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Kirche in WDR 2 | 06.08.2020 | 05:55 Uhr

Mit dem Fuß im Mund

„Was habe ich in den letzten Monaten eigentlich neu entdeckt?
Was habe ich erlebt, was gelernt?“ Oder sind diese Monate einfach mal wieder vorbeigerauscht?

Diese Fragen treiben mich um, seit Freya Marie auf der Welt ist. Sie ist meine Großnichte und heute wird sie fünf Monate alt. Und ohne, dass sie es ahnt oder bezweckt, hält sie mir immer wieder den Spiegel vor.

Fünf Monate vergehen für uns Erwachsene wie im Flug. „So ein Jahr ist ja nichts mehr!“ sagen wir Erwachsene und wundern uns, dass bald schon wieder wahlweise Weihnachten oder Ostern vor der Tür steht. Sechs Wochen Sommerferien waren als Kind eine gefühlte Ewigkeit. Heute sausen sie so durch. Zumindest scheint es so, als wenn die Zeit schneller liefe, als wenn ich immer weniger Möglichkeiten hätte, diese Zeit intensiv zu gestalten.

Die kleine Freya Marie zeigt mir, wieviel Leben wirklich in fünf gelebten Monaten steckt. Am 06. März war sie so viel kleiner, so viel verschlafener. Inzwischen kann sie ihre liebsten Menschen wiedererkennen, sie interagiert und ist neugierig auf alles und jeden. Sie guckt und hört allem hinterher, versucht zuzugreifen, wo es nur geht. Sie macht Töne, die sie selbst und uns zum Lachen bringen. Gerade probiert sie sich am Perspektivwechsel: Es wird so lange geruckelt und gewackelt, bis sie vom Rücken auf dem Bauch landet. Wenn es gelingt, wird laut gequietscht vor Freude. Freya Marie ist wie alle kleinen Menschenkinder: Sie probiert sich durchs Leben.

 

Und sie zeigt mir: Wir lassen ganz schön nach, mit den Jahren.
Also was die Neugier aufs Leben angeht und die Lust am Ausprobieren. Den Mut, zu scheitern und auch mal unbeholfen komisch auszusehen.
Wo ist sie hin, diese unerschütterliche Zuversicht, dass es sich lohnt, etwas immer und immer wieder zu versuchen?

Während ist Freya Marie also zuschaue, denke ich mir:

Erstaunlich, diese Frustrationstoleranz und diese Ausprobierwut!
Ihre ersten fünf Monate führen mir vor Augen: Wäre ich als Baby in meiner Komfortzone geblieben, ich würde noch immer brabbelnd auf der Krabbeldecke liegen. Eine skurrile Vorstellung, zugegeben…

Skurril aber nicht weniger herausfordernd. Denn die Frage ist doch:
Auf welcher Krabbeldecke liege ich gerade? Und gibt es etwas, das ich lieber tun würde, als hier herumzuliegen?

Wie oft sage ich „Das-kann-ich-nicht-Sätze?“ Gar nicht so selten, wenn ich ehrlich bin. Ich würde gerne gut singen, malen, tanzen und Videos schneiden können. Oder osteopathische Behandlungen durchführen, das wär‘s. Aber es angehen? Ich hake das routiniert mit einem schulterzuckenden „Kann ich nicht“ ab. Finde mich damit ab, als gäbe es eine Anzahlbegrenzung für Versuche. Bisher war das jedenfalls so. Denn mit jedem kleinen Video, das ich von meiner kleinen Großnichte sehe, juckt es mich, es ihr gleichzutun.  

Wenn Sie so wollen, ist Freya Marie gerade mein winzig kleiner und doch so lebenskluger Personal Coach. Sie erinnert mich an den Mut, den ich schon mal hatte.

Kann gut sein, dass wir gleichzeitig versuchen, los zu krabbeln, nur um wieder neues Land unter die Knie zu nehmen. Sie das laufen, ich das tanzen. Und kann gut sein, dass wir beide losquieken, wenn es klappt.

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