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Kirche in WDR 3 | 15.05.2020 | 07:50 Uhr

Ach, Europa

Guten Morgen!

 

Sehr früh waren meine Familie und ich diesmal dran. Bereits im Herbst letzten Jahres hatten wird die Wanderwoche in Südtirol für den kommenden Sommer gebucht. Nach dem Wandern wollten wir weiter in die wunderbare Landschaft Mittelitaliens. Der Gedanke an den blauen Himmel, an das Meer, an Oliven und sonnengereifte Tomaten war für mich eine Vorfreude, ja eine Inspiration gerade in den dunklen Tagen zu Jahresbeginn.

Unser Urlaub ist jetzt storniert. Durch die aktuelle Lage haben wir ganz andere Sorgen.

Und wenn ich heute an Italien denke, fallen mir vor allem unsere Vermieter ein, ein älteres Ehepaar. Sie haben angerufen und bedauert, dass wir in diesem Jahr nicht zu ihnen kommen werden. Es freut mich zu hören, dass es Ihnen gut geht, und dass aus Italien nun bessere Nachrichten kommen.

Die Bilder aus Norditalien sind ja auch beängstigend und irgendwie irreal. Mehrmals wurden über 800 Tote an einem Tag gezählt. Schockierend waren dazu die Bilder von den Krankenstationen Norditaliens, von Militärtransportern beladen mit Särgen. Es gab aber auch anderes: Italiener sangen auf ihren Balkonen und machten damit Mut.

In Italien entstand allerdings das Gefühl, in einer schweren Krise in Europa alleine gelassen worden zu sein. Wieder einmal. Neben den Berichten aus Italien, liefen auch noch die Bilder von den griechischen Inseln über unsere Bildschirme. Tausende Menschen: mangelhaft versorgt mit Lebensmitteln, psychisch belastet, perspektivlos und unter himmelschreienden Bedingungen – nicht nur was die Hygiene angeht. Kein Schutz vor Ansteckung.

Schließlich wurden die ersten Minderjährigen evakuiert. Einige wenige kamen in Deutschland und in Luxemburg an. Ein Anfang, sei das, hieß es. In Wahrheit ist das ein Armutszeugnis für Europa, ein Feigenblatt humanitärer Hilfe.

Zu Beginn der Pandemie war jedes Land in Europa erst einmal mit sich beschäftigt. Europa war nicht vorbereitet auf eine so große Krise.

Dabei heißt es doch in den Gründungsdokumenten der Europäischen Union: Europa sei auf Solidarität gebaut und bewähre sich in enger Zusammenarbeit.

Ach, Europa! Als Bürger Europas bleibt meine Hoffnung, dass das europäische Projekt sich durch die Krise doch weiter entwickelt, dass Europa die Zusammenarbeit in Kultur und Politik, in Wirtschaft und Wissenschaft weiter stärkt.

Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass Europa ein Vorreiter im Klimaschutz und in der Flüchtlingspolitik wird. Ich will kein Europa, das sich als „Festung“ versteht, sondern eines, das Armut und Not in dieser Welt aktiv bekämpft, besonders die Not in vielen Teilen Afrikas.

Europa steht angesichts der Pandemie vor einer „epochalen Herausforderung“, sagt Papst Franziskus. Eindringlich mahnt er: "Gleichgültigkeit, Egoismus, Spaltung und Vergessen sind wahrlich nicht die Worte, die wir in dieser Zeit hören wollen."[1]

Ja, die EU steht vor ihrer bislang größten Herausforderung – und es wird auch von uns allen abhängen, dass Europa seine Ideale, seinen Glauben an Humanität, an die Demokratie und seinen Willen zu europäischer Zusammenarbeit nicht verliert.

Als Bürger und Christ werde ich mich weiter einsetzen für ein offenes und solidarisches Europa! Mir ist dabei klar: Wenn das kein Lippenbekenntnis sein soll, komme auch ich nicht daran vorbei, meinen Lebensstil und meine Ansprüche zu ändern.

Aus Essen grüßt Sie Markus Potthoff


[1] www.vaticannews.va/de/papst/news/2020-04/papst-franziskus-urbi-et-orbi-2020-ostern-botschaft-corona-krise.html

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