat seine Zeit – das ist für mich etwas Tröstliches und Zuversichtliches. Der Realismus dieser Worte tut mir gut – vor allem in meiner Sehnsucht nach Normalität.

Aus Essen grüßt Sie Markus Potthoff

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